Der wegen Völkermords und schwerster Kriegsverbrechen verurteilte frühere bosnisch-serbische General Ratko Mladic ist tot. Er starb im Alter von 84 Jahren im Gefängniskrankenhaus in Den Haag. Mladic hatte zuletzt unter gesundheitlichen Problemen gelitten und verbüsste eine lebenslange Haftstrafe.
Mladic stirbt im Gefängniskrankenhaus
Der frühere Oberbefehlshaber der bosnisch-serbischen Armee, Ratko Mladic, ist tot. Der 84-Jährige starb am Donnerstag im Gefängniskrankenhaus in Den Haag, nachdem er zuletzt gesundheitlich schwer angeschlagen gewesen war.
Zuvor hatte Mladics Familie versucht, eine Verlegung in ein serbisches Militärkrankenhaus zu erreichen. Das Haager Gericht lehnte dies jedoch ab. Mladic hatte nach Angaben seiner Familie mehrere Schlaganfälle erlitten.
Laut GMX unter Berufung auf serbische und internationale Quellen bestätigten sowohl die serbische Staatsführung als auch ein Vertreter der Vereinten Nationen den Tod des ehemaligen Generals. Die zuständige UN-Organisation in Den Haag erklärte später, Mladic sei im Gefängniskrankenhaus gestorben.
Mladic verbüsste dort eine lebenslange Haftstrafe. Sein Sohn Darko Mladic hatte zuletzt die Behandlung seines Vaters kritisiert und von einem «stillen Mord» gesprochen.
Der «Schlächter von Srebrenica»
Ratko Mladic wurde vor allem wegen seiner Rolle beim Völkermord von Srebrenica bekannt. Im Juli 1995 wurden dort mehr als 8000 bosniakische Männer und männliche Jugendliche von bosnisch-serbischen Einheiten ermordet.
Mladic war damals Oberbefehlshaber der bosnisch-serbischen Armee. Wegen seiner Verantwortung für das Massaker wurde er international als «Schlächter von Srebrenica» bezeichnet.
Das internationale Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien verurteilte Mladic 2017 wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft. Das Urteil wurde 2021 letztinstanzlich bestätigt.
Zu den Verbrechen, für die Mladic verantwortlich gemacht wurde, gehörte auch die jahrelange Belagerung von Sarajevo. Während des Bosnien-Krieges wurden durch Beschuss und Scharfschützenangriffe auf die Bevölkerung mehr als 11’000 Menschen getötet.
Gewalt und Vertreibungen im Bosnien-Krieg
Mladic stand an der Spitze der bosnisch-serbischen Armee, die während des Krieges von 1992 bis 1995 grosse Teile Bosniens unter ihre Kontrolle bringen wollte. Zusammen mit dem politischen Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, gehörte er zu den zentralen Figuren der bosnisch-serbischen Führung.
Unter dem Kommando seiner Einheiten wurden zahlreiche Zivilisten getötet und vertrieben. Es gab Gefangenenlager, in denen nicht serbische Zivilisten unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten wurden. Zudem dokumentierten internationale Ermittler systematische sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen.
Hunderttausende Menschen wurden aus ihren Heimatorten vertrieben. Ziel war es, Gebiete mit einer überwiegend serbischen Bevölkerung zu schaffen.
Auch Karadzic wurde später vom internationalen Gericht verurteilt. Er verbüsst ebenfalls eine lebenslange Haftstrafe.
16 Jahre auf der Flucht
Nach dem Ende des Bosnien-Krieges blieb Mladic jahrelang untergetaucht. Internationale Ermittler fahndeten nach ihm, nachdem er sich wegen der gegen ihn erhobenen Vorwürfe vor dem Tribunal verantworten sollte.
Erst im Mai 2011 wurde Mladic in Serbien festgenommen. Nach 16 Jahren auf der Flucht wurde er anschliessend nach Den Haag überstellt.
2017 folgte das Urteil wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Das Gericht sah insbesondere seine Verantwortung für Srebrenica und weitere Verbrechen während des Bosnien-Krieges als erwiesen an.
Der Bosnien-Krieg forderte insgesamt fast 100’000 Todesopfer. Die Verbrechen der bosnisch-serbischen Truppen zählen zu den schwersten Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.
Mladic bleibt in Serbien umstritten
Während Mladic international als verurteilter Kriegsverbrecher gilt, wird er in Teilen Serbiens bis heute anders dargestellt. Einige Nationalisten betrachten ihn weiterhin als Helden und Verteidiger der serbischen Bevölkerung.
Besonders während des Krieges wurde sein öffentliches Bild durch serbische Medien geprägt. Aufnahmen zeigten Mladic unter anderem im Juli 1995 in Srebrenica, wo er mit Kindern sprach und Schokolade verteilte.
Hinter den Kulissen liefen zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits die Vorbereitungen für die Vertreibung der bosniakischen Bevölkerung. Männer und männliche Jugendliche wurden von Frauen und Kindern getrennt und später an verschiedenen Orten ermordet.
Der Völkermord von Srebrenica wurde durch internationale Gerichte festgestellt. Die Anerkennung und Bewertung der Ereignisse bleibt in Teilen der Region dennoch politisch umstritten.
Ein Ende ohne Reue
Während seines Prozesses in Den Haag zeigte Mladic kaum Bereitschaft zur Aufarbeitung seiner Verantwortung. Er wies Vorwürfe zurück und sorgte wiederholt für Konflikte im Gerichtssaal.
Mit seinem Tod endet das Leben eines Mannes, dessen Name untrennbar mit den schwersten Verbrechen des Bosnien-Krieges verbunden ist. Die juristische Aufarbeitung seiner Taten hatte bereits Jahre vor seinem Tod ihren Abschluss gefunden.






