Knapp 30 Jahre nach dem Tod von US-Rapper Tupac Shakur hat in Las Vegas der Prozess gegen den mutmasslichen Drahtzieher begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft Duane Davis vor, den Mord aus Rache in Auftrag gegeben zu haben. Die Verteidigung bestreitet die Vorwürfe und stellt die Beweislage infrage.
Anklage sieht Rache als Motiv
Tupac Shakur wurde am 7. September 1996 in Las Vegas angeschossen und starb wenige Tage später im Alter von 25 Jahren. Der Fall gilt als eines der bekanntesten ungelösten Verbrechen der US-Musikgeschichte. Nun soll ein Gericht klären, welche Rolle Duane Davis bei der Tat gespielt haben soll.
Zum Auftakt der Verhandlung zeigte die Staatsanwaltschaft den Geschworenen Videoaufnahmen eines Prügelvorfalls. Shakur und Marion «Suge» Knight, der damalige Chef des Plattenlabels Death Row Records, sollen zuvor Davis‘ Neffen zusammengeschlagen haben.
Staatsanwalt Binu Palal erklärte, Davis habe daraufhin einen Racheplan entwickelt. Er soll die Tatwaffe besorgt und sie anschliessend in einem weissen Cadillac an die Männer auf der Rückbank weitergereicht haben. Von dort aus seien die Schüsse auf Shakurs Fahrzeug abgegeben worden.
Laut GMX gehört der Fall zu den spektakulärsten ungelösten Mordfällen der USA. Die Auswahl der Geschworenen hatte bereits in der vergangenen Woche begonnen, mit dem Eröffnungsplädoyer der Staatsanwaltschaft startete nun die eigentliche Hauptverhandlung.
Verteidigung spricht von fehlenden Beweisen
Davis‘ Anwalt Michael Sanft weist die Anschuldigungen zurück. Seiner Ansicht nach verfügt die Staatsanwaltschaft nicht über ausreichende Beweise, die eine Verurteilung seines Mandanten rechtfertigen würden.
Die Verteidigung argumentiert, dass die Ermittler ihre Darstellung als Tatsache präsentierten, obwohl entscheidende Fragen weiterhin ungeklärt seien. Nun liegt es an den Geschworenen, die Aussagen und Beweismittel im Verlauf des Prozesses zu bewerten.
Im Verfahren sollen unter anderem Polizisten, Augenzeugen und Angehörige aussagen. Auch Davis selbst könnte als Zeuge auftreten, wobei noch nicht feststeht, ob er tatsächlich vor Gericht aussagen wird.
Tupac Shakur und die Fehde im Hip-Hop
Shakur, der unter dem Namen 2Pac weltberühmt wurde, gehörte zu den prägendsten Figuren des Hip-Hop. Mit Liedern wie «California Love» und «All Eyez on Me» wurde er international bekannt.
Der Rapper war zugleich eine zentrale Figur im damaligen Konflikt zwischen der West- und der Ostküste der US-Hip-Hop-Szene. Shakur stand beim in Los Angeles ansässigen Label Death Row Records unter Vertrag, während das konkurrierende Label Bad Boy Records mit New York verbunden war.
Die Auseinandersetzung zwischen den Lagern spielte auch im Umfeld des Mordfalls eine wichtige Rolle. Nach den Ermittlungen standen Death Row Records und die Gang Mob Piru auf der einen Seite, während die rivalisierenden South Side Compton Crips mit Bad Boy Records in Verbindung gebracht wurden.
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Memoiren brachten Ermittlungen wieder in Gang
Die Ermittlungen zum Mord kamen über viele Jahre kaum voran. Eine wichtige Wende gab es 2019, als Davis seine Memoiren veröffentlichte. Darin schilderte er, dass er am Abend der Tat vorne in dem Cadillac gesessen und den Männern auf der Rückbank eine Pistole übergeben habe.
Wer die tödlichen Schüsse auf Shakur tatsächlich abgegeben habe, schrieb Davis in seinen Memoiren allerdings nicht. Die übrigen Männer, die sich damals mit ihm im Fahrzeug befunden haben sollen, sind inzwischen gestorben.
Im September 2023 wurde Davis schliesslich festgenommen. Inzwischen distanziert er sich von seinen früheren Aussagen und beteuert seine Unschuld. In einem Interview aus dem Gefängnis erklärte er, die Ermittler könnten ihm nicht einmal nachweisen, dass er in der Tatnacht in Las Vegas gewesen sei. Er behauptet stattdessen, sich in Los Angeles aufgehalten zu haben.
Familie erwartet keine vollständige Gerechtigkeit
Auch Tupac Shakurs Familie verfolgt den Prozess mit grosser Aufmerksamkeit. Sein Stiefbruder Mopreme Shakur äusserte sich vor Beginn der Verhandlung gegenüber der BBC.
Er machte deutlich, dass ein Urteil die Folgen des Verlusts nicht rückgängig machen könne. Die Familie wolle zwar Gerechtigkeit, könne Tupac dadurch aber nicht zurückbekommen.
Der Prozess soll nun klären, ob die Staatsanwaltschaft ihre Vorwürfe gegen Davis mit ausreichenden Beweisen belegen kann. Nach fast drei Jahrzehnten könnte damit erstmals ein Gericht über die mögliche Verantwortung eines mutmasslichen Drahtziehers im Fall Tupac Shakur entscheiden.






