Der somalische Schiedsrichter Omar Artan schreibt beim europäischen Supercup Geschichte. Der 34-Jährige leitet am Mittwoch in Salzburg die Partie zwischen Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain und Europa-League-Gewinner Aston Villa. Artan ist damit der erste Schiedsrichter ausserhalb Europas, der das UEFA-Endspiel um den Supercup pfeift.
Vom WM-Ausschluss zum Supercup
Für Artan ist der Einsatz weit mehr als ein gewöhnliches Spiel. Noch vor wenigen Wochen stand der Somalier wegen eines Einreiseverbots in den USA im Mittelpunkt einer internationalen Debatte.
Laut GMX war Artan für die Fussball-Weltmeisterschaft 2026 als Schiedsrichter nominiert worden, durfte jedoch trotz eines gültigen Visums nicht in die USA einreisen. Als Grund nannten die US-Behörden Sicherheitsbedenken und mutmassliche Verbindungen zu einer Terrororganisation in Somalia. Artan selbst bestritt ein Fehlverhalten.
Die Entscheidung sorgte in der Fussballwelt für Kritik. Artan konnte dadurch kein Spiel bei der Weltmeisterschaft leiten. Die UEFA reagierte anschliessend und setzte ihn für den Supercup zwischen PSG und Aston Villa ein.
Für den 34-Jährigen ist der Einsatz in Salzburg deshalb ein besonderer Moment. «Als wir diesen Anruf erhielten, war das für meine Familie und mich ein sehr glücklicher Moment», sagte Artan in einem Beitrag der UEFA.
UEFA macht Artan zum historischen Schiedsrichter
Mit seiner Nominierung setzt die UEFA ein besonderes Zeichen. Noch nie zuvor hatte ein Schiedsrichter ausserhalb Europas die Partie um den europäischen Supercup geleitet.
Artan ist seit Jahren international tätig und gilt in Afrika als einer der angesehensten Unparteiischen. 2025 wurde er zum afrikanischen Schiedsrichter des Jahres gewählt. Seine Laufbahn führte ihn von Schulturnieren über die somalische Liga bis zu internationalen Spielen und in das Finale der afrikanischen Champions League.
Sein Weg war dabei von schwierigen persönlichen Umständen geprägt. Artan verlor seinen Vater früh und wuchs getrennt von seiner Mutter auf. Über den Fussball fand er nach eigenen Angaben eine Perspektive und begann bereits in jungen Jahren mit der Schiedsrichterei.
«Ich hatte Glück, aber ich habe auch hart dafür gearbeitet, hier zu sein, und bin wirklich stolz», erklärte der Somalier. Seine Herkunft und die schwierigen Bedingungen seiner Jugend hätten ihn nicht davon abgehalten, seine Ziele zu verfolgen.
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Einreiseverbot sorgte für internationale Kritik
Der Ausschluss von der Weltmeisterschaft hatte auch politische Reaktionen ausgelöst. FIFA-Präsident Gianni Infantino bezeichnete den Fall damals als «natürlich unglücklich».
Vertreter der damaligen US-Regierung verteidigten dagegen die Entscheidung. Andrew Giuliani, der damalige Chef der WM-Taskforce des Weissen Hauses, erklärte, die USA wollten verhindern, dass Personen mit Sicherheitsbedenken im Rahmen des Turniers ins Land einreisen.
In der Fussballwelt wurde die Entscheidung teilweise scharf kritisiert. Der frühere FIFA-Präsident Joseph Blatter bezeichnete sie als «unglaublich und absurd» und stellte die Frage nach den Konsequenzen für ein Land, das einem nominierten Schiedsrichter die Einreise verweigert.
Auch die damalige Präsidentin der UN-Generalversammlung, Annalena Baerbock, forderte eine Aufarbeitung des Falls durch die FIFA. Ob und in welchem Umfang eine solche Untersuchung erfolgte, ist öffentlich nicht abschliessend geklärt.
Artan blickt nach vorne
Für Artan steht inzwischen wieder der Sport im Vordergrund. Im Supercup trifft er auf zwei europäische Spitzenmannschaften und übernimmt eine Partie, die weltweit verfolgt wird.
Die Begegnung zwischen Paris Saint-Germain und Aston Villa findet am Mittwochabend um 21.00 Uhr in Salzburg statt. Für Artan ist es zugleich die Gelegenheit, nach dem verpassten WM-Einsatz auf der grössten europäischen Bühne eine sportliche Antwort zu geben.
Seine Botschaft bleibt dabei unverändert: «Höre nie auf zu träumen.»






