Der Chipkonzern Nvidia profitiert weiter massiv vom weltweiten Boom bei Künstlicher Intelligenz. Umsatz und Gewinn wurden im zweiten Quartal mehr als verdoppelt. Gleichzeitig plant das Unternehmen offenbar eine Übernahme der KI-Plattform Hugging Face. Im Gespräch ist eine Bewertung von mehr als 13 Milliarden US-Dollar.
Die Nachfrage nach Rechenleistung für Künstliche Intelligenz treibt Nvidia weiter zu neuen Rekorden. Im zweiten Quartal erzielte der US-Chipkonzern einen Umsatz von 96,2 Milliarden US-Dollar. Der Nettogewinn stieg auf 59,7 Milliarden Dollar und lag damit mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahreszeitraum.
Nvidia-Chef und Firmengründer Jensen Huang sieht weiterhin grosses Wachstumspotenzial. Der Ausbau der KI-Infrastruktur laufe mit hoher Geschwindigkeit, erklärte er. Gleichzeitig werde die Produktion der neuen Prozessor-Architektur Vera Rubin weiter hochgefahren.
Nvidia gilt mit seinen Chips und Rechensystemen als einer der wichtigsten Profiteure des KI-Booms. Grosse Cloud-Anbieter wie Amazon, Google, Microsoft und Meta investieren enorme Summen in neue Rechenzentren, um die steigende Nachfrage nach KI-Anwendungen bedienen zu können.
Börsenwert steigt auf mehr als fünf Billionen Dollar
Nvidia war ursprünglich vor allem für Grafikkarten bekannt. Heute liefert das Unternehmen zentrale Technologien für das Training und den Betrieb grosser KI-Modelle. Der Börsenwert lag zum Schlusskurs vom Mittwoch bei rund 5,07 Billionen US-Dollar.
Damit ist Nvidia derzeit das wertvollste börsenkotierte Unternehmen der Welt. Die enorme Kursentwicklung verdeutlicht den Einfluss des KI-Booms auf den Konzern: Wer Ende 2019 umgerechnet 1000 Euro in Nvidia-Aktien investiert hätte, verfügte zuletzt über ein Investment von beinahe 36’000 Euro.
Auch beim weiteren Wachstum zeigt sich Huang optimistisch. Künstliche Intelligenz habe einen entscheidenden Entwicklungsschritt erreicht und werde zunehmend praktische Aufgaben übernehmen. Zusätzlich gewinnt laut dem Nvidia-Chef die sogenannte physische KI an Bedeutung, bei der Künstliche Intelligenz mit Robotik verbunden wird.
Neue Vera-Rubin-Plattform soll KI-Rechenleistung erhöhen
Ein wichtiger Wachstumstreiber für Nvidia soll künftig die neue Vera-Rubin-Plattform werden. Sie folgt auf die Blackwell-Architektur und wurde unter anderem für sogenannte agentische KI entwickelt.
Dabei handelt es sich um Systeme, die nicht nur Informationen verarbeiten, sondern eigenständig planen, Entscheidungen vorbereiten und Aufgaben ausführen können. Solche Anwendungen stellen andere und teilweise höhere Anforderungen an die verfügbare Rechenleistung.
Die Nvidia-Aktie reagierte im nachbörslichen Handel zunächst mit Kursverlusten, drehte anschliessend jedoch ins Plus. Zuletzt lag sie bei rund 218 Dollar und damit knapp vier Prozent höher. Zuvor hatte die Aktie im Mai ein Rekordhoch von mehr als 236 Dollar erreicht.
Nvidia verhandelt über Kauf von Hugging Face
Parallel zu den Quartalszahlen wurden Pläne für eine mögliche Übernahme bekannt. Laut GMX verhandelt Nvidia über den Kauf der KI-Plattform Hugging Face. Das US-Wirtschaftsmagazin Business Insider berichtete unter Berufung auf eine mit den Gesprächen vertraute Person von einem möglichen Bewertungsvolumen von mehr als 13 Milliarden US-Dollar.
Eine endgültige Vereinbarung gibt es bislang nicht. Die Gespräche könnten weiterhin scheitern. Weder Nvidia noch Hugging Face wollten sich zu den Berichten äussern.
Sollte die Übernahme zustande kommen, würde Nvidia seine Position im KI-Ökosystem deutlich ausbauen. Der Konzern könnte damit neben der Hardware auch einen stärkeren Einfluss auf Software, Modelle und die internationale Entwicklergemeinschaft gewinnen.
Hugging Face als wichtige Plattform für KI-Entwickler
Hugging Face wurde 2016 von drei französischen Unternehmern gegründet und entwickelte sich zu einer wichtigen Plattform für die Open-Source-KI-Entwicklung. Auf der Plattform werden Millionen von KI-Modellen, Datensätzen und Code-Bibliotheken bereitgestellt.
Entwickler und Forschende nutzen Hugging Face, um KI-Modelle zu entwickeln, zu teilen und in Anwendungen zu integrieren. Die Plattform hat sich dadurch zu einer wichtigen Infrastruktur innerhalb der internationalen KI-Community entwickelt.
Für Nvidia wäre eine Übernahme strategisch interessant, weil der Konzern dadurch seine Hardware stärker mit der Software- und Modellwelt verbinden könnte. Entwickler könnten ihre KI-Anwendungen noch enger auf die Nvidia-Plattform ausrichten.
Übernahme könnte Fragen zur Neutralität auslösen
Eine vollständige Übernahme dürfte allerdings auch Kritik auslösen. Eine zentrale Stärke von Hugging Face ist bisher die vergleichsweise offene und hardwareunabhängige Ausrichtung.
Die Plattform unterstützt nicht nur Nvidia, sondern auch Technologien von Konkurrenten wie AMD und Intel. Sollte der weltweit führende Anbieter von KI-Beschleunigerchips die Plattform übernehmen, könnten deshalb Fragen zur Neutralität und zu möglichen Interessenkonflikten entstehen.
Auch kartellrechtliche Prüfungen könnten bei einem Deal dieser Grössenordnung eine Rolle spielen. Für Nvidia wäre die Übernahme zugleich ein weiterer Schritt beim Ausbau des eigenen KI-Ökosystems.
Die enormen Gewinne aus dem KI-Geschäft geben dem Konzern dafür erheblichen finanziellen Spielraum. Ob aus den Gesprächen mit Hugging Face tatsächlich eine Übernahme entsteht, ist derzeit jedoch noch offen.






