Die Novartis-Aktie ist am Dienstag nach einem Rückschlag in einer klinischen Studie zeitweise um mehr als 10 Prozent gefallen. Der Wirkstoff Del-desiran verfehlte bei der Behandlung der Myotonen Dystrophie Typ 1 sein wichtigstes Studienziel. Analysten streichen deshalb Milliarden-Umsatzerwartungen aus ihren Bewertungsmodellen.
Für die Anleger von Novartis ist es bereits der zweite Rückschlag bei einer klinischen Studie innerhalb weniger Tage. Nachdem am Montag eine Studie mit dem Herzmedikament Pelacarsen ihr wichtigstes Ziel verfehlt hatte, folgte am Dienstag die enttäuschende Nachricht zu Del-desiran.
Die Novartis-Aktie geriet daraufhin massiv unter Druck. Gegen 09.15 Uhr notierte das Papier 9,6 Prozent tiefer bei 113.42 Franken. Im frühen Handel war der Kurs zeitweise um mehr als zehn Prozent eingebrochen.
Noch in der Vorwoche hatte die Aktie bei 132.68 Franken ein Rekordhoch erreicht. Damit summieren sich die Kursverluste innerhalb kurzer Zeit auf einen erheblichen Betrag.
Del-desiran verfehlt wichtigstes Studienziel
Del-desiran wurde in der sogenannten Harbor-Studie zur Behandlung der Myotonen Dystrophie Typ 1 untersucht. Dabei handelt es sich um eine fortschreitende genetisch bedingte Muskelerkrankung.
An der Studie nahmen rund 150 Patientinnen und Patienten teil, die über 54 Wochen untersucht wurden. Als wichtigstes Studienziel wurde anhand von Videoaufnahmen gemessen, wie schnell die Betroffenen ihre Hand öffnen können. Die Messung soll Aufschluss über die für die Erkrankung typische Muskelsteifigkeit geben.
Dieses zentrale Ziel erreichte Del-desiran nicht. Nach Angaben von Novartis gab es bei anderen untersuchten Kriterien allerdings Hinweise auf eine mögliche Wirkung des Wirkstoffs.
Für den Pharmakonzern ist das Ergebnis dennoch ein bedeutender Rückschlag. Die Erwartungen an Del-desiran waren hoch, da das Medikament bei einer erfolgreichen Entwicklung erhebliches Umsatzpotenzial gehabt hätte.
Analysten streichen Milliarden-Umsätze
Novartis-Chef Vas Narasimhan hatte für Del-desiran einen möglichen Umsatz von bis zu 5 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt. Auch die Analysten hatten dem Wirkstoff grosses Potenzial zugeschrieben.
Vontobel hatte bei einer erfolgreichen Entwicklung mit einem möglichen jährlichen Spitzenumsatz von rund 3 Milliarden US-Dollar gerechnet. Nach dem negativen Studienergebnis streicht die Bank diese Umsatzerwartung nun aus ihrem Bewertungsmodell.
Auch die UBS hatte mit einem möglichen Spitzenumsatz von bis zu 2 Milliarden US-Dollar gerechnet und bewertet den Studienrückschlag entsprechend negativ.
Besonders kritisch sehen die Analysten die Auswirkungen auf die gesamte Medikamentenpipeline, die Novartis mit der Übernahme des US-Biotechunternehmens Avidity Biosciences erworben hat. Novartis hatte für Avidity rund 12 Milliarden US-Dollar bezahlt.
Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) spricht von einem Vertrauensverlust in die gesamte Avidity-Produktgruppe. Zwar hätten andere Wirkstoffkandidaten aus der Übernahme bislang positive Ergebnisse gezeigt, die beiden jüngsten Studienrückschläge belasten laut ZKB jedoch das Vertrauen der Anleger.
Zweiter Rückschlag innerhalb weniger Tage
Bereits am Montag hatte Novartis bekannt gegeben, dass auch Pelacarsen in einer klinischen Studie das wichtigste Ziel nicht erreicht hatte. Die Aktie verlor daraufhin 3,2 Prozent.
Der erneute Rückschlag mit Del-desiran verschärfte den Druck auf das Börsenpapier. Für Anleger rückt damit stärker die Frage in den Vordergrund, wie zuverlässig die Wachstumserwartungen für die Pipeline des Pharmakonzerns sind.
Die jüngsten Studienergebnisse bedeuten nicht automatisch, dass sämtliche Wirkstoffkandidaten aus der Avidity-Übernahme scheitern werden. Die Analysten unterscheiden weiterhin zwischen den einzelnen Medikamentenkandidaten. Dennoch haben die negativen Nachrichten die Erwartungen an einen Teil der künftigen Umsatzentwicklung von Novartis deutlich gedämpft.
Rechtlicher Hinweis
Die Börsen- und Finanzinformationen auf imTicker.ch dienen ausschliesslich Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung oder Kauf- bzw. Verkaufsempfehlung dar. Trotz sorgfältiger Recherche wird keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität übernommen. Investitionen sind mit Risiken bis hin zum vollständigen Kapitalverlust verbunden. Anlageentscheidungen erfolgen auf eigene Verantwortung.






