Am 15. August 1996 brachte Nokia den 9000 Communicator auf den Markt. Das fast 400 Gramm schwere Gerät mit Tastatur, E-Mail- und Faxfunktionen gilt als Vorläufer des modernen Smartphones. Für Finnland wurde der Communicator zugleich zum Symbol des Aufstiegs von Nokia zum globalen Technologiekonzern.
Das Ur-Smartphone aus Finnland
Als Nokia den 9000 Communicator 1996 präsentierte, war das Gerät seiner Zeit weit voraus. Der rund 400 Gramm schwere und fast vier Zentimeter dicke Communicator kombinierte ein Mobiltelefon mit Funktionen eines tragbaren Computers.
Aufgeklappt verfügte das Gerät über eine vollständige Tastatur und ein Schwarz-Weiss-Display. Nutzer konnten damit unter anderem E-Mails und Faxe verschicken, Termine verwalten und unterwegs Büroarbeiten erledigen.
Kamera, GPS oder Touchscreen fehlten noch vollständig. Trotzdem wird der Communicator heute häufig als einer der wichtigsten Vorläufer des modernen Smartphones bezeichnet.
Der SRF-Nordeuropa-Korrespondent Bruno Kaufmann war bei der damaligen Präsentation dabei. Für ihn wurde bereits beim ersten Kontakt deutlich, dass Nokia mit dem Gerät eine neue Kategorie geschaffen hatte: Es war weder ein klassisches Mobiltelefon noch ein herkömmlicher Computer.
Ein teures Statussymbol
Der Communicator richtete sich zunächst vor allem an Geschäftsleute und Führungskräfte. Mit einem Einführungspreis von rund 2200 Franken war das Gerät für die meisten Konsumentinnen und Konsumenten kaum erschwinglich.
Der finnische Filmemacher und Autor Arto Koskinen, der sich in der Dokumentation «Nokia Mobile – We Were Connecting People» mit der Geschichte des Unternehmens beschäftigt hat, beschreibt den Communicator als Gerät für eine vergleichsweise kleine Zielgruppe.
Trotz des hohen Preises entwickelte sich die Communicator-Reihe zu einem wichtigen Teil der Mobilfunkgeschichte. Nokia verband damit erstmals in grossem Stil Telefonie, Kommunikation und mobile Computerfunktionen in einem einzigen Gerät.
Nokia wird zum finnischen Symbol
Der Erfolg des Communicators fiel in eine Phase, in der Nokia zu einem der wichtigsten Unternehmen Finnlands aufstieg. Der Konzern hatte sich bereits in den 1980er-Jahren zunehmend auf Mobiltelefone konzentriert.
Für Finnland kam der Aufstieg zu einem wichtigen Zeitpunkt. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion geriet das Land Anfang der 1990er-Jahre in eine schwere Wirtschaftskrise. Nokia entwickelte sich anschliessend zum Weltmarktführer im Mobilfunk und wurde damit zu einem wichtigen Symbol des wirtschaftlichen und technologischen Wandels.
Das Unternehmen prägte nicht nur die finnische Wirtschaft, sondern auch das Selbstverständnis des Landes. Nokia wurde international zum Sinnbild für finnische Technologiekompetenz.
Das iPhone verändert den Markt
Der Erfolg hielt jedoch nicht dauerhaft an. Mit der Präsentation des ersten iPhones im Jahr 2007 veränderte Apple den Smartphone-Markt grundlegend. Touchscreen, neue Bedienkonzepte und ein stark auf Software ausgerichtetes Ökosystem setzten Nokia zunehmend unter Druck.
Nokia brachte weiterhin Smartphones auf den Markt, konnte sich gegen Apple und später auch gegen Hersteller mit Android-Geräten jedoch immer weniger behaupten.
Der Niedergang der Mobilfunksparte hatte laut Arto Koskinen mehrere Ursachen. Neben Managemententscheidungen spielten unter anderem eine veraltete Software, geringere Forschungsaktivitäten und höhere Produktionskosten eine Rolle.
Für viele Menschen in Finnland war der Absturz des einstigen Weltkonzerns mehr als eine wirtschaftliche Niederlage. Nokia war zu einem Teil der nationalen Identität geworden.
Was von Nokia geblieben ist
Finnland konnte sich nach dem Ende der Nokia-Dominanz vergleichsweise schnell neu ausrichten. Fachkräfte und technisches Wissen blieben im Land. Ehemalige Nokia-Mitarbeitende gründeten neue Unternehmen, rund um frühere Nokia-Standorte entstanden Start-up-Zentren.
Heute ist die finnische Technologiebranche breiter aufgestellt. Nokia selbst ist ebenfalls weiterhin aktiv, allerdings mit einem anderen Geschäftsmodell als zu Zeiten des Communicators.
Eigene Mobiltelefone produziert der Konzern nicht mehr. Nokia gehört jedoch weiterhin zu den bedeutenden Anbietern von Ausrüstung für Telekommunikationsnetze.
Der 9000 Communicator bleibt damit vor allem als technischer Vorläufer in Erinnerung. 30 Jahre nach seinem Marktstart steht er für eine Zeit, in der ein finnisches Unternehmen den Schritt vom Mobiltelefon zum mobilen Computer vorwegnahm.






