Nach mehr als anderthalb Jahrhunderten kehren Riesenschildkröten auf die Galápagos-Insel Floreana zurück – ein historischer Moment für den Naturschutz. Ranger des Galápagos-Nationalparks setzten an einem heissen Februarmorgen die ersten 50 Tiere aus und läuteten damit die Rückkehr einer einst ausgestorbenen Art ein.
Mit schweren Transportkisten auf dem Rücken kämpften sich die Einsatzkräfte durch unwegsames Gelände aus Lavasteinen und trockener Vegetation. Am Ziel angekommen, wurden die Tiere vorsichtig in den Schatten gebracht und schliesslich freigelassen. „Das ist Geschichte“, erklärte Projektleiter Christian Sevilla.
Jahrzehntelange Vorbereitung
Die ausgesetzten Tiere sind zwischen sieben und 15 Jahre alt und stammen aus einem aufwendigen Zuchtprogramm. Es handelt sich um Hybriden, die genetische Anteile der ursprünglich auf Floreana heimischen Riesenschildkröten tragen. Insgesamt wurden über 15 Jahre hinweg rund 720 Tiere aufgezogen, die schrittweise ausgewildert werden sollen.
Wie laut nationalgeographic.com berichtet wird, ist dieses Projekt Teil einer der ehrgeizigsten Insel-Renaturierungen weltweit. Ziel ist es, ein ganzes Ökosystem wiederherzustellen, das durch menschlichen Einfluss massiv geschädigt wurde.
Insel mit bewegter Geschichte
Floreana war einst ein Zentrum für Walfänger und frühe Siedler. Mit ihnen kamen invasive Arten wie Ziegen, Ratten und Katzen, die die heimische Tierwelt verdrängten oder ausrotteten. Die Riesenschildkröten verschwanden bereits um 1850 vollständig von der Insel.
In den vergangenen Jahren wurden viele dieser eingeschleppten Tiere entfernt – eine entscheidende Voraussetzung für die Rückkehr der Schildkröten. Denn sie spielen eine zentrale Rolle im Ökosystem: Sie verbreiten Samen, schaffen Wege und fördern so das Wachstum von Pflanzen.
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Hoffnung für die Natur
Die ersten freigelassenen Jungtiere erkunden bereits vorsichtig ihre neue alte Heimat. Mit GPS-Sendern ausgestattet, sollen sie über Jahre hinweg beobachtet werden. Forscher hoffen, dass sich die Population langfristig stabilisiert und wieder mehrere Tausend Tiere umfasst.
Auch für andere Tierarten könnte die Rückkehr der Schildkröten entscheidend sein. Bereits jetzt zeigen sich erste Erfolge: Einige Vogelarten, die lange verschwunden waren, kehren langsam zurück.
Ein Projekt mit globaler Bedeutung
Das Wiederansiedlungsprojekt gilt als Vorbild für Naturschutz weltweit. Wissenschaftler und Umweltschützer sehen darin den Beweis, dass selbst stark zerstörte Ökosysteme wiederhergestellt werden können – mit ausreichend Zeit, Ressourcen und internationaler Zusammenarbeit.
Für die Bewohner der Insel ist die Rückkehr der Riesenschildkröten mehr als nur ein ökologischer Erfolg: Sie steht symbolisch für die Heilung einer Landschaft, die über Generationen hinweg gelitten hat.






