Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un will die Marine seines Landes zu einer nuklear bewaffneten Streitmacht ausbauen. Bei der Indienststellung des neuen Zerstörers «Kang Kon» in Wonsan kündigte er weitere Schritte zur Stärkung der Marine an. Gleichzeitig halten Südkorea, die USA und Japan ein gemeinsames Militärmanöver ab.
Kim Jong-un erklärte bei der Zeremonie am Sonntag in der ostnordkoreanischen Küstenstadt Wonsan, Nordkorea müsse sicherstellen, dass nukleare Waffensysteme auch in einem tatsächlichen Krieg vielseitig eingesetzt werden könnten. Dazu müsse die Marine zu einer nuklear bewaffneten Streitmacht entwickelt werden.
Der neue Zerstörer «Kang Kon» soll nach Kims Darstellung eine wichtige Rolle im nordkoreanischen System zur nuklearen Abschreckung übernehmen. Der Machthaber sprach von der Fähigkeit zu einem tödlichen Vergeltungsschlag gegen mögliche Gegner.
Zweiter moderner Zerstörer in Dienst gestellt
Die «Kang Kon» gehört zur neuen Zerstörerklasse mit einer Verdrängung von rund 5000 Tonnen. Erst drei Monate zuvor hatte Nordkorea mit der «Choe Hyon» ein weiteres Kriegsschiff dieser Klasse in Dienst gestellt. Mit dem Schiff wurden bereits mehrere Waffentests durchgeführt.
Die Entwicklung der «Kang Kon» verlief allerdings nicht ohne Zwischenfälle. Beim Stapellauf im Mai des vergangenen Jahres kenterte das Schiff teilweise vor den Augen Kim Jong-uns. Im Juli beaufsichtigte der Machthaber anschliessend persönlich eine Testfahrt.
Bei der aktuellen Indienststellung war auch Kims Tochter Ju Ae anwesend. Sie wird von Beobachtern seit längerer Zeit als mögliche Nachfolgerin ihres Vaters gehandelt.
Laut GMX kündigte Kim zudem einen «wichtigen Plan» zur weiteren Stärkung der nordkoreanischen Marine an. Dieser soll nach seinen Angaben bereits in acht Monaten vorgestellt werden.
Militärmanöver verschärft Spannungen
Parallel zur Indienststellung des Zerstörers haben Südkorea, die USA und Japan vor der südkoreanischen Insel Jeju eine gemeinsame fünftägige Militärübung begonnen. Der südkoreanische Generalstab bezeichnet das jährlich stattfindende Manöver als defensiv.
Die Übung richtet sich nach Angaben aus Seoul insbesondere gegen die nuklearen und raketenbezogenen Bedrohungen aus Nordkorea. Pjöngjang betrachtet solche gemeinsamen Militärübungen dagegen regelmässig als Vorbereitung auf einen möglichen Angriff.
US-Präsident Donald Trump hatte Mitte August angekündigt, gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea deutlich zu reduzieren. Als Grund nannte er unter anderem seine nach eigenen Angaben gute Beziehung zu Kim Jong-un. Trump erklärte zudem, dass er noch in diesem Jahr mit einem Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber rechne.
Kim selbst hat sich zu diesem Gesprächsangebot bislang nicht öffentlich geäussert.
Nordkorea baut Verbindung zu Russland aus
Gleichzeitig verstärkt Nordkorea seine Beziehungen zu Russland. Zwischen beiden Ländern wurde erstmals eine Strassenverbindung über den Grenzfluss Tumannaja, auch Tumen genannt, eröffnet.
Der russische Ministerpräsident Michail Mischustin bezeichnete den Bau der rund einen Kilometer langen Brücke als historisches Ereignis. Nach russischen Angaben können am neuen Grenzübergang täglich rund 300 Fahrzeuge abgefertigt werden.
Die Vereinbarung zum Bau der Brücke hatten Moskau und Pjöngjang bereits 2024 getroffen. Bislang waren die beiden Länder auf dem Landweg lediglich über eine 1959 eröffnete Eisenbahnbrücke miteinander verbunden.
Strategische Partnerschaft mit Moskau
Die neue Strassenverbindung könnte die wirtschaftliche und logistische Zusammenarbeit zwischen Russland und Nordkorea erleichtern. Nach russischen Angaben soll Nordkorea dadurch auch besser an den internationalen Transportkorridor über Wladiwostok nach St. Petersburg angebunden werden.
Nordkorea unterstützt Russland zudem im Krieg gegen die Ukraine. Pjöngjang liefert nach Angaben verschiedener Quellen unter anderem Munition und soll Tausende Soldaten zur Unterstützung Moskaus entsandt haben.
Die engere Zusammenarbeit mit Russland fällt zeitlich mit Nordkoreas angekündigtem Ausbau seiner militärischen Fähigkeiten zusammen. Damit bleiben die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel und die sicherheitspolitische Annäherung zwischen Pjöngjang und Moskau ein zentraler Faktor in der Region.






