Die Stadtverwaltung von Pristina hat eine Ukraine-Flagge mit der Aufschrift «Freie Ukraine» aus dem Zentrum der kosovarischen Hauptstadt entfernt. Der Schritt erfolgte nach Äusserungen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, wonach die Ukraine ihre bisherige Haltung zur Nichtanerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo beibehält.
Pristina reagiert auf Selenskyjs Aussagen
Die Flagge war nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine als Zeichen der Solidarität mit dem angegriffenen Land gehisst worden. Nun wurde sie aus dem Zentrum von Pristina entfernt.
Laut Albeu begründete der Bürgermeister von Pristina, Përparim Rama, die Entscheidung mit dem Umgang der Ukraine mit der Staatlichkeit des Kosovo. «Der Staat Kosovo muss respektiert werden. Wenn Kosovo nicht respektiert wird, reagiert die Hauptstadt Pristina stets auf dieselbe Weise», erklärte Rama in den sozialen Medien.
Der Bürgermeister betonte zugleich, dass die Bevölkerung des Kosovo grundsätzlich Solidarität mit Menschen und Staaten zeige, die unter Gewalt, Krieg und Verfolgung leiden. Kosovo kenne aus eigener Erfahrung den Kampf für Freiheit, Würde und das Recht auf staatliche Existenz.
Diese Solidarität könne jedoch nicht davon abhängig gemacht werden, dass die Staatlichkeit des Kosovo infrage gestellt werde, erklärte Rama. «Doch keine Sache und keine Politik kann auf der Herabsetzung der Staatlichkeit des Kosovo und der Opfer seiner Bevölkerung beruhen», fügte er hinzu.
Selenskyj bekräftigt Haltung zum Kosovo
Auslöser für die Reaktion in Pristina waren Aussagen Selenskyjs bei seinem ersten offiziellen Besuch in Belgrad. Der ukrainische Präsident erklärte, die Ukraine habe ihre bisherige Position zur Nichtanerkennung des Kosovo nicht geändert.
Selenskyj betonte gleichzeitig, dass die Ukraine die territoriale Integrität Serbiens und das Völkerrecht respektiere. Dabei verwies er auch auf die Unterstützung Serbiens für die territoriale Integrität der Ukraine.
Der ukrainische Präsident bedankte sich bei Serbien für dessen Haltung zur territorialen Integrität der Ukraine. Dazu zählt aus ukrainischer Sicht auch die Krim, die Russland 2014 völkerrechtswidrig annektiert hat.
🚨 Breaking News direkt aufs Smartphone
Verpasse keine Eilmeldung mehr – jetzt den imTicker WhatsApp-Kanal abonnieren:
👉 imTicker auf WhatsApp abonnieren
Kosovo unterstützt Ukraine trotz politischer Differenzen
Die Beziehungen zwischen Pristina und Kiew sind damit von einem politischen Widerspruch geprägt. Kosovo unterstützt die Ukraine im Krieg gegen Russland und hat sich den Sanktionen der Europäischen Union und der USA gegen Moskau angeschlossen.
Zudem hat Kosovo ukrainischen Journalistinnen und Journalisten Zuflucht gewährt, die wegen des Krieges ihre Heimat verlassen mussten. Die politische Unterstützung für die Ukraine steht jedoch der Haltung Kiews zur Unabhängigkeit des Kosovo gegenüber.
Die Ukraine gehört zu den Staaten, die Kosovo nicht als unabhängigen Staat anerkennen. Pristina wiederum betrachtet die eigene staatliche Souveränität als zentralen Bestandteil seiner Aussenpolitik und fordert von anderen Staaten entsprechenden Respekt.
Politische Spannungen zwischen Pristina und Kiew
Die Entfernung der Flagge ist vor diesem Hintergrund vor allem als politisches Signal der kosovarischen Hauptstadt zu verstehen. Bürgermeister Rama stellte die bisherige Solidarität mit der Ukraine nicht grundsätzlich infrage, machte aber deutlich, dass Pristina eine Anerkennung oder Unterstützung der ukrainischen Position in der Kosovo-Frage nicht akzeptieren will.
Die Reaktion zeigt zugleich, wie sensibel die Kosovo-Frage weiterhin auf dem Balkan ist. Für Pristina bleibt die internationale Anerkennung der eigenen Unabhängigkeit ein zentrales aussenpolitisches Anliegen.






