Wegen anhaltender Transportprobleme auf Rhein und Donau wird die Versorgung mit Protein-Futtermitteln in der Schweiz erschwert. Die Wirtschaftliche Landesversorgung bewilligt deshalb ab dem 1. September 2026 begrenzte Bezüge aus Pflichtlagern. Bis Ende Februar 2027 dürfen maximal 20 Prozent der eingelagerten Menge bezogen werden.
Niedrigwasser erschwert Importe
Auf dem Weltmarkt sind derzeit ausreichend Proteinträger verfügbar. Der Engpass betrifft vor allem die Transportwege durch Europa und in die Schweiz. Besonders wichtig sind dabei Rhein und Donau, über die ein grosser Teil der entsprechenden Güter transportiert wird.
Das anhaltende Niedrigwasser schränkt die Transporte seit Wochen ein. Gleichzeitig werden wegen der Situation auch andere Güter verstärkt über Strasse und Schiene befördert. Dadurch können die Schweizer Importeure derzeit nicht genügend Proteinträger für die Tierfütterung ins Land bringen.
Zusätzlich verschärft die anhaltende Trockenheit die Situation in der Landwirtschaft. Dadurch steht weniger Raufutter zur Verfügung, wodurch die Bedeutung von proteinreichen Futtermitteln zusätzlich zunimmt.
Bis zu 16’000 Tonnen aus Pflichtlagern
Der Delegierte für wirtschaftliche Landesversorgung, Roland Pfister, hat deshalb ab dem 1. September 2026 eine temporäre Bedarfsdeckungsunterschreitung (TBDUS) bewilligt. Bis spätestens Ende Februar 2027 dürfen damit maximal 20 Prozent der Gesamtmenge aus den Pflichtlagern bezogen werden. Dies entspricht knapp 16’000 Tonnen.
Die Pflichtlager für Protein-Futtermittel befinden sich im Besitz der Unternehmen. Als Zielvorgabe verfügen sie insgesamt über eine Bedarfsdeckung von zwei Monaten.
Sollte sich die Versorgungslage weiter verschärfen, könnte Departementschef Guy Parmelin per Verordnung die gesamte Menge der Pflichtlager für Bezüge freigeben. Nach Angaben der Wirtschaftlichen Landesversorgung ist die Versorgung mit den anderen lebenswichtigen Gütern derzeit sichergestellt.
Sojaschrot besonders wichtig
Proteinträger sind eiweissreiche Bestandteile von Tierfutter. Eine zentrale Rolle spielt Sojaschrot, bei dem die Schweiz nahezu vollständig auf Importe angewiesen ist. Es entsteht als Nebenprodukt bei der Gewinnung von Sojaöl aus Sojabohnen.
Futtermittelhersteller verarbeiten Proteinträger zusammen mit Getreide und weiteren Bestandteilen zu Mischfutter oder mischen sie direkt den Futterrationen bei. Eingesetzt werden sie insbesondere in der Rindvieh-, Schweine- und Geflügelhaltung.
Eine ähnliche Situation gab es bereits beim Rhein-Niedrigwasser im Jahr 2018. Damals wurde ebenfalls eine temporäre Bedarfsdeckungsunterschreitung für proteinhaltige Futtermittel bewilligt. Tatsächliche Bezüge aus den Pflichtlagern waren damals jedoch nicht notwendig, weil sich die Versorgungslage rasch wieder entspannte.






