Die Schweiz hat eine neue Einkaufsmöglichkeit. Seit dem 2. Juli 2026 ist die erste Migros der Schweiz rund um die Uhr geöffnet – in Herisau AR. Nach 19 Uhr gehen die Angestellten nach Hause. Der Laden bleibt offen. Zutritt per QR-Code, Bezahlung am Self-Checkout, Überwachung durch Kameras und Sensoren. Und die Frage, die alle beschäftigt: Klappt das?
Das Wichtigste in Kürze
- Migros Herisau AR ist seit 2. Juli die erste 24-Stunden-Filiale der Schweiz.
- Bis 19 Uhr: normaler Betrieb mit Personal.
- Ab 19 Uhr: Selbstbedienungsmodus, Zutritt per QR-Code via Smartphone.
- Bezahlung ausschliesslich am Self-Checkout – kein Personal anwesend.
- 7’000 Artikel auf 295 Quadratmetern verfügbar.
- Vollständige Video- und Sensorüberwachung rund um die Uhr.
- Coop: «Das ist für uns kein Thema.»
- Gewerkschaft warnt vor Auswirkungen auf Arbeitsbedingungen.
So funktioniert die Migros-Nacht
Der Laden ist eine gewöhnliche Migros-Filiale, in der bis zum normalen Ladenschluss um 19 Uhr Personal arbeitet. Danach wechselt sie automatisch in einen Selbstbedienungsmodus.
Die Kunden müssen einen QR-Code mit dem Smartphone scannen und erhalten dann einen Code, mit dem sie Zutritt zum Geschäft bekommen. Sie können ihre Einkäufe an den Self-Checkout-Kassen bezahlen. Wer kein Smartphone hat: Pech gehabt – der Zutritt funktioniert ausschliesslich digital.
Zur Sicherheit ist der Markt video- und sensorüberwacht. Das System soll erkennen und alarmieren, wenn jemand im Ladenlokal ein medizinisches Problem erleidet oder verunfallt. Eine Notrufzentrale ist rund um die Uhr erreichbar und kann über Lautsprecher Kontakt mit den Kunden aufnehmen.
Warum ausgerechnet Herisau?
Das Geschäft sei modern, gut erreichbar und spreche unterschiedliche Kundengruppen an – Einheimische wie Touristen auf dem Weg in den Alpstein. So könnte man Erfahrungen sammeln, ohne dass die Rahmenbedingungen einer Grossstadt das Projekt beeinflussen.
Damit meint die Migros auch die Probleme, die dem 24-Stunden-Shop von Spar in Zürich das Genick brachen: Diebstahl, Vandalismus, fehlende Rentabilität. Spar hat seinen ersten G024-Laden am Zürcher Sihlquai schon nach 14 Monaten wieder aufgegeben.
In der ruhigeren Kleinstadt Herisau mit 16’000 Einwohnern soll das Experiment besser gelingen.
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Was gibt es – und was nicht?
Die Filiale ist mit knapp 300 Quadratmetern eher klein. Rund 7’000 Artikel stehen zur Verfügung – das entspricht einem normalen Migros-Angebot.
Der Haken: Nachts sowie an Sonn- und Feiertagen dürfen die Regale gemäss Arbeitsgesetz nicht bewirtschaftet werden. Wer also um 3 Uhr morgens das letzte Mal Milch kauft – es gibt keine mehr bis morgen früh, wenn das Personal zurückkommt. Das Regal bleibt leer bis zum Morgen.
Was sagt die Konkurrenz?
Coop: «Das ist für uns kein Thema», sagte ein Sprecher auf Anfrage. Coop plant keine eigenen 24-Stunden-Filialen.
Avec/Valora betreibt bereits Rund-um-die-Uhr-Läden auf Raststätten – musste aber einzelne Filialen wegen Sicherheitsvorfällen in der Nacht schliessen.
Die Gewerkschaft warnt: 24-Stunden-Konzepte seien unnötig und benachteiligten kleinere Detailhändler, die solche Öffnungszeiten weder finanzieren könnten noch wollten.
Kommt das überall hin?
Weitere Filialen der Migros Ostschweiz sollen noch dieses Jahr folgen. Aber die Migros ist vorsichtig: Zuerst wird in Herisau ausgewertet, was funktioniert und was nicht.
Die grössten Risiken: Diebstahl ohne Personal, Vandalismus, Rentabilität im Nachtbetrieb und die Akzeptanz – viele Schweizer wollen lieber mit einer echten Person an der Kasse.
Fazit: Die Zukunft des Einkaufens – oder ein teures Experiment?
Die 24-Stunden-Migros in Herisau ist mehr als eine Filiale. Sie ist ein Test: Kann die Schweiz das, was in anderen Ländern längst Standard ist – Einkaufen ohne Öffnungszeiten, ohne Personal, ohne Ladenschluss?
Das Ergebnis wird die Detailhandelsbranche der ganzen Schweiz prägen. Um 19 Uhr geht das Personal nach Hause. Der Laden bleibt – und die Frage auch.






