Die Hitzewelle 2026 raubt der Schweiz den Schlaf. Wenn das Thermometer auch nachts nicht unter 20 Grad sinkt, spricht man von einer Tropennacht – und die Schweiz erlebt gerade eine nach der anderen. Was hilft wirklich? Was schadet? Und warum ist der Ventilator vielleicht gar keine gute Idee?
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Tropennacht beginnt, wenn die Temperatur nachts nicht unter 20 Grad sinkt
- Im Wallis und Tessin lagen die Tiefstwerte zuletzt bei 22 bis 24 Grad
- Besonders gefährdet: ältere Menschen und Personen mit Herzkrankheiten
- Der Ventilator ist nicht immer die beste Lösung – drei Gründe dagegen
- Optimale Schlaftemperatur laut Forschung: 16 bis 18 Grad
- Tiefschlaf wird in heissen Nächten seltener erreicht – das hat Folgen
Warum ist Schlaf bei Hitze so schwierig?
Es ist keine Einbildung: Heisse Nächte machen uns krank – zumindest vorübergehend. Der Körper braucht zum Einschlafen eine sinkende Kerntemperatur. Bei Tropenwärme blockiert die Hitze genau diesen Prozess.
Die Schlafforschung ist sich einig: Menschen schlafen am besten bei 16 bis 18 Grad. Eine Studie zeigt, dass ältere Menschen bis zu 25 Grad als angenehm empfinden können – für die meisten Erwachsenen sind Tropennächte aber weit ausserhalb des idealen Schlafbereichs.
Das Schlafhormon Melatonin wird bei Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad vermehrt ausgeschüttet. Bei Tropenwärme hingegen deutlich weniger – das Einschlafen wird dadurch zusätzlich erschwert. Hinzu kommt: Der Tiefschlaf, in dem sich der Körper regeneriert, wird in heissen Nächten seltener erreicht und häufiger unterbrochen. Am Morgen fühlt man sich müder als am Abend zuvor.
Besonders gefährlich sind Tropennächte für ältere Menschen und Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Körper kann sich nicht ausreichend von der Tageshitze erholen.
Was wirklich hilft: Die besten Tipps
1. Tagsüber konsequent abdunkeln – nachts lüften
Der häufigste und wirksamste Tipp: Fenster und Storen tagsüber geschlossen halten, abends und nachts öffnen – aber erst, wenn die Aussentemperatur unter die Innentemperatur fällt. Kreuzlüften erzeugt einen Durchzug und kühlt effektiv.
2. Lauwarme Dusche vor dem Schlafen
Nicht kalt duschen – das versetzt den Kreislauf in Alarmbereitschaft und verhindert das Einschlafen. Eine lauwarme Dusche hingegen senkt die Körperkerntemperatur schonend.
3. Füsse kühlen – der alte ägyptische Trick
An den Fusssohlen und Fussgelenken liegen besonders viele Blutgefässe nahe der Hautoberfläche. Ein kurzes Fussbad in kühlem Wasser oder ein feuchtes Tuch über den Waden senkt nachweislich die Körperkerntemperatur. Kühlpads an den Füssen wirken ähnlich.
4. Leichtes Schlafzeug aus Naturfasern
Leinen, Baumwolle oder Lyocell leiten Feuchtigkeit besser ab als Polyester. Eine leichte Sommerdecke aus Naturhaarfüllung wie Kamelhaar ist die beste Wahl.
5. Gefrierfach-Trick
Socken, Kissenbezüge oder ein feuchtes Tuch kurz ins Gefrierfach legen und dann ins Bett nehmen. Der kühlende Effekt hilft beim Einschlafen.
6. Wärmflasche – aber mit Eiswasser
Eine Wärmflasche mit kaltem Wasser oder Eiswasser an die Füsse legen klingt paradox, wirkt aber: Sie entzieht dem Körper lokal Wärme, ohne den Kreislauf zu belasten.
Warum der Ventilator oft keine gute Idee ist
Ein Ventilator kühlt nicht – er bewegt nur die Luft. Bei Aussentemperaturen über 35 Grad bläst er schlimmstenfalls heisse Luft durchs Zimmer. Drei weitere Gründe, warum er nachts schaden kann:
- Allergiker aufgepasst: Der Ventilator wirbelt Staub, Pollen und Hausstaubmilben auf
- Muskelverspannungen: Die direkte Luftströmung kann Nacken und Schultern verhärten
- Kreislaufprobleme: Wer empfindlich ist, riskiert durch den Luftzug Schwindel oder Kopfschmerzen
Wer trotzdem nicht auf den Ventilator verzichten will: Nicht direkt auf den Körper richten, sondern gegen die Wand oder Decke blasen lassen.
Wo schläft man bei Hitze am besten?
In der Wohnung: Im tiefsten Stockwerk ist es kühler als unter dem Dach. Schlafzimmer auf der Nordseite des Gebäudes heizen sich weniger auf.
Draussen: Wer einen geschützten Balkon hat, kann dort schlafen. Die Luftzirkulation hilft – sofern keine Tropennacht mit schwüler Luft herrscht.
Keller: Bei extremer Hitze nutzen manche Menschen den Keller als Schlafzimmer. Die Temperatur dort bleibt selbst bei 39 Grad erstaunlich kühl.
Wann wird es wieder besser?
MeteoSchweiz meldet: Die 12-tägige Hitzewelle auf der Alpennordseite ist nach dem Unwetter vom 30. Juni beendet. Auf der Alpensüdseite dauert die Hitzewelle vorerst weiter an. Eine Beruhigung ist in Sicht – die Nächte sollten langsam wieder erträglicher werden.
Fazit: Schlafen ist möglich – mit den richtigen Tricks
Eine Klimaanlage ist die einzige wirklich zuverlässige Lösung für grosse Hitze. Wer keine hat, kann mit den richtigen Tricks trotzdem besser schlafen: abdunkeln, lüften, Füsse kühlen, leichtes Bettzeug. Und dem Ventilator eine Pause gönnen.






