Die Diskussion um neue Kernkraftwerke in der Schweiz nimmt Fahrt auf. Laut dem Wirtschaftsdachverband Economiesuisse wären die staatlichen Beiträge für neue AKW finanziell vergleichbar mit den Förderkosten für erneuerbare Energien.
Die Berechnungen sind jedoch umstritten.
Ohne staatliche Unterstützung keine neuen AKW
Sowohl der Energiekonzern Axpo als auch die ETH Zürich kommen in aktuellen Analysen zum Schluss, dass neue Kernkraftwerke ohne staatliche Unterstützung kaum realisierbar wären.
Grund dafür sind vor allem die hohen Baukosten. Aktuelle Schätzungen gehen von rund 12 Milliarden Franken pro Reaktor aus. Der Staat müsste unter anderem mit Garantien die Finanzierung ermöglichen und Risiken absichern.
Economiesuisse vergleicht Förderkosten
Economiesuisse kommt in einer eigenen Analyse zum Schluss, dass die Kosten für die öffentliche Hand bei neuen AKW ungefähr auf dem Niveau von Förderbeiträgen für Wasser-, Solar- und Windenergie liegen könnten.
Der Verband berücksichtigt dabei unter anderem mögliche Risikogarantien sowie Versicherungskosten für schwere Unfälle.
Bei den Unfallrisiken argumentiert Economiesuisse, diese seien aufgrund moderner Sicherheitsstandards praktisch vernachlässigbar.
🚨 Breaking News direkt aufs Smartphone
Verpasse keine Eilmeldung mehr – jetzt den imTicker WhatsApp-Kanal abonnieren:
👉 imTicker auf WhatsApp abonnieren
Kritik von AKW-Gegnern
Die Schweizerische Energiestiftung kritisiert die Berechnungen als schwer nachvollziehbar. Die Organisation wirft Economiesuisse vor, bei erneuerbaren Energien ungünstige Vergleichswerte zu verwenden und bei Kernkraftwerken von zu optimistischen Annahmen auszugehen.
Insbesondere die Erfahrungen aus Frankreich und Finnland würden zeigen, dass AKW-Projekte häufig mit längeren Bauzeiten und höheren Kosten verbunden seien.
ETH Zürich hält Berechnungen für schwierig
Die ETH Zürich äussert sich nicht direkt zur Analyse von Economiesuisse. In ihrer eigenen Studie stellte sie jedoch fest, dass neue Kernkraftwerke ohne staatliche Unterstützung nicht möglich seien.
Wie hoch eine solche Unterstützung ab 2050 ausfallen müsste, liess die ETH bewusst offen. Die Datenlage sei für eine genaue Berechnung noch zu unsicher.
Abstimmung über AKW-Verbot rückt näher
Der Streit um Zahlen ist auch Teil der politischen Debatte über die Aufhebung des Schweizer AKW-Neubauverbots.
Neue Kernkraftwerke könnten frühestens ab 2050 in Betrieb gehen. Bis dahin könnten sich die Kosten und Technologien stark verändern. Während erneuerbare Energien günstiger und leistungsfähiger werden, bleibt die Rolle der Kernkraft umstritten.
Einig sind sich viele Experten darin, dass die Schweiz künftig stärker vom europäischen Strommarkt und vom Austausch mit den Nachbarländern abhängig sein wird. Auch darüber wird das Stimmvolk entscheiden können.






