Protein steckt heute in Müesli, Joghurts, Getränken, Riegeln und sogar in Brot oder Glace. Hersteller werben mit einem besonders hohen Eiweissgehalt, während Fitness-Influencer den Nährstoff als Schlüssel für Muskelaufbau und Gesundheit anpreisen. Doch brauchen gesunde Menschen tatsächlich immer mehr Protein – oder handelt es sich teilweise um einen Ernährungstrend?
Eiweiss gehört neben Kohlenhydraten und Fetten zu den drei wichtigsten Makronährstoffen. Es liefert dem Körper Bausteine für Muskeln, Organe, Haut, Enzyme und Hormone. Fachleute betonen jedoch, dass der tatsächliche Bedarf vieler Menschen deutlich niedriger ist als häufig vermutet.
Wie viel Protein braucht der Körper?
Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) empfiehlt gesunden Erwachsenen in der Regel rund 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Für ältere Menschen, Schwangere, Stillende sowie Personen mit erhöhter körperlicher Belastung kann der Bedarf höher sein. Auch Sportlerinnen und Sportler benötigen – je nach Trainingsziel – oft mehr Eiweiss als der Durchschnitt.
Wer sich ausgewogen ernährt, erreicht diese Mengen häufig bereits über normale Lebensmittel. Milchprodukte, Eier, Fisch, Fleisch, Hülsenfrüchte, Tofu, Nüsse und Vollkornprodukte tragen wesentlich zur täglichen Eiweissversorgung bei.
Protein-Produkte boomen im Detailhandel
In den Regalen von Coop, Migros und anderen Detailhändlern wächst das Angebot an Protein-Produkten seit Jahren. Protein-Joghurts, Puddings, Drinks oder Riegel richten sich vor allem an Menschen, die Sport treiben oder bewusst auf ihre Ernährung achten.
Viele dieser Produkte enthalten tatsächlich mehr Eiweiss als herkömmliche Varianten. Gleichzeitig sind sie jedoch oft deutlich teurer. Teilweise unterscheiden sie sich nur wenig von normalen Lebensmitteln, enthalten aber zusätzliche Eiweisskonzentrate oder spezielle Werbeversprechen.
Ernährungsfachleute weisen darauf hin, dass ein höherer Proteingehalt allein ein Lebensmittel nicht automatisch gesünder macht. Entscheidend bleibt die gesamte Nährstoffzusammensetzung – etwa der Gehalt an Zucker, Fett, Salz und Ballaststoffen.
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Mehr Protein bedeutet nicht automatisch mehr Muskeln
Für den Muskelaufbau spielt Eiweiss zwar eine wichtige Rolle. Ebenso entscheidend ist jedoch regelmässiges Krafttraining. Ohne ausreichende Trainingsreize kann der Körper überschüssiges Protein nicht einfach in zusätzliche Muskelmasse umwandeln.
Ein Teil der aufgenommenen Aminosäuren wird dann als Energie genutzt oder anderweitig verstoffwechselt. Gesunde Nieren können grössere Eiweissmengen in der Regel verarbeiten. Menschen mit bestehenden Nierenerkrankungen sollten ihre Ernährung jedoch mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen.
Wann Proteinpräparate sinnvoll sein können
Proteinpulver oder Proteinshakes können in bestimmten Situationen praktisch sein – beispielsweise für Leistungssportler, ältere Menschen mit erhöhtem Bedarf oder Personen, die ihren Eiweissbedarf über die Ernährung nur schwer decken können.
Für die Mehrheit der Bevölkerung sind solche Produkte jedoch meist nicht notwendig. Eine ausgewogene Ernährung liefert in vielen Fällen ausreichend Eiweiss, ohne dass zusätzliche Nahrungsergänzungsmittel gekauft werden müssen.
Auch vegetarisch oder vegan lebende Menschen können ihren Bedarf decken, wenn sie verschiedene pflanzliche Eiweissquellen wie Hülsenfrüchte, Sojaprodukte, Nüsse, Samen und Vollkornprodukte miteinander kombinieren.
Fazit: Qualität wichtiger als der Protein-Hype
Protein ist für den Körper unverzichtbar. Der aktuelle Boom um eiweissangereicherte Lebensmittel bedeutet jedoch nicht, dass jede Person automatisch mehr Protein benötigt.
Wer sich abwechslungsreich ernährt und seinen persönlichen Bedarf kennt, erreicht die empfohlene Eiweissmenge meist problemlos. Bevor teure Spezialprodukte im Einkaufswagen landen, lohnt sich deshalb ein Blick auf die Zutatenliste und die tatsächlichen Nährwerte.






