Als das Przewalski-Pferd Wisky während eines Transports aus dem Anhänger sprang, hielt die Welt kurz den Atem an. Für Fotografin Ami Vitale war dieser Moment mehr als ein Schock – er war ein Sinnbild dafür, wie zerbrechlich, aber auch kraftvoll die Rückkehr der Wildnis sein kann.
Was treibt Menschen wie sie an, jahrzehntelang bedrohte Arten zu begleiten und ihre Geschichten in die Welt zu tragen?
„Ein fragiles Unterfangen“
„Rewilding ist in der Praxis zu gleichen Teilen Wissenschaft, Logistik und Vertrauen“, schreibt Vitale in einer E-Mail. Vertrauen darauf, dass in Gefangenschaft gezüchtete Tiere sich wieder anpassen können, dass Ökosysteme heilen – und dass verlorene Natur vielleicht doch zurückkehrt.
In einem Interview mit National Geographic spricht die preisgekrönte Fotografin über Wiskys dramatischen Ausbruch, ihre Mission, bedrohte Arten zu dokumentieren, und den Mut, den es braucht, um an die Rückkehr der Wildnis zu glauben.
Die Rückkehr der Wildpferde
„Vor einigen Jahren lud mich der Prager Zoo ein, den Transport der Przewalski-Pferde zu begleiten“, erzählt Vitale. Diese Tiere galten einst als in freier Wildbahn ausgestorben – nun werden sie mit großem Aufwand wieder angesiedelt.
Doch bei dieser Expedition kam alles anders: Ein Pferd namens Wisky brach aus seinem Transportfahrzeug aus und verschwand in der Steppe. Das Video seines Ausbruchs ging viral. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Vitale. „Wir arbeiten mit Wildtieren – da kann alles passieren.“
Laut nationalgeographic.com symbolisiert Wiskys Ausbruch nicht nur den unberechenbaren Charakter der Natur, sondern auch die Hoffnung, dass Leben sich seinen Weg zurückbahnen kann, selbst nach Jahrzehnten des Verschwindens.

Abenteuer und Rückschläge
Vitale berichtet von zahlreichen gefährlichen Einsätzen: Giraffen, die auf Flössen über Flüsse transportiert werden mussten, Löwen, die während eines Fluges aufwachten, und Nashörner, die 48 Stunden lang über Kontinente geflogen wurden, um sie wieder auszuwildern.
„Manchmal passiert einfach das Unerwartete. Ein Tier wacht zu früh auf, ein anderes rennt in einen Fluss – dann zählt jede Sekunde“, erzählt sie. „Doch genau das zeigt, wie viel Mut, Planung und Mitgefühl hinter jedem Rewilding-Projekt steckt.“
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Warum Rewilding so wichtig ist
Für Vitale steht fest: Jede gerettete Art hat Auswirkungen auf das große Ganze. „Wenn eine Tierart verschwindet, verändert das das gesamte Ökosystem – und letztlich auch das Leben der Menschen. Ich habe gesehen, wie Landschaften ohne Tiere zerfallen und wie schnell sie wieder aufblühen, wenn man ihnen eine zweite Chance gibt.“
Ihre Botschaft ist klar: Rewilding ist keine romantische Fantasie, sondern eine dringende Notwendigkeit, um die Stabilität unseres Planeten zu sichern.
„Die Zukunft liegt in unseren Händen“
Vitale glaubt, dass jede Entscheidung zählt – egal, wo man lebt. „Selbst in Städten wie New York gibt es Wildnis direkt vor der Haustür. Wir müssen nur lernen, wieder hinzusehen“, sagt sie.
Auf ihrer Veranda in Montana beobachtet sie Bienen, Schmetterlinge und Vögel: „Wenn wir erkennen, dass wir Teil dieses Systems sind, ergibt alles viel mehr Sinn.“
Die Rückkehr der Wildpferde sei ein Symbol dafür, was möglich ist, wenn Menschen und Natur zusammenarbeiten. „Wir stehen an einem Wendepunkt. Es liegt in unseren Händen, was als Nächstes passiert.“
Ami Vitale zeigt uns: Hoffnung ist kein naiver Glaube, sondern eine Entscheidung. Die Rückkehr der Wildpferde beweist, dass Wiederherstellung und Mitgefühl wirken können – wenn wir den Mut haben, hinzusehen und zu handeln.










