Roger Federer hat bei seiner Rückkehr zu den US Open über die einhändige Rückhand und deren schwindende Bedeutung im Profitennis gesprochen. Der 20-fache Grand-Slam-Sieger sieht vor allem die veränderte Ausbildung junger Spieler als Grund dafür, dass der Schlag immer seltener wird. Federer selbst hofft, dass seine markante Spieltechnik nicht vollständig verschwindet.
Federer sieht die einhändige Rückhand auf dem Rückzug
Federer ist wie kaum ein anderer Spieler mit der einhändigen Rückhand verbunden. Ob als präziser Winner oder als Slice, der Ball gehörte über Jahre zu den charakteristischen Elementen seines Spiels.
Bei seiner Rückkehr nach New York erklärte Federer, weshalb er glaubt, dass die einhändige Rückhand im modernen Tennis zunehmend an Bedeutung verliert. Seine eigenen Trainer hätten in seiner Jugend zu etwa 90 Prozent einhändig gespielt. Wenn ein Trainer selbst mit einer Hand spiele, sei die Wahrscheinlichkeit entsprechend höher, dass auch seine Schüler diese Technik übernehmen.
Heute sei die Situation anders. Viele Trainer würden selbst beidhändig spielen, zudem sei es einfacher, Kindern eine Rückhand mit beiden Händen beizubringen. Laut «New York Times» erklärte Federer deshalb, dass junge Spieler heute deutlich häufiger mit der beidhändigen Variante ausgebildet werden.
Nur wenige Profis spielen noch einhändig
Die Entwicklung lässt sich auch an den aktuellen Weltranglisten ablesen. In den Top 100 der ATP spielen nur wenige Profis regelmässig eine einhändige Rückhand. Dazu gehören Lorenzo Musetti, Denis Shapovalov, Stefanos Tsitsipas, Daniel Altmaier, Giovanni Mpetshi Perricard und Aleksandar Kovacevic.
Auf der WTA Tour ist die Technik noch seltener vertreten. Zu den Spielerinnen mit einhändiger Rückhand gehören unter anderem Diane Parry, Viktorija Golubic und Tatjana Maria sowie die junge Lilli Tagger.
Besonders deutlich zeigt sich der Trend bei den Grand-Slam-Turnieren. 2026 hat bislang kein Spieler mit einhändiger Rückhand ein Grand-Slam-Halbfinale erreicht. Sollte dies auch bei den US Open so bleiben, wäre es nach den vorliegenden Angaben das erste Jahr seit Beginn der Grand-Slam-Geschichte, in dem kein Spieler mit dieser Technik in einem Halbfinale vertreten ist.
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Federer passte seine Rückhand selbst an
Auch Federer musste seine einhändige Rückhand im Laufe seiner Karriere weiterentwickeln. Gegen Rafael Nadal und Novak Djokovic, die mit ihren beidhändigen Rückhänden besonders von der Grundlinie Druck ausübten, suchte der Schweizer nach Möglichkeiten, die Nachteile auf Sand- und Hartplätzen auszugleichen.
2014 wechselte Federer von einem Schläger mit 90 auf ein Modell mit 97 Quadratzoll. Nach einer sechsmonatigen Verletzungspause im Jahr 2016 begann er zudem, den Ball auf der Rückhandseite häufiger früher zu nehmen und aggressiver zu spielen.
Eine besonders spektakuläre Variante dieser Entwicklung war der «Sneak Attack by Roger», kurz SABR. Dabei rückte Federer beim Aufschlag des Gegners weit nach vorne und nahm den Ball teilweise als Halbvolley, um die Reaktionszeit seines Gegners zu verkürzen.
Nach seinem Sieg gegen Nadal in Indian Wells 2017 erklärte Federer, dass ihm der grössere Schläger mehr Sicherheit auf der Rückhand gegeben habe. Dadurch habe er gegen Nadal auch mehr Vertrauen gehabt, aktiv ins Spiel zu gehen.
Nachwuchs zeigt die Schwierigkeit der Technik
Federer erlebt die Entwicklung inzwischen auch in der eigenen Familie. Einer seiner zwölfjährigen Zwillingssöhne versucht nach seinen Angaben, von der beidhändigen auf die einhändige Rückhand umzusteigen.
Dabei beobachte er, wie schwierig es sei, den Ball mit der neuen Technik zu kontrollieren. Zwar könne man mit der Zeit die notwendige Sicherheit entwickeln, doch im heutigen Tennis müsse vieles möglichst schnell funktionieren, erklärte Federer.
Für den ehemaligen Weltranglistenersten ist das ein wichtiger Grund, weshalb die einhändige Rückhand bei jungen Spielern immer seltener gewählt wird. Gleichzeitig sieht er technische Entwicklungen und Veränderungen bei Schlägern und Bällen als Faktoren, die den modernen Spielstil beeinflusst haben.
Federer schliesst Comeback aus
Federer beendete seine Profikarriere 2022 beim Laver Cup. Sein letzter offizieller Einzelauftritt liegt noch länger zurück: In Wimbledon 2021 verlor er gegen Hubert Hurkacz.
Seitdem habe er keinen kompletten Einzelsatz mehr gespielt. Eine Rückkehr ins Profitennis strebt Federer nach eigenen Angaben nicht an.
Bei den US Open trat er nun für einen Showkampf im Arthur Ashe Stadium auf. Vor seinem Auftritt trainierte Federer unter anderem mit Lorenzo Musetti, dem aktuell höchstplatzierten Spieler der ATP mit einhändiger Rückhand.
Dabei gab Federer dem Italiener scherzhaft einige «Weisheiten» mit auf den Weg. Über die Zukunft seines Markenschlags sagte der Schweizer sinngemäss, er hoffe weiterhin, dass die einhändige Rückhand noch nicht am Ende sei.






