Bei Freizeit- und Ferienreisen greifen rund 70 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer zum Auto. Nur etwa ein Drittel nutzt den öffentlichen Verkehr. Eine Studie der Hochschule Luzern zeigt, weshalb der Umstieg in der Freizeit schwierig ist und mit welchen Massnahmen sich Verkehrsspitzen und Staus reduzieren lassen könnten.
Warum das Auto in der Freizeit dominiert
Wer am Wochenende in die Berge fährt oder mit der Familie Ferien macht, entscheidet sich häufig für das Auto. Laut der Studie spielen dabei vor allem praktische Gründe eine Rolle: Gepäck, Kinder, ländliche Reiseziele und die Möglichkeit, ohne Umsteigen direkt ans Ziel zu gelangen.
Das Auto werde als bequemer, schneller und flexibler wahrgenommen, erklärt Studienleiter Widar von Arx von der Hochschule Luzern. Bei Reisen in Gruppen kann es zudem finanziell attraktiver sein, weil sich die Kosten auf mehrere Personen verteilen.
Eine weitere wichtige Rolle spielt die Nutzung des öffentlichen Verkehrs im Alltag. Wer kein ÖV-Abonnement besitzt, entscheidet sich bei Freizeitfahrten in neun von zehn Fällen für das Auto. Für eine Veränderung des Mobilitätsverhaltens müsse deshalb zunächst verstanden werden, welche praktischen Vorteile das Auto bietet.
Parkplätze könnten Verkehrsspitzen reduzieren
Um die Schweizer Strassen zu entlasten, setzt die Studie unter anderem bei der Anreise mit dem Auto an. Ein Ansatzpunkt ist die Parkplatzsituation am Zielort.
Laut der Untersuchung sind viele Menschen bereit, ihre Reisezeit anzupassen, wenn sie dadurch sicher sein können, am Ziel einen Parkplatz zu erhalten. Diese Bereitschaft könnte genutzt werden, um die An- und Abreise zeitlich besser zu verteilen.
Digitale Parkplatzsysteme könnten beispielsweise freie Parkplätze anzeigen oder Buchungen ermöglichen. Dadurch liessen sich Reisezeiten gezielter staffeln und Verkehrsspitzen reduzieren.
Eine weitere Möglichkeit sind Park-and-Ride-Anlagen. Reisende könnten ihr Auto ausserhalb stark belasteter Ortschaften abstellen und für die letzte Strecke auf den öffentlichen Verkehr umsteigen. Damit liesse sich insbesondere der Verkehr in touristischen Dörfern reduzieren.
ÖV muss praktischer werden
Beim öffentlichen Verkehr sieht die Hochschule Luzern vor allem bei Komfort und Reisezeit Verbesserungspotenzial. Gerade bei Tagesausflügen könne zusätzliches Gepäck zum Hindernis werden.
Ein Tür-zu-Tür-Gepäckservice könnte deshalb dazu beitragen, dass Reisende häufiger den Zug wählen. Das Gepäck müsste dabei nicht während der gesamten Reise mitgeführt werden.
Auch direkte Verbindungen spielen eine wichtige Rolle. Laut Studie sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Reisende den Zug wählen, um rund ein Drittel, wenn ein zusätzlicher Umstieg notwendig ist.
Für die letzte Etappe einer Reise seien zudem gut abgestimmte Mobilitätsangebote entscheidend. Dazu gehören beispielsweise Anschlüsse zwischen Bahn, Bus und weiteren Verkehrsmitteln. Je einfacher die gesamte Reisekette funktioniert, desto attraktiver wird der ÖV auch für Freizeitfahrten.
Tiefere Preise allein reichen nicht
Eine reine Preissenkung beim öffentlichen Verkehr dürfte das Verkehrsproblem laut der Studie hingegen nur begrenzt lösen. Im Freizeit- und Tourismusverkehr seien die Menschen vergleichsweise wenig preissensibel.
«Wer einen Tagesausflug macht, will die Zeit geniessen. Das heisst, die Zeit ist viel wichtiger als der Preis.»
Für einen Ausflug oder Skitag stehe deshalb nicht unbedingt der günstigste Transport im Vordergrund. Wer bereits viel Geld für ein Skiticket, eine Unterkunft oder andere Freizeitaktivitäten ausgibt, dürfte sich von einigen Franken Preisunterschied zwischen Auto und Zug häufig nicht umstimmen lassen.
Entscheidend sei deshalb weniger der Preis als eine möglichst einfache, schnelle und komfortable Reise. Die Hochschule Luzern sieht insbesondere bei Parkraummanagement, direkten ÖV-Verbindungen, Gepäckangeboten und der Abstimmung der Mobilitätsangebote Ansatzpunkte.
Damit könnten Verkehrsspitzen besser verteilt und gleichzeitig Anreize geschaffen werden, das Auto zumindest für einen Teil der Freizeitwege stehen zu lassen.






