Die Welt könnte vor einer neuen Ära nuklearer Aufrüstung stehen.
Während jahrzehntelang Abrüstung das Ziel war, setzen die Atommächte heute wieder verstärkt auf Abschreckung. Friedensforscher schlagen Alarm und warnen vor einem neuen atomaren Wettrüsten mit schwer kalkulierbaren Folgen.
SIPRI: «Wir stecken bereits mitten in einem neuen Wettrüsten»
Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI kommt in seinem aktuellen Jahresbericht zu einem beunruhigenden Schluss.
Laut den Forschern bauen sämtliche Atomwaffenstaaten ihre nuklearen Fähigkeiten aus – entweder durch mehr Sprengköpfe, modernere Systeme oder beides gleichzeitig.
«Jeder Nuklearstaat baut sein Atomwaffenarsenal entweder quantitativ oder qualitativ aus», erklärte SIPRI-Experte Matt Korda.
Besonders problematisch sei dabei die gegenseitige Dynamik: Jeder Ausbau führe zu Gegenreaktionen anderer Staaten.
Russland und USA dominieren weiterhin
Trotz wachsender Arsenale in anderen Ländern besitzen Russland und die USA weiterhin den grössten Teil aller Atomwaffen weltweit.
Geschätzte Nuklearsprengköpfe 2026:
- Russland: 5’420
- USA: 5’042
- China: 620
- Frankreich: rund 290
- Grossbritannien: rund 225
- Weitere Atommächte: Indien, Pakistan, Nordkorea und Israel
Nach SIPRI-Schätzungen verfügen die neun Atommächte zusammen über rund 12’187 Nuklearsprengköpfe.
Davon befinden sich etwa 9’745 in militärischen Beständen für einen möglichen Einsatz.
China rüstet besonders schnell auf
Während Russland und die USA ihre Bestände teilweise modernisieren, wächst Chinas Arsenal derzeit am schnellsten.
Die Volksrepublik präsentierte bei einer Militärparade im Jahr 2025 mehrere neue Nuklearsysteme und verfügt laut SIPRI inzwischen über rund 620 Atomsprengköpfe.
Experten beobachten diese Entwicklung mit besonderer Aufmerksamkeit, da China langfristig seine strategische Rolle im globalen Machtgefüge stärken möchte.
Ende wichtiger Abrüstungsverträge sorgt für Sorgen
Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch das Auslaufen des Abrüstungsvertrags New START zwischen Russland und den USA.
Ohne ein Nachfolgeabkommen fehlen wichtige Kontrollmechanismen und Transparenzregeln.
Die Folge:
- weniger internationale Kontrolle
- geringere Transparenz über Arsenale
- höhere Unsicherheit zwischen den Staaten
- steigendes Risiko neuer Aufrüstungsschritte
Experten warnen, dass dies langfristig die Stabilität zwischen den Atommächten gefährden könnte.
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Europa übernimmt aktivere Rolle
Auch Europa spielt laut SIPRI eine zunehmend wichtigere Rolle bei nuklearen Sicherheitsfragen.
Hintergrund sind wachsende Zweifel an der langfristigen Verlässlichkeit amerikanischer Sicherheitsgarantien.
Frankreich bleibt nach dem Brexit die einzige Atommacht innerhalb der Europäischen Union.
Gleichzeitig intensivieren mehrere europäische Staaten ihre Zusammenarbeit bei Fragen der nuklearen Abschreckung.
Mehr Atomwaffen in höchster Einsatzbereitschaft
Besonders besorgniserregend ist laut den Forschern die steigende Zahl einsatzbereiter Atomwaffen.
Schätzungsweise:
- 4’012 Sprengköpfe sind auf Raketen oder Flugzeugen stationiert
- 2’100 bis 2’200 befinden sich in höchster Alarmbereitschaft
Die meisten davon gehören Russland und den USA.
Im Ernstfall könnten diese Systeme innerhalb kürzester Zeit eingesetzt werden.
Experten warnen vor gefährlicher Entwicklung
SIPRI-Forscher Hans Kristensen sieht einen klaren Trend:
Immer mehr Staaten würden ihre Abrüstungsverpflichtungen vernachlässigen und stattdessen ihre nukleare Stärke demonstrieren.
Dadurch steige die Gefahr einer neuen Spirale gegenseitiger Aufrüstung.
Die Friedensforscher warnen, dass nukleare Abschreckung zwar Sicherheit versprechen soll, langfristig aber neue Risiken schaffen könnte.






