Noch nie kamen in der Schweiz so wenige Babys zur Welt wie heute. Die Geburtenrate ist auf 1,28 Kinder pro Frau gefallen – ein historischer Tiefststand. Und es wird nicht besser: Eine Studie im Fachmagazin «The Lancet» prognostiziert, dass bis Ende des Jahrhunderts weltweit nur noch sechs Länder genug Kinder bekommen werden, um ihre Bevölkerung zu erhalten. Die Schweiz gehört nicht dazu.
Das Wichtigste in Kürze
- Schweizer Geburtenrate 2025: 1,28 Kinder pro Frau – tiefster Wert aller Zeiten
- Noch vor fünf Jahren lag die Rate bei 1,5 – Rückgang von fast 15 Prozent
- Seit 2019 ist die Zahl der Geburten um 9,2 Prozent zurückgegangen
- Nötig wären 2,1 Kinder pro Frau für natürlichen Bevölkerungserhalt
- Nur jede vierte Person zwischen 25 und 34 Jahren ist heute Mutter oder Vater
- Bis 2100 laut «The Lancet» nur noch 6 Länder weltweit mit genug Geburten
- Schweiz könnte ab 2031 schrumpfen – Swiss-Life-Studie «Storch im Sinkflug»
- Dreimal mehr junge Erwachsene als 2013 wollen heute keine Kinder
Die Zahlen sind alarmierend
In der Schweiz kamen 2025 durchschnittlich nur noch 1,28 Kinder pro Frau zur Welt – tiefster Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Noch vor fünf Jahren lag die Geburtenrate bei 1,5. Um die Bevölkerung langfristig stabil zu halten, bräuchte es 2,1 Kinder pro Frau. Dieses Bestandserhaltungsniveau erreicht in Europa kein einziges Land mehr. Heute ist nur jede vierte Person zwischen 25 und 34 Jahren Mutter oder Vater.
Nur 6 Länder weltweit werden es schaffen
Eine Studie im Fachmagazin «The Lancet» kommt zu einem erschreckenden Schluss: Im Jahr 2100 werden weltweit nur noch sechs Länder die nötige Geburtenrate von 2,1 erreichen: Tadschikistan, Tonga, Samoa, Somalia, Niger und Tschad. Alle sechs befinden sich im globalen Süden. «Wir sind nicht alarmistisch genug», sagt Samir Hamamah, Professor für Reproduktionsmedizin am Universitätsspital Montpellier. «Das Feuer lodert bereits auch mitten in Europa. Aber Europa hat die Dimension dieser Herausforderung noch nicht vollständig begriffen.»
Was die Schweiz ab 2031 erwartet
Die Swiss-Life-Studie «Storch im Sinkflug» rechnet durch: Die Schweiz wird bereits ab 2031 schrumpfen – wenn die Zuwanderung nicht kompensiert. Weniger Erwerbstätige finanzieren mehr Rentnerinnen und Rentner. Die AHV steht unter Druck. Innovation und Wirtschaftswachstum leiden. «Sinkende Geburtenraten in diesem Ausmass führen zu weniger Arbeitskräften», sagt Nadia Myohl von Swiss Life. «Das kann das Wirtschaftswachstum negativ beeinflussen. Die Altersvorsorge stellt es vor grosse Herausforderungen.»
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Warum werden so wenige Kinder geboren?
Das Durchschnittsalter bei der ersten Geburt liegt in der Schweiz bei 31,3 Jahren – eines der höchsten in Europa (EU-Schnitt: 29,8 Jahre). Je später die erste Geburt, desto weniger Zeit für weitere Kinder. Dreimal mehr junge Erwachsene als 2013 wollen heute keine Kinder – der Anteil stieg von 6 auf 17 Prozent. Jede fünfte Person hat Erfahrungen mit Unfruchtbarkeit gemacht. Dazu kommen die höchsten Kinderbetreuungskosten Europas, fehlende Betreuungsplätze und ungleiche Verteilung unbezahlter Arbeit.
Was andere Länder versuchen
Ungarn befreit Mütter ab dem zweiten Kind lebenslang von der Einkommenssteuer. Australien zahlte 5’000 Dollar Baby-Bonus – die Rate stieg kurz, sank dann wieder. Skandinavien setzt auf grosszügige Elternzeiten – die Rate fiel weniger steil, blieb aber unter 2,1. China besteuert seit Januar 2026 Kondome, um mehr Geburten zu fördern. Fazit: Kein Land hat bisher eine Massnahme gefunden, die die Geburtenrate dauerhaft anhebt.
Was Experten fordern
Samir Hamamah: «Die Gesellschaft sollte den Menschen helfen, die Kinder haben möchten.» Der SGB sieht die Hauptursache klar: fehlende Betreuungsplätze, ungleiche Verteilung unbezahlter Arbeit, prekäre Arbeitsbedingungen. «Wer wirklich will, dass junge Menschen wieder Kinder bekommen, muss die Rahmenbedingungen verbessern – nicht die Arbeitszeiten verlängern», sagt SGB-Zentralsekretärin Cyrielle Huguenot. Auch KI und Robotik könnten helfen, die Folgen abzumildern – aber die demografische Entwicklung bleibt ein Problem.
Die 6 Länder, die 2100 noch genug Kinder bekommen
| Land | Region | Einkommensklasse |
|---|---|---|
| Tadschikistan | Zentralasien | Niedrig |
| Tonga | Pazifik | Niedrig-Mittel |
| Samoa | Pazifik | Niedrig-Mittel |
| Somalia | Ostafrika | Sehr niedrig |
| Niger | Westafrika | Sehr niedrig |
| Tschad | Zentralafrika | Sehr niedrig |
Fazit: Die Schweiz schrumpft demografisch – konstant und messbar. Ab 2031 könnte die Bevölkerung ohne Zuwanderung erstmals sinken. Sechs Länder weltweit werden die Kurve kriegen. Die Schweiz nicht – zumindest nicht ohne grundlegende Veränderungen in der Familienpolitik, bei den Betreuungskosten und in der Arbeitswelt. 1,28 Kinder pro Frau. Noch vor fünf Jahren waren es 1,5. Der Trend zeigt nach unten.






