Das extreme Niedrigwasser setzt der Rheinschifffahrt weiter zu. Der Deutsche Bundesverband für Binnenschifffahrt warnt davor, dass die internationale Transportroute zwischen Koblenz und Mainz schon in den nächsten Tagen nicht mehr durchgehend befahrbar sein könnte. Für die Schweiz wären die Folgen erheblich: Transporte müssten umgeladen oder auf Bahn und Strasse verlagert werden.
Der Rhein könnte zur Zweiteilung gezwungen werden
Der Rhein führt derzeit so wenig Wasser wie seit Jahren nicht mehr. Besonders kritisch ist der Abschnitt zwischen Koblenz und Mainz, wo die Pegelstände weiter sinken und die Binnenschifffahrt zunehmend eingeschränkt wird. Der Branchenverband warnt deshalb vor einer möglichen Zweiteilung der wichtigsten europäischen Wasserstrasse.
Für die Schweiz wäre dies problematisch, weil Basel über den Rhein direkt mit den grossen Seehäfen Rotterdam und Antwerpen verbunden ist. Der Bund bezeichnet diese Verbindung als wichtig für die Versorgungssicherheit des Landes. Rund zehn Prozent des Schweizer Aussenhandels werden über den Rhein abgewickelt; bei Mineralölprodukten beträgt der Anteil rund 30 Prozent.
Sollte die Route zwischen Nordsee und Basel tatsächlich unterbrochen werden, könnten Güter zwar weiterhin bis zu einem bestimmten Punkt auf dem Rhein transportiert werden. Anschliessend müssten sie auf andere Verkehrsträger umgeladen werden. Das würde zusätzliche Kosten und längere Transportwege verursachen.
Die aktuelle Lage ist bereits für die Schifffahrt anspruchsvoll. Bei sehr niedrigem Wasserstand können Schiffe ihre Ladung nicht mehr vollständig aufnehmen, weil sie sonst zu tief im Wasser liegen würden. Damit sinkt die Transportleistung pro Schiff, während gleichzeitig mehr Fahrten notwendig werden.
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Welche Güter besonders betroffen wären
Ein unmittelbarer Versorgungsengpass bei wichtigen Gütern ist nicht zu erwarten. Getreide, Treibstoffe, Container und andere Waren können grundsätzlich auch per Bahn oder Lastwagen transportiert werden.
Das Problem liegt jedoch bei den Kapazitäten und Kosten. Ein Rheinschiff kann je nach Grösse eine grosse Menge an Gütern aufnehmen. Wird diese Fracht auf Lastwagen verlagert, sind entsprechend viele zusätzliche Fahrzeuge und Fahrerinnen und Fahrer erforderlich.
Auch die Bahn könnte einen Teil der Transporte übernehmen. Allerdings sind die verfügbaren Kapazitäten begrenzt. Hinzu kommen Baustellen und Einschränkungen im deutschen Schienennetz, die eine schnelle Verlagerung grosser Warenmengen erschweren.
Besonders anspruchsvoll sind Transporte von sperrigen Gütern. Maschinen, grosse Bauteile oder andere schwere Waren lassen sich nicht ohne Weiteres auf einen anderen Verkehrsträger umstellen. Häufig sind Spezialtransporte und zusätzliche Umschlagplätze notwendig.
Bei Gefahrengütern kommen weitere Einschränkungen hinzu. Bestimmte chemische Stoffe dürfen nicht oder nur unter strengen Bedingungen auf der Strasse transportiert werden. Für die betroffenen Unternehmen können deshalb alternative Transportwege deutlich komplizierter und teurer sein.
Was das für die Rheinhäfen Basel bedeutet
Die Schweizerischen Rheinhäfen profitieren normalerweise davon, dass Waren ohne zusätzlichen Umschlag von den Nordseehäfen bis nach Basel transportiert werden können. Ein Unterbruch würde diesen Vorteil zumindest teilweise beseitigen.
Ein Versorgungsengpass bei Treibstoffen ist deshalb nicht automatisch zu erwarten. Neben dem Rhein stehen auch andere Transportwege zur Verfügung, darunter Pipelines und die Bahn. Diese Alternativen können jedoch höhere Kosten verursachen und verfügen nicht beliebig über zusätzliche Kapazitäten.
Für die Schweizer Wirtschaft ist die Rheinschifffahrt deshalb mehr als ein einzelner Transportweg. Der Bund bezeichnet den Zugang von Basel zu Rotterdam und Antwerpen ausdrücklich als wichtig für die Versorgungssicherheit der Schweiz. Auch der gesamte Kerosinbedarf für die Flugzeugbetankung am Flughafen Zürich wird laut Bund über den Rhein per Tankschiff angeliefert.
Ein länger dauernder Unterbruch würde damit nicht zwangsläufig dazu führen, dass Waren fehlen. Er würde aber die Logistik verteuern und die Abhängigkeit von alternativen Transportwegen erhöhen.
Niedrigwasser wird zum strategischen Problem
Die aktuelle Situation zeigt, wie verletzlich die Rheinschifffahrt gegenüber extremen Niedrigwasserständen ist. Das Bundesamt für Umwelt beobachtet für den Sommer 2026 eine ausgeprägte Trockenheit in der Schweiz. Viele Gewässer weisen unterdurchschnittliche Abflüsse auf; die Situation hat sich seit dem Frühjahr verschärft.
Für die Rheinschifffahrt ist dabei nicht nur der Wasserstand in der Schweiz entscheidend. Der Rhein durchquert mehrere Länder und wird auf seinem Weg von unterschiedlichen Zuflüssen beeinflusst. Kritische Engpässe können deshalb auch weit flussabwärts entstehen und den Zugang der Schweiz zu den Seehäfen beeinträchtigen.
Dass dieses Risiko ernst genommen wird, zeigt auch die Schweizer Präsidentschaft der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt (ZKR). Die Schweiz hat für 2026 und 2027 den Vorsitz übernommen und will unter anderem Konzepte fördern, welche die Auswirkungen von Niedrigwasser reduzieren. Dazu gehören auch technische Innovationen bei Schiffen und Massnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur.
Noch ist die Rheinschifffahrt nicht vollständig unterbrochen. Sollte der Wasserstand an den kritischen Stellen jedoch weiter sinken, könnte aus dem derzeitigen Kapazitätsproblem ein logistischer Engpass werden. Für Basel und die Schweizer Wirtschaft wäre das vor allem deshalb relevant, weil die direkte Verbindung zu den Nordseehäfen einen wichtigen Teil der Versorgungskette bildet.






