Ein mögliches US-Importverbot für chinesische Technik zur Vernetzung von KI-Rechenzentren könnte die globale Lieferkette unter Druck setzen. Während chinesische Anbieter unter Druck geraten, profitieren an der Börse auch europäische und Schweizer Unternehmen. Huber+Suhner und Nokia gelten als mögliche Profiteure.
Die USA könnten den Import chinesischer optischer Transceiver-Module für grosse Rechenzentren künftig stärker beschränken. Solche Bauteile sind für die Verbindung leistungsfähiger Server und KI-Beschleuniger in Hyperscaler-Rechenzentren entscheidend.
Das Marktforschungsunternehmen Counterpoint warnt, ein solches Verbot könnte die ohnehin angespannten Lieferketten weiter belasten. US-Technologiekonzerne wie Amazon und Microsoft müssten bei einem Wegfall chinesischer Anbieter mit höheren Kosten und möglichen Engpässen rechnen.
Chinesische Anbieter dominieren den Markt
Optische Transceiver wandeln elektrische Signale in optische Signale um und ermöglichen damit die schnelle Datenübertragung innerhalb von Rechenzentren. Gerade beim Aufbau grosser KI-Infrastrukturen werden enorme Mengen solcher Komponenten benötigt.
Laut Counterpoint stellen chinesische Unternehmen wie Zhongji Innolight und Eoptolink zusammen knapp zwei Drittel des weltweiten Liefervolumens optischer Transceiver. Ein kurzfristiger Ersatz durch US-amerikanische oder europäische Hersteller wäre deshalb schwierig.
Counterpoint-Analyst Neil Shah warnt davor, den Markt einfach geografisch aufteilen zu wollen. Das weltweite KI-Hardware-Ökosystem sei weiterhin stark von chinesischen Unternehmen abhängig, insbesondere wenn grosse Stückzahlen benötigt würden.
Ein US-Importverbot könnte deshalb nicht nur chinesische Hersteller treffen. Auch amerikanische Hyperscaler wären betroffen, wenn sie ihre Rechenzentren gleichzeitig weiter ausbauen und auf leistungsfähige KI-Infrastruktur setzen wollen.
Huber+Suhner profitiert indirekt
An den Börsen zeigte sich bereits eine Reaktion auf die Diskussion über mögliche Handelsbeschränkungen. Die Aktie des chinesischen Herstellers Zhongji Innolight verlor zeitweise bis zu 14 Prozent.
Gleichzeitig legten europäische und Schweizer Titel zu. Nokia stieg in Helsinki zeitweise um rund 6,5 Prozent. Die Aktie des Schweizer Technologiekonzerns Huber+Suhner gewann in Zürich knapp 3,5 Prozent und notierte bei rund 197,40 Franken.
Huber+Suhner ist allerdings kein direkter Ersatz für chinesische Transceiver-Hersteller. Das Unternehmen ist vor allem im Bereich passiver Glasfaser-Infrastruktur tätig und produziert unter anderem Kabel und Steckverbindungen.
Trotzdem könnte Huber+Suhner vom langfristigen Ausbau der KI-Infrastruktur profitieren. Für Hyperscaler entstehen durch den Ausbau grosser Rechenzentren zusätzliche Nachfrage und Investitionen in die gesamte Netzwerk-Infrastruktur.
🚨 Breaking News direkt aufs Smartphone
Verpasse keine Eilmeldung mehr – jetzt den imTicker WhatsApp-Kanal abonnieren:
👉 imTicker auf WhatsApp abonnieren
Nokia könnte europäische Alternative sein
Eine weitere mögliche Gewinnerin ist Nokia. Der finnische Konzern verfügt seit der Übernahme von Infinera über zusätzliche Technologie im Bereich optischer Netzwerke und ist damit für den Ausbau von Hyperscaler-Infrastruktur positioniert.
Nokia ist allerdings ebenfalls nicht mit chinesischen Massenproduzenten von einzelnen Transceiver-Modulen gleichzusetzen. Der Konzern konzentriert sich stärker auf komplexe Netzwerklösungen und die Ausrüstung grosser Kommunikationsnetze.
Für Schweizer und europäische Unternehmen bietet der Konflikt dennoch Chancen, wenn US-Konzerne ihre Lieferketten stärker diversifizieren müssen. Gleichzeitig zeigt die Situation, wie abhängig der weltweite Ausbau der künstlichen Intelligenz von einer komplexen internationalen Hardware-Lieferkette ist.
US-Hersteller profitieren direkt
Die unmittelbaren Profiteure eines möglichen Verbots finden sich derzeit vor allem in den USA. Aktien von Unternehmen, die mit chinesischen Anbietern konkurrieren, reagierten teilweise deutlich positiv.
Die Titel von Applied Optoelectronics legten zeitweise um fast 20 Prozent zu. Die Aktie von Coherent stieg um rund 12,4 Prozent.
Ob daraus tatsächlich eine nachhaltige Verschiebung der Marktanteile entsteht, bleibt jedoch offen. Entscheidend wird sein, ob alternative Hersteller die benötigten Mengen und technischen Anforderungen der grossen US-Hyperscaler tatsächlich erfüllen können.
Für Schweizer Unternehmen wie Huber+Suhner liegt die Chance deshalb weniger in einem unmittelbaren Ersatz chinesischer Transceiver als im allgemeinen Wachstum der KI-Rechenzentren und der damit verbundenen Nachfrage nach Glasfaser- und Netzwerkinfrastruktur.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschliesslich der Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung für Wertpapiere dar. Alle Angaben wurden nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Trotz sorgfältiger Prüfung wird keine Gewähr für die Vollständigkeit, Richtigkeit oder Aktualität der Informationen übernommen. Anleger sollten ihre Investitionsentscheidungen auf Grundlage eigener Recherchen oder einer unabhängigen Finanzberatung treHen.






