Der niederländische Fussballverband KNVB fordert eine umfassende Reform des Weltfussballverbandes FIFA. Nach Ansicht des Verbands reicht es nicht, 2027 lediglich einen Nachfolger für Präsident Gianni Infantino zu wählen. Vor den Wahlen müsse zunächst geklärt werden, wie die FIFA künftig ausgerichtet werden soll.
Der KNVB schlägt deshalb einen internationalen Sondergipfel zur Zukunft des Weltfussballs vor. Dabei sollen grundlegende Fragen zur Führung, zur Verwendung der Einnahmen und zu den Kriterien für Entscheidungen des Weltverbandes diskutiert werden.
KNVB fordert neuen Kurs statt nur neuen Präsidenten
Der niederländische Verband stellt damit die bisherige Ausrichtung der FIFA grundsätzlich infrage. Es genüge nicht, lediglich die Führungsspitze auszutauschen, erklärte der KNVB. Entscheidend sei vielmehr die Frage, welche Art von FIFA der internationale Fussball künftig brauche.
Noch vor den für 2027 geplanten FIFA-Wahlen müsse deshalb eine ausführliche Beratung über Reformen und einen neuen Kurs stattfinden. Erst anschliessend solle eine Führung gewählt werden, die diese neue Ausrichtung umsetzen könne.
Gianni Infantino steht unter anderem wegen seiner gescheiterten Pläne für neue Investorenmodelle in der Kritik. Seine Amtszeit endet nach aktuellem Stand 2027, wenn ein neuer FIFA-Präsident gewählt werden soll.
Laut GMX hatte zuvor auch die UEFA angekündigt, gemeinsam mit wichtigen Gruppen des Fussballs auf Veränderungen in der Führung des Weltverbandes hinwirken zu wollen.
Reformgipfel soll in Amsterdam stattfinden
Der KNVB erklärte sich bereit, eine internationale Konferenz zur Reform der FIFA in Amsterdam auszurichten. Der niederländische Verband sieht sich dabei aufgrund seiner Geschichte in einer besonderen Verantwortung: Der KNVB gehört zu den Gründungsmitgliedern der FIFA.
«Wir möchten dazu beitragen, den Fussball von innen heraus zu verbessern», erklärte der Verband. Gleichzeitig machte der KNVB deutlich, dass das Vertrauen in die derzeitige Ausrichtung des Weltverbandes verloren gegangen sei.
Ein wichtiger Punkt ist für die Niederländer auch die Verwendung der FIFA-Einnahmen. Der Verband möchte darauf hinwirken, dass bis zu 90 Prozent der verfügbaren Einnahmen wieder in den Fussball fliessen.
Mehr Geld für Jugend- und Frauenfussball
Die Mittel sollen nach den Vorstellungen des KNVB transparent und anhand klarer Regeln verteilt werden. Profitieren sollen unter anderem der Jugend- und Frauenfussball sowie Trainer und Schiedsrichter.
Auch Sporteinrichtungen und die Entwicklung der nationalen Fussballverbände sollen stärker unterstützt werden. Damit verbindet der niederländische Verband die Forderung nach einer strukturellen Reform mit einer anderen Verteilung der finanziellen Mittel.
Die Diskussion soll dabei nicht allein zwischen Funktionären geführt werden. Aus Sicht des KNVB müssen auch Fans, Spieler, Klubs, Ligen und nationale Verbände in die Debatte einbezogen werden.
Menschenrechte sollen bei WM-Vergaben zählen
Neben der finanziellen Transparenz fordert der KNVB auch strengere Kriterien für die Entscheidungen der FIFA. Menschenrechte und Nachhaltigkeit müssten dauerhaft Bestandteil der Arbeit des Weltverbandes sein.
Das gelte insbesondere für die Vergabe von Weltmeisterschaften. Auch bei kommerziellen Entscheidungen sollten entsprechende Kriterien berücksichtigt werden.
Der niederländische Verband argumentiert, dass Fussball gesellschaftlich eine grössere Bedeutung habe als nur das sportliche Ergebnis. Der Sport könne Menschen verbinden, Unterschiede überbrücken und Kindern sowie Jugendlichen neue Chancen eröffnen.






