In Miami setzen Bauträger bei Luxusimmobilien zunehmend auf alternative Verkehrswege. Helikopterlandeplätze auf Hochhausdächern, private Bootsanleger und Wassertaxis sollen vermögenden Bewohnern helfen, den chronisch überlasteten Strassen zu entkommen. Der Trend reicht inzwischen von Miami bis Palm Beach.
Luxuswohnungen mit direktem Zugang zu Luft und Wasser
Für den Parfümeur und Aromenentwickler Ravi Sanganeria war bei der Suche nach einer Wohnung in Miami nicht nur die Ausstattung entscheidend. Der 51-Jährige entschied sich für eine rund 3’000 Quadratfuss grosse Wohnung im geplanten Hochhaus «Villa Miami» an der Biscayne Bay – vor allem wegen des Helikopterlandeplatzes und des Bootsanlegers.
Sanganeria lebt hauptsächlich an verschiedenen Orten in Europa und ist beruflich auch in Florida unterwegs. Mit dem Helikopter könne er Geschäftsstandorte in Florida in 20 bis 30 Minuten erreichen, statt mehrere Stunden im Auto zu verbringen. Der Zugang zum Wasser soll zudem die Fahrt zu seinem Haus auf den Bahamas auf rund zwei Stunden mit dem Boot verkürzen.
Der Hintergrund ist der zunehmende Verkehr in der Metropole. Nach Angaben des Standorttechnologieunternehmens TomTom gehörte Miami 2025 zu den Städten mit dem höchsten Verkehrsaufkommen in den USA.
Helikopterlandeplätze werden zum Luxusmerkmal
Bauträger reagieren auf die Verkehrsprobleme mit sogenannten multimodalen Immobilienprojekten. Sie verbinden Wohnungen direkt mit Verkehrswegen über die Luft und das Wasser.
Helikopterlandeplätze am Boden sind in Miami unter anderem wegen hoher Grundstückspreise, Lärmschutzfragen und Einschränkungen im Luftraum schwierig umzusetzen. Deshalb entstehen Landeplätze zunehmend auf den Dächern von Hochhäusern.
Ein Vorreiter ist das «One Thousand Museum», ein von Zaha Hadid entworfenes Hochhaus, das 2019 eröffnet wurde. Der Helikopterlandeplatz wird dort durchschnittlich rund 60 Mal pro Jahr genutzt.
Laut Darren Rothell, Gründer des Charteranbieters Helijet Solutions und selbst Hubschrauberpilot, gehören kurze Flüge nach Palm Beach zu den häufigsten Verbindungen. Ein rund 25-minütiger Flug kann insbesondere während der Hauptverkehrszeit eine deutlich längere Autofahrt ersetzen.
Nach Angaben von Helijet haben die Helikopterflüge in Miami seit 2020 um rund 25 bis 30 Prozent zugenommen.
Auch Boote werden zum Verkehrsmittel
Nicht alle Luxusimmobilien setzen auf die Luft. Für immer mehr Käufer spielt auch der direkte Zugang zum Wasser eine zentrale Rolle.
Am Miami River entsteht beispielsweise ein neues Konzept rund um die geplanten «Faena Residences Miami». Vorgesehen sind private Bootsanleger, eine rund 100 Fuss lange Hausyacht mit Kapitän sowie Wassertaxis, die Bewohner zu Restaurants entlang des Flusses bringen sollen.
Der Unternehmer Christian Alexander hat mehrere Einheiten in dem Projekt erworben und plant, seine rund 88 Fuss lange Yacht dort anzulegen. Für ihn könnte das Boot künftig einen Teil der klassischen Mobilität mit dem Auto ersetzen.
Die Preise für die verschiedenen Wohnungstypen im Projekt beginnen laut den Angaben bei rund 6,999 Millionen Dollar.
Immer grössere Ansprüche an private Anlegestellen
Der Trend beschränkt sich nicht auf Hochhäuser. Auch bei Einfamilienhäusern am Wasser steigen die Anforderungen der Käufer.
Immobilienexperten beobachten, dass grössere Grundstücke mit längeren privaten Uferabschnitten und geeigneten Anlegestellen immer stärker gefragt sind. Während früher bereits rund 100 Fuss Wasserfront als besonders attraktiv galten, verlangen einige Käufer inzwischen mindestens 150 Fuss.
Bei besonders exklusiven Immobilien kommen auch private Yachthäfen und Helikopterlandeplätze hinzu. Ein Beispiel ist ein Anwesen in Key Biscayne, das für rund 237 Millionen Dollar angeboten wird. Auf dem Grundstück befindet sich unter anderem ein Yachthafen mit Platz für eine rund 200 Fuss lange Yacht sowie ein privater Helikopterlandeplatz.
Trend breitet sich bis Palm Beach aus
Die Entwicklung beschränkt sich nicht auf Miami. Immobilienexperten beobachten ähnliche Konzepte auch in Fort Lauderdale und Palm Beach.
Die Region zwischen Miami und Palm Beach entwickelt sich damit zunehmend zu einem zusammenhängenden Korridor, der über Strassen, Wasserwege und die Luft verbunden ist. Für sehr vermögende Käufer wird die Frage, wie schnell sie eine Immobilie erreichen oder wieder verlassen können, offenbar zu einem immer wichtigeren Bestandteil des Luxussegments.
Die One Thousand Group plant bereits, Dachflächen ihrer Projekte für elektrische Senkrechtstarter vorzubereiten. Künftige Lufttaxis, fliegende Fahrzeuge oder Drohnen könnten damit direkt an bestehenden Helikopterlandeplätzen ansetzen.






