Russlands Africa Corps hat die Militärregierung im Niger bei der Niederschlagung eines Aufstands meuternder Soldaten unterstützt. Die Rebellen hatten unter anderem den Präsidentenpalast und den Flughafen in der Hauptstadt Niamey angegriffen. Moskau steht der nigrischen Militärjunta seit dem Putsch 2023 eng zur Seite.
Russische Einheiten des Africa Corps haben die nigrische Militärregierung bei der Bekämpfung der aufständischen Soldaten unterstützt. Der russische Botschafter im Niger, Viktor Woropajew, bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur Tass, dass der Militärapparat von den nigrischen Behörden um Unterstützung gebeten worden sei.
Laut GMX erklärte das russische Aussenministerium in Moskau, die nationalen Sicherheitskräfte hätten inzwischen wieder die vollständige Kontrolle über die Lage erlangt. Wie umfangreich der Einsatz des Africa Corps während der Meuterei war, blieb zunächst offen.
Nach Angaben des russischen Botschafters versuchten die Aufständischen unter anderem, in das Hotel Bravia in Niamey einzudringen. Dort waren Mitarbeiter der russischen Botschaft untergebracht. Im selben Hotel hielten sich zudem Mitglieder der Allianz der Sahelstaaten (AES) auf, zu der Niger, Mali und Burkina Faso gehören.
Angriffe auf Flughafen und Präsidentenpalast
Der Aufstand hatte in der Nacht zum Samstag begonnen. Meuternde Soldaten griffen Militärstützpunkte am internationalen Flughafen von Niamey sowie den Präsidentenpalast an.
Über mehrere Stunden waren in der Hauptstadt Schüsse und Explosionen zu hören. In verschiedenen Stadtteilen fiel zudem zeitweise der Strom aus. Die aufständischen Soldaten besetzten ausserdem vorübergehend das Gebäude des staatlichen Fernsehsenders.
Die Militärregierung erklärte am Samstagabend, den Aufstand eingedämmt und die Kontrolle über die betroffenen Einrichtungen schrittweise wiederhergestellt zu haben. Die Sicherheitskräfte gingen anschliessend gegen die beteiligten Soldaten vor.
Für die Regierung unter General Abdourahamane Tiani ist die Unterstützung aus Moskau von grosser Bedeutung. Die Militärjunta pflegt enge Beziehungen zu Russland und erhält unter anderem militärische Ausrüstung, Ausbildung und politische Unterstützung.
Niger wird für Russland strategisch wichtiger
Niger besitzt grosse Uranvorkommen und verfügt zudem über weitere bedeutende Rohstoffvorkommen. Für Russland ist das westafrikanische Land deshalb nicht nur aus sicherheitspolitischer, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht von Interesse.
Das Africa Corps ist ein von Russland unterstützter militärischer Apparat, der in mehreren afrikanischen Staaten aktiv ist. Moskau hat damit seinen Einfluss insbesondere in der Sahelzone ausgebaut, nachdem westliche Staaten und deren Streitkräfte in der Region zunehmend an Einfluss verloren haben.
Die nigrische Führung arbeitet dabei eng mit Mali und Burkina Faso zusammen. Die drei Staaten haben sich in der Allianz der Sahelstaaten zusammengeschlossen und verfolgen eine zunehmend von westlichen Staaten unabhängige Sicherheits- und Aussenpolitik.
Wiederholte Angriffe auf den Flughafen
Der jüngste Vorfall ist nicht der erste Angriff auf den Flughafen von Niamey in diesem Jahr. Bereits im Januar und Mitte Juni war es in der Hauptstadt zu ähnlichen Angriffen gekommen.
Neben Regierungsgebäuden war dabei ebenfalls der Flughafen beziehungsweise die angrenzende Luftwaffenbasis betroffen. Bis 2024 waren dort auch Soldaten der Bundeswehr stationiert. Heute befinden sich auf der Basis unter anderem russische Kräfte sowie Drohnen, die Niger aus der Türkei erworben hat.
Bei dem Angriff im Januar hatte ein Ableger der Dschihadistenorganisation Islamischer Staat in der Sahelzone (IS Sahel) die Verantwortung für die Attacke übernommen. Ob der aktuelle Aufstand einen Zusammenhang mit früheren Angriffen auf die Basis hat, war zunächst nicht bekannt.
Militärjunta regiert Niger
Niger befindet sich seit dem Militärputsch vom Juli 2023 unter der Führung einer Junta. General Abdourahamane Tiani hatte damals den Umsturz angeführt und anschliessend die politische Macht übernommen.
Tiani wurde inzwischen ohne reguläre Wahlen bis mindestens 2030 zum Präsidenten erklärt. Die Militärregierung hat seit dem Putsch die Beziehungen zu mehreren westlichen Staaten deutlich reduziert und sich gleichzeitig stärker Russland sowie den Nachbarstaaten Mali und Burkina Faso angenähert.
Der Binnenstaat Niger liegt in der Sahelzone und hat rund 28 Millionen Einwohner. Grosse Teile des Landes liegen in der Sahara oder deren Übergangsgebieten. Gleichzeitig gehört Niger weiterhin zu den ärmsten Staaten der Welt.
Der jüngste Soldaten-Aufstand zeigt, dass die Militärregierung trotz ihrer engen Beziehungen zu Russland weiterhin mit erheblichen Sicherheitsproblemen konfrontiert ist. Die Beteiligung des russischen Africa Corps unterstreicht zugleich den wachsenden militärischen Einfluss Moskaus in der Sahelregion.






