Immer mehr Menschen in der Schweiz konsumieren Kokain.
Eine neue Analyse von Sucht Schweiz zeigt nun, dass sich der Konsum längst nicht mehr nur auf die Partyszene beschränkt. Besonders alarmierend: Bestimmte Berufsgruppen könnten deutlich stärker betroffen sein als bisher angenommen.
Kokain auf dem Vormarsch in der Schweiz
Kokain ist nach Cannabis die am zweithäufigsten konsumierte illegale Droge der Schweiz.
Gemäss der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2022 haben rund ein Prozent der Bevölkerung innerhalb eines Jahres Kokain konsumiert. Das entspricht knapp 60’000 Personen.
Fachleute gehen jedoch davon aus, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher liegt.
Darauf deuten unter anderem:
- Abwasseranalysen
- Behandlungsdaten aus Suchteinrichtungen
- Spitaleinweisungen
- Polizeiliche Erkenntnisse
hin.
Seit den frühen 2000er-Jahren steigt der Konsum kontinuierlich an. Besonders stark hat sich die Entwicklung seit etwa 2015 beschleunigt.
Kokain wird zunehmend im Arbeitsalltag konsumiert
Die Analyse von Sucht Schweiz zeigt ein Bild, das viele überraschen dürfte.
Kokain wird nicht ausschliesslich an Wochenenden oder in Clubs konsumiert. Ein erheblicher Teil des Konsums findet offenbar während der Arbeitswoche statt.
In einigen Branchen wird die Droge laut Forschungsarbeiten teilweise gezielt eingesetzt, um:
- Müdigkeit zu unterdrücken
- Leistungsfähigkeit zu steigern
- Selbstvertrauen zu erhöhen
- Lange Arbeitszeiten durchzuhalten
Diese Branchen gelten als besonders gefährdet
Besonders auffällig sind laut Bericht drei Bereiche:
Gastronomie
Lange Schichten, Nachtarbeit und hoher Stress gelten als Risikofaktoren.
Baugewerbe
Körperlich anspruchsvolle Arbeit, hoher Zeitdruck und ein überdurchschnittlich hoher Männeranteil könnten den Konsum begünstigen.
Kunst- und Unterhaltungsbranche
Unregelmässige Arbeitszeiten, Leistungsdruck und soziale Dynamiken spielen hier häufig eine Rolle.
Experten betonen jedoch, dass nicht alle Beschäftigten dieser Branchen betroffen sind. Die Analyse weist lediglich auf erhöhte Risikofaktoren hin.
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Junge Männer besonders häufig betroffen
Die Untersuchung zeigt ausserdem, dass vor allem Männer zwischen 18 und 34 Jahren Kokain konsumieren.
Viele Konsumierende:
- sind berufstätig
- verfügen über eine gute Ausbildung
- gelten als sozial integriert
- führen nach aussen ein unauffälliges Leben
Genau darin sehen Fachpersonen eine besondere Herausforderung.
Problematischer Konsum entwickelt sich oft schleichend und bleibt lange unbemerkt.
Warum Kokain besonders gefährlich werden kann
Viele Konsumierende unterschätzen die Risiken.
Zu den möglichen Folgen gehören:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Schlafstörungen
- Angstzustände
- Depressionen
- Abhängigkeit
- soziale und berufliche Probleme
Der Übergang vom gelegentlichen Konsum zur Abhängigkeit erfolgt häufig schrittweise.
Hilfe wird deshalb oft erst gesucht, wenn bereits erhebliche Probleme entstanden sind.
Fachleute fordern neue Präventionsstrategien
Frank Zobel, Vizedirektor von Sucht Schweiz, sieht Handlungsbedarf:
«Kokainkonsum in der Schweiz ist ein wachsendes und vielschichtiges Phänomen, das sowohl Freizeit- als auch Arbeitskontexte umfasst.»
Die bisherigen Präventionsangebote würden viele erwerbstätige Personen mit beginnendem problematischem Konsum nur unzureichend erreichen.
Deshalb empfehlen die Autoren des Berichts:
- gezielte Präventionsprogramme am Arbeitsplatz
- Sensibilisierung in Risikobranchen
- frühzeitige Beratungsmöglichkeiten
- niederschwellige Unterstützungsangebote
Die neue Analyse macht deutlich: Kokainkonsum betrifft längst nicht mehr nur die klassische Partyszene.
Besonders in Berufsbereichen mit hohem Leistungsdruck, langen Arbeitszeiten und belastenden Arbeitsbedingungen könnten die Risiken steigen.
Fachleute fordern deshalb gezielte Präventionsmassnahmen, um problematischen Konsum frühzeitig zu erkennen und Betroffene besser zu erreichen.






