Mehr als 600 Schweizer Unternehmen sind auf die Automobilindustrie spezialisiert und beschäftigen zusammen über 100’000 Menschen. Doch der Wandel der Branche setzt sie zunehmend unter Druck. Laut einer aktuellen Studie sind Umsatz und Margen der Schweizer Zulieferer deutlich stärker zurückgegangen als bei den weltweit führenden Unternehmen.
Die Schweizer Autozulieferindustrie steht vor einer schwierigen Phase. Während der weltweite Automobilmarkt weiterhin wächst, verschieben sich Marktanteile zunehmend nach China.
China produziert nicht nur immer mehr Fahrzeuge, sondern baut auch seine eigene Zulieferindustrie aus. Für Schweizer Unternehmen, die stark in internationale Lieferketten eingebunden sind, erhöht dies den Wettbewerbsdruck und verändert traditionelle Absatzmärkte.
Über 600 Unternehmen sind betroffen
In der Schweiz gibt es mehr als 600 Zulieferunternehmen, die auf die Automobilindustrie spezialisiert sind. Ihre Produkte reichen von Sensoren und elektronischen Komponenten bis zu Teilen der Fahrzeuginnenausstattung.
Zusammen beschäftigen die Unternehmen mehr als 100’000 Mitarbeitende und erzielen weltweit einen Umsatz von über 20 Milliarden Franken. Ein grosser Teil des Geschäfts ist mit der deutschen Automobilindustrie verbunden.
Die Veränderungen im globalen Automobilmarkt treffen deshalb auch die Schweizer Industrie. Laut einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens AlixPartners leidet die Branche unter sinkenden Umsätzen, rückläufigen Margen und veränderten Handelsströmen.
China gewinnt gleichzeitig in immer mehr Bereichen Marktanteile. Neben Fahrzeugen werden zunehmend auch Komponenten und Technologien im eigenen Land produziert.
Schweizer Zulieferer verlieren deutlich mehr Umsatz
Besonders deutlich wird die Entwicklung beim Vergleich mit der internationalen Konkurrenz. Die Schweizer Autozulieferer verzeichneten im vergangenen Jahr gemeinsam einen Umsatzrückgang von mehr als 13 Prozent.
Bei den 100 wichtigsten Autozulieferern weltweit fiel der Rückgang mit 2,2 Prozent deutlich geringer aus. Bereits 2024 hatten die Schweizer Unternehmen stärker verloren als ihre internationale Konkurrenz: Damals betrug der Umsatzrückgang 14,9 Prozent, verglichen mit 4,3 Prozent bei den globalen Top-100-Zulieferern.
Auch bei der Profitabilität schneiden die Schweizer Unternehmen laut Studie schlechter ab. Damit geht es nicht nur um weniger Umsatz, sondern auch um den Druck auf die Gewinnmargen.
Für viele Unternehmen ist die Situation besonders schwierig, weil sie auf spezialisierte Nischenprodukte ausgerichtet sind. Studien-Co-Autor Frank Heines erklärt, dass gerade in diesen Bereichen Umsatz und Margen derzeit besonders schnell zurückgingen.
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China verändert die Lieferketten
Die zunehmende Stärke chinesischer Autohersteller wirkt sich auf die gesamte Lieferkette aus. Chinesische Unternehmen produzieren immer mehr Komponenten selbst und können dadurch ihre Abhängigkeit von ausländischen Zulieferern reduzieren.
Für Schweizer Unternehmen bedeutet dies einen doppelten Druck: Einerseits verlieren traditionelle Kunden möglicherweise Marktanteile, andererseits entstehen neue Konkurrenten aus China.
Die Studienautoren sehen deshalb einen hohen Handlungsbedarf. Unternehmen müssten unter anderem ihre Liquidität, Margen und Produktportfolios überprüfen. Gleichzeitig sollten sie neue Wachstumsfelder ausserhalb der klassischen Automobilindustrie erschliessen und ihre Risiken im Zusammenhang mit China und internationalen Lieferketten reduzieren.
Sollten Umsatz und Profitabilität der Schweizer Zulieferer in den kommenden ein bis zwei Jahren weiter sinken, könnte dies laut Studie erhebliche Folgen für die Schweizer Wirtschaft haben.
Oerlikon und Autoneum spüren die Schwäche
Auch die jüngsten Aussagen verschiedener Schweizer Unternehmen bestätigen die schwierige Marktlage. Oerlikon berichtet von anhaltender Unsicherheit auf den Automobilmärkten.
Autoneum spricht von einem verhaltenen Marktumfeld in der Automobilindustrie. Das Unternehmen verweist zudem auf Erwartungen, wonach weltweit in diesem Jahr weniger Fahrzeuge produziert werden könnten als im Vorjahr.
Auch Dätwyler meldet eine gedämpfte Nachfrage in den etablierten Automobilmärkten. Gleichzeitig konnte das Unternehmen seine Position bei chinesischen Automobilherstellern stärken.
STMicroelectronics sorgt für einen Lichtblick
Ein positiveres Signal kommt von STMicroelectronics. Der Halbleiterhersteller ist der einzige Schweizer Vertreter unter den 100 weltweit grössten Autozulieferern und meldete für das zweite Quartal ein deutliches Umsatzwachstum.
Konzernchef Jean-Marc Chéry führte die Entwicklung unter anderem auf das Geschäft mit der Automobilindustrie zurück. Das Beispiel zeigt, dass trotz der schwierigen Lage nicht alle Schweizer Zulieferer gleich stark betroffen sind.
Für die Branche bleibt damit vor allem die Frage, wie schnell sich die Unternehmen an die veränderte Wettbewerbslandschaft anpassen können. Neben Kostensenkungen dürften neue Technologien, eine stärkere Diversifizierung und der Zugang zu internationalen Wachstumsmärkten entscheidend werden.






