Der Schweizer Generika- und Biosimilar-Hersteller Sandoz setzt seinen Wachstumskurs nach der Abspaltung von Novartis fort. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz deutlich, vor allem dank Biosimilars. Gleichzeitig bereitet sich das Unternehmen auf neue Patentabläufe in der Pharmabranche vor.
Umsatz und Gewinn legen weiter zu
Sandoz ist seit Oktober 2023 ein eigenständiges börsenkotiertes Unternehmen. Knapp drei Jahre nach der Abspaltung von Novartis zeigt die Entwicklung: Der Generika-Spezialist konnte sich am Markt etablieren.
Im ersten Halbjahr 2026 erzielte Sandoz einen Umsatz von 5,8 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einer Steigerung von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn erhöhte sich um neun Prozent auf rund drei Milliarden Dollar.
Besonders wichtig für das Unternehmen ist das Geschäft mit Biosimilars. Diese Nachahmerprodukte von biopharmazeutischen Arzneimitteln verzeichneten im vergangenen Halbjahr ein Wachstum von rund 25 Prozent.
Inzwischen machen Biosimilars genau ein Drittel des gesamten Umsatzes von Sandoz aus – so viel wie noch nie zuvor.
Biosimilars als Wachstumstreiber
Biosimilars gelten als besonders attraktiver Bereich innerhalb des Pharmageschäfts. Anders als klassische Generika, die chemisch hergestellte Medikamente kopieren, müssen Biosimilars komplexe biologische Arzneimittel nachbilden.
Die Herstellung ist anspruchsvoller, ermöglicht jedoch oft höhere Margen. Für Sandoz sind diese Produkte deshalb ein zentraler Bestandteil der Wachstumsstrategie.
Pharma-Analysten sehen das Unternehmen mit seiner Ausrichtung gut positioniert. Die Herausforderung bestehe nun darin, das Portfolio mit weiteren Biosimilars auszubauen und neue Produkte auf den Markt zu bringen.
Abspaltung von Novartis stärkte beide Unternehmen
Die Trennung von Novartis hat laut Experten beiden Unternehmen Vorteile gebracht. Novartis konnte seine Profitabilität verbessern, weil das margenschwächere Generikageschäft nicht mehr Teil des Konzerns ist.
Sandoz wiederum erhielt als eigenständige Firma mehr strategische Freiheit und konnte seine Position im Generika- und Biosimilar-Markt stärken.
Weiterhin profitiert Sandoz von Produktionskapazitäten, die historisch aus der Novartis-Zeit stammen. Gleichzeitig baut das Unternehmen eigene Infrastruktur aus, unter anderem mit einem neuen Produktionsstandort in Slowenien.
Auch an der Börse entwickelt sich Sandoz positiv. Die Aktie soll im September 2026 in den Schweizer Leitindex SMI aufgenommen werden.
Lange Geschichte mit Schweizer Wurzeln
Obwohl Sandoz heute ein junges börsenkotiertes Unternehmen ist, reicht die Geschichte weit zurück. Gegründet wurde die Firma 1886 zunächst als Farbstoffhersteller.
Ab 1917 begann Sandoz mit Medikamentenforschung und entwickelte sich zu einem internationalen Pharma- und Chemiekonzern. Über Jahrzehnte gehörten auch Produkte ausserhalb des Kerngeschäfts zum Unternehmen, darunter Ovomaltine, Wasa-Knäckebrot und Gerber-Babynahrung.
1996 fusionierte Sandoz mit Ciba-Geigy zu Novartis. Später bündelte Novartis sein Generikageschäft unter der Marke Sandoz. Seit Oktober 2023 ist Sandoz wieder ein eigenständiges Unternehmen.
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Antibiotika-Produktion in Kundl bleibt wichtig
Eine besondere Rolle spielt weiterhin der Standort Kundl in Tirol. Dort produziert Sandoz den wichtigen Antibiotika-Grundstoff Penicillin.
Die Anlage gilt als strategisch bedeutend, da sie eine der letzten grossen Penicillin-Produktionen Europas ist. Für die finanzielle Entwicklung des Unternehmens ist das Geschäft jedoch schwierig.
Der Druck durch günstigere Konkurrenz aus China bleibt hoch. Trotzdem hält Sandoz am Standort fest, auch wegen dessen Bedeutung für Versorgungssicherheit und Unternehmensimage.
Chancen bei Abnehmmedikamenten
Auch im Bereich der Diabetes- und Abnehmmedikamente will Sandoz künftig eine Rolle spielen. In Brasilien soll eine Nachahmung des Wirkstoffs von Ozempic auf den Markt kommen, nachdem dort der Patentschutz ausgelaufen ist.
Für den US-Markt bereitet sich Sandoz ebenfalls vor. Dort laufen in den kommenden Jahren Patente wichtiger Medikamente aus. Das Unternehmen hat sich bereits für mögliche Biosimilar-Versionen von Wirkstoffen des US-Konzerns Eli Lilly positioniert.
Eine Zulassung durch die US-Arzneimittelbehörde FDA liegt allerdings noch nicht vor.
Patentabläufe eröffnen neue Chancen
Die kommenden Jahre könnten für Generikahersteller besonders wichtig werden. Zahlreiche umsatzstarke Medikamente verlieren ihren Patentschutz.
Dazu gehört beispielsweise Keytruda des US-Pharmakonzerns Merck, das 2025 mehr als 31 Milliarden Dollar Umsatz erzielte. Nach Patentablauf entstehen sogenannte Patentklippen, bei denen Originalhersteller starke Umsatzeinbussen hinnehmen müssen.
Sandoz spricht deshalb von einem «goldenen Jahrzehnt». Nach Unternehmensangaben könnten in den nächsten zehn Jahren Medikamente mit einem Gesamtumsatz von rund 650 Milliarden Dollar den Patentschutz verlieren.
Unsicherheit wegen möglicher US-Zölle
Eine Herausforderung bleiben mögliche neue US-Zölle auf Generika. US-Präsident Donald Trump droht ab 2028 mit schrittweise steigenden Zöllen von bis zu 200 Prozent, falls Pharmaunternehmen ihre Produktion nicht stärker in die USA verlagern.
Sandoz erzielt rund ein Fünftel seines Umsatzes in den USA und hatte bereits 2024 die Schliessung eines Produktionsstandorts dort angekündigt.
Konzernchef Richard Saynor zeigte sich zuletzt vorsichtig optimistisch und verwies auf laufende Gespräche. Branchenexperten bezweifeln jedoch, dass hohe Zölle tatsächlich umgesetzt werden, da dadurch auch die Medikamentenpreise für US-Patientinnen und Patienten steigen könnten.






