Wer übermüdet ist, merkt es oft selbst – doch bislang liess sich Schlafmangel nicht objektiv nachweisen.
Das könnte sich nun ändern: Ein Forschungsteam der Universität Zürich hat erstmals Biomarker im Speichel identifiziert, die akuten Schlafentzug zuverlässig anzeigen. Die Entdeckung könnte künftig Leben retten.
Ein einfacher Speicheltest statt Vermutung
Müdigkeit gehört für viele Menschen zum Alltag. Doch wie stark jemand tatsächlich übermüdet ist, liess sich bisher nicht direkt in Körperflüssigkeiten messen.
Genau hier setzt die neue Studie der Universität Zürich an. Die Forschenden konnten zeigen, dass bereits eine einzige Speichelprobe ausreicht, um akuten Schlafentzug nachzuweisen.
«Unsere Studie liefert die ersten direkten Biomarker für Schlafmangel im Speichel unter alltagsnahen Bedingungen», erklärt Thomas Krämer, Professor für Forensische Pharmakologie und Toxikologie an der Universität Zürich.
Zehn Biomarker verraten starke Übermüdung
Für die Untersuchung wurden 20 gesunde junge Männer getestet, die normalerweise sieben bis neun Stunden pro Nacht schlafen.
Die Teilnehmenden durchliefen drei verschiedene Szenarien:
- eine Nacht ohne Schlaf,
- vier Nächte mit reduziertem Schlaf,
- eine Kontrollphase mit ausreichend Schlaf.
Anschliessend analysierten die Forschenden die Speichelproben mithilfe hochauflösender Massenspektrometrie und Verfahren des maschinellen Lernens.
Das Ergebnis: Zehn Biomarker konnten eindeutig mit akuter Übermüdung in Verbindung gebracht werden.
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Sicherheit im Strassenverkehr könnte profitieren
Die Forschenden sehen grosses Potenzial für die Praxis.
Ein Schnelltest könnte künftig dabei helfen,
- übermüdete Autofahrer zu erkennen,
- Risiken in sicherheitskritischen Berufen zu reduzieren,
- Schichtarbeitende besser zu schützen,
- objektive Entscheidungen in der Forensik zu ermöglichen.
Der nächste Schritt: Test unter realen Bedingungen
Die Methode soll nun in einer internationalen Feldstudie überprüft werden.
Dabei untersuchen die Wissenschaftler, ob die Biomarker auch unter unterschiedlichen Bedingungen zuverlässig funktionieren – etwa bei Schichtarbeit oder unter dem Einfluss von Alkohol und Medikamenten.
Die Zürcher Studie könnte einen Wendepunkt in der Schlaf- und Sicherheitsforschung markieren.
Wenn sich die Ergebnisse bestätigen, könnte ein einfacher Speicheltest künftig dabei helfen, Übermüdung objektiv festzustellen – ähnlich wie heute Alkoholtests.
Gerade im Strassenverkehr und in Berufen mit hoher Verantwortung wäre das ein bedeutender Fortschritt.






