Neue Angriffe auf eine wichtige saudische Ölpipeline verschärfen den Druck auf die Energieexporte des Landes. Saudi-Arabien hat die Ost-West-Pipeline nach Drohnenangriffen vorsorglich abgeschaltet. Gleichzeitig wächst die Gefahr für die alternative Route über das Rote Meer. Experten rechnen deshalb mit weiter steigenden Ölpreisen.
Wichtige Pipeline nach Drohnenangriff abgeschaltet
Saudi-Arabien steht im sich ausweitenden Nahost-Konflikt zunehmend unter Druck. Neben der weitgehend blockierten Strasse von Hormus ist inzwischen auch die Route über das Rote Meer gefährdet. Nach Angriffen auf die Ost-West-Pipeline in den Regionen Riad und Medina wurde die Leitung vorsorglich stillgelegt.
Laut GMX teilte das saudische Aussenministerium mit, dass bei dem Drohnenangriff, der aus dem Irak gestartet worden sein soll, Schäden an der Infrastruktur entstanden seien. Mehrere Menschen wurden demnach verletzt. Wer genau hinter dem Angriff steckt, wurde zunächst nicht mitgeteilt.
Im Irak sind mehrere vom Iran unterstützte Milizen aktiv. Saudi-Arabien erklärte, vorerst keine eigenen Schritte gegen die Angreifer auf irakischem Boden zu unternehmen. Stattdessen sollen die irakischen Behörden zunächst selbst Massnahmen ergreifen, um weitere Angriffe zu verhindern.
Ost-West-Pipeline ist zentrale Exportverbindung
Die Ost-West-Pipeline ist für Saudi-Arabien von grosser Bedeutung. Die mehr als 1’200 Kilometer lange Leitung kann täglich bis zu sieben Millionen Barrel Öl vom Persischen Golf zum Roten Meer transportieren.
Damit ermöglicht sie dem weltweit wichtigsten Ölexporteur, einen Teil seiner Lieferungen unter Umgehung der Strasse von Hormus auszuführen. Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar und den zunehmenden Behinderungen in der strategisch wichtigen Meerenge ist diese alternative Route besonders wichtig.
US-Medien berichteten, dass bei den jüngsten Angriffen möglicherweise Pumpstationen der Pipeline getroffen wurden. Satellitenbilder sollen dort Brände gezeigt haben. Wie gross die Schäden tatsächlich sind und wann die Pipeline wieder vollständig betrieben werden kann, war zunächst unklar.
Bereits im April war die Infrastruktur angegriffen worden. Damals musste die Kapazität der Pipeline vorübergehend reduziert werden.
Auch Bab al-Mandab wird zur Gefahr
Zusätzlichen Druck erzeugt die Situation im Jemen. Die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen haben nach Angaben jemenitischer Regierungsquellen ihre Kontrolle entlang der Küste des Roten Meeres und über strategisch wichtige Inseln ausgeweitet.
Damit erhalten die Huthi einen grösseren Einfluss auf die Meerenge Bab al-Mandab. Diese verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und gehört zu einer der wichtigsten internationalen Schifffahrtsrouten zwischen Europa und Asien.
Ein Huthi-Sprecher erklärte zwar, die Sicherheit der Schifffahrt werde gewährleistet. Für saudische Schiffe gelte dies jedoch nicht. Die Miliz hatte in der Vergangenheit bereits wiederholt Schiffe in der Region angegriffen.
Ölpreis nähert sich wieder der Marke von 110 Dollar
Die wachsenden Risiken für die saudischen Exportwege wirken sich bereits auf den Ölmarkt aus. Der Preis für ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent mit Lieferung im November stieg am Freitag zeitweise auf fast 110 US-Dollar.
Vor Beginn des Iran-Kriegs im Februar hatte der Preis noch bei rund 70 Dollar gelegen. Damals wurden etwa 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssiggasexporte über die Strasse von Hormus transportiert.
Der Analyst Hamad Hussain von Capital Economics warnte gegenüber dem «Wall Street Journal», dass der Ölpreis bei einer weiteren Verschärfung in Richtung 120 Dollar steigen könnte. Entscheidend sei unter anderem, wie gross die Schäden an der Pipeline tatsächlich sind.
Das bisherige Jahreshoch liegt bei rund 126 Dollar pro Barrel und wurde Ende April erreicht. Bei einem länger andauernden Konflikt halten einige Analysten auch einen weiteren Anstieg darüber hinaus für möglich.
Saudi-Arabien verliert wichtige Ausweichrouten
Für Saudi-Arabien entwickelt sich damit eine schwierige Situation. Im Osten ist die Route über die Strasse von Hormus weitgehend eingeschränkt, während im Westen die Gefahren rund um Bab al-Mandab zunehmen.
Eine weitere Möglichkeit wäre der Transport über den Suezkanal. Allerdings dauert der Transport von der saudischen Westküste zu wichtigen Kunden in Asien über diese Route deutlich länger und verursacht höhere Kosten. Zudem sind auch solche Transporte teilweise von einer funktionierenden Ost-West-Pipeline abhängig.
Die Meerenge Bab al-Mandab ist an ihrer schmalsten Stelle nur rund 20 Kilometer breit. Das macht die Einrichtung eines sicheren Korridors besonders schwierig.
Huthi bleiben wichtiger Verbündeter Irans
Die Huthi sind Teil der vom Iran unterstützten «Achse des Widerstands». Im Jemen kämpfen sie seit Jahren gegen die international anerkannte Regierung und deren Verbündete.
Teheran unterstützt die Huthi unter anderem mit Waffen, Technologie, Fachwissen und finanziellen Mitteln. Saudi-Arabien wiederum unterstützt die jemenitische Regierung und regierungstreue Kräfte.
Durch die zunehmende Präsenz der Huthi an der Küste und in der Nähe von Bab al-Mandab wächst damit das Risiko für eine weitere Störung wichtiger internationaler Handels- und Energierouten.






