„Ich wollte das Schicksal nicht noch länger strapazieren“
Ein Leben auf der Überholspur – und ein Abschied mit Stil.
Hans Herrmann, eine der grossen Persönlichkeiten des deutschen Motorsports, ist im Alter von 97 Jahren gestorben. Der Le-Mans-Sieger von 1970 prägte eine Ära, in der Mut, Technik und Risiko untrennbar verbunden waren.
Ein Rücktritt mit Versprechen – und ein perfektes Finale
Der Abschied aus dem aktiven Rennsport war akribisch vorbereitet. Nach dem hauchdünn verpassten Gesamtsieg in Le Mans 1969 und angesichts zahlreicher tödlicher Unfälle im Umfeld drängte Ehefrau Madeleine auf den Rücktritt. Vor jedem Rennen erinnerten Zettel in der Box an ihren Wunsch.
Am Gartentor gab Herrmann schliesslich ein Versprechen: Bei einem Sieg in Le Mans 1970 hört er auf.
Er hielt Wort. Gemeinsam mit Richard Attwood gewann er im strömenden Regen im Porsche 917 – Porsches erster Gesamtsieg beim 24-Stunden-Klassiker.
„Ich wollte das Schicksal nicht noch länger strapazieren“, sagte Herrmann später über seinen Abschied.
Laut gmx.net bestätigten Porsche und Mercedes den Tod Herrmanns am Freitag unter Berufung auf seine Familie.
Von der Konditorlehre zur Rennsport-Ikone
Eigentlich sollte Herrmann Konditor werden – die Eltern führten ein Kaffeehaus in Stuttgart. Doch die Leidenschaft für den Rennsport war stärker: Mit dem Erlös einer Goldkette finanzierte er seinen ersten Rennwagen. 1953 engagierte Porsche das Talent als Werksfahrer.
Es folgten Klassensiege bei der Mille Miglia und in Le Mans. Mercedes wurde aufmerksam: 1954 holte Rennleiter Alfred Neubauer den „Benjamin“ ins Formel-1-Team der Silberpfeile.
Breaking News direkt aufs Smartphone
Verpasse keine Eilmeldung mehr – jetzt den imTicker WhatsApp-Kanal abonnieren:
imTicker auf WhatsApp abonnieren
An der Seite von Fangio und Moss – und dem Tod oft nah
Herrmann fuhr 18 Formel-1-Grand-Prix, stand mit Juan Manuel Fangio und Stirling Moss in einem Team und wurde in seiner ersten Saison Gesamtsechster. Doch die Schattenseiten waren brutal: der schwere Unfall in Monaco 1955, ein Überschlag auf der AVUS 1959 – Wunder, dass er überlebte.
Der Spitzname „Hans im Glück“ blieb. Er selbst sagte nüchtern:
„Ich hatte immer Sau-Glück.“
Zahlen, Siege und Charakter
18 Jahre Karriere
100 Langstreckenrennen, 23 Siege
Dreifacher deutscher Rennsportmeister
Nach der aktiven Zeit blieb Herrmann der Mobilität treu – als Zulieferer in Sindelfingen, zuletzt unterwegs im Smart und mit Elektro-Rollstuhl.
Bewunderung bis in die Gegenwart
Daimler-Manager Jürgen Hubbert würdigte ihn als Persönlichkeit, die bleibt. Sebastian Vettel zeigte sich fasziniert von der damaligen Technik und dem Mut der Fahrer – ohne Gurte, mit Tank um den Fahrer herum.










