Nach dem tödlichen Absturz eines Amazon-Frachtflugzeugs am Flughafen Miami stehen die Ermittler vor zahlreichen offenen Fragen. Fünf Menschen kamen ums Leben, als eine Boeing 767-300 bei der Landung über die Piste hinausschoss und schliesslich auf einem Parkplatz zum Stillstand kam. Nun sollen die Flugschreiber wichtige Hinweise zum Unfallhergang liefern.
Die Maschine war beim Landeanflug noch mit rund 200 Kilometern pro Stunde unterwegs, als die verfügbare Landebahn nicht mehr ausreichte. Das Flugzeug rutschte rund 400 Meter über eine Grasfläche, durchbrach mehrere Begrenzungszäune und überquerte eine vierspurige Strasse, bevor es auf einem Parkplatz zum Stehen kam.
Kurz darauf geriet das rechte Triebwerk in Brand. Einsatzkräfte waren schnell vor Ort und konnten die beiden Piloten aus dem Cockpit befreien. Für fünf Menschen kam jedoch jede Hilfe zu spät, fünf weitere Personen wurden verletzt.
Flugschreiber sollen entscheidende Hinweise liefern
Die Ermittler haben inzwischen die Flugschreiber der Boeing gesichert. Nach Angaben einer Vertreterin der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB sollten die Geräte noch am Montag zur Zentrale der Behörde gebracht und dort ausgelesen werden.
In den kommenden Tagen soll ein Team aus mehreren Dutzend Fachleuten die Unfallstelle untersuchen. Dabei geht es unter anderem um die Position des Flugzeugs beim Aufsetzen, die technischen Systeme der Maschine sowie die letzten Abläufe vor dem Unfall.
Laut GMX stehen für die Ermittler mehrere zentrale Fragen im Raum: Warum setzte die Boeing offenbar weit hinter dem vorgesehenen Aufsetzpunkt auf? Weshalb wurde trotz der Probleme kein Durchstartmanöver eingeleitet? Und welche Rolle spielte die Flugsicherung beim Unfall?
Der Frachter wurde im Auftrag von Amazon von der US-Gesellschaft 21 Air betrieben. An Bord befanden sich nach Angaben der NTSB zwei Crewmitglieder.
Miami-Unglück reiht sich in Serie ein
Der Unfall von Miami ist nicht der einzige schwere Zwischenfall in der US-Luftfahrt der vergangenen Zeit. Im Januar 2025 kollidierte nahe dem Hauptstadtflughafen von Washington D.C. ein Regionalflugzeug mit einem Militärhubschrauber. Alle 67 Menschen an Bord beider Maschinen kamen dabei ums Leben.
Auch die Flugsicherung geriet in den vergangenen Monaten mehrfach unter Druck. Am Flughafen Newark bei New York kam es zu erheblichen Problemen, bei denen Fluglotsen zeitweise weder Flugzeuge auf dem Radar erkennen noch mit ihnen per Funk kommunizieren konnten.
Im März 2026 kollidierte zudem am New Yorker Flughafen La Guardia ein Flugzeug von Air Canada Express mit einem Feuerwehrfahrzeug. Beide Piloten des Flugzeugs starben.
Der Luftfahrtexperte und frühere Boeing-Mitarbeiter Heinrich Grossbongardt bezeichnete die Häufung solcher Vorfälle als Warnzeichen. Gegenüber dem «Spiegel» erklärte er, das US-Luftverkehrssystem stehe unter erheblichem Stress. Unter anderem fehlten Fluglotsen, während Teile der technischen Infrastruktur veraltet seien.
NTSB sucht Videos von Augenzeugen
Die NTSB bittet Augenzeugen des Unfalls weiterhin darum, Fotos und Videos einzureichen. Solche Aufnahmen könnten dabei helfen, die letzten Sekunden des Landeanflugs und den anschliessenden Unfall möglichst genau zu rekonstruieren.
Die Behörde veröffentlichte zudem weitere Informationen zum Flug. Die Boeing absolvierte am Unfalltag bereits ihren dritten Flug. Sie war zunächst von Cincinnati nach Miami geflogen, anschliessend von Miami nach San Juan auf Puerto Rico und danach wieder zurück nach Florida.
Bei der Kollision auf dem Flughafengelände traf die Boeing einen Kleinbus. In dem Fahrzeug befanden sich sieben Menschen. Der Bus gehörte zu einer Reinigungsfirma, die für Fluggesellschaften tätig ist.
Anschliessend kollidierte das Flugzeug ausserhalb des Flughafengeländes noch mit einem Auto. Wie viele Menschen sich darin befanden, war zunächst nicht bekannt.
Flughafen nimmt Betrieb teilweise wieder auf
Nach dem Unfall war der Miami International Airport vorübergehend vollständig geschlossen worden. Am Montag konnten Teile des Flughafenbetriebs wieder aufgenommen werden, nachdem einige Start- und Landebahnen wieder freigegeben worden waren.
Miami gehört zu den bedeutendsten Verkehrsflughäfen der USA und ist zugleich ein wichtiges Reiseziel. Wegen eines Feiertags am Montag waren am Wochenende besonders viele Menschen unterwegs.
Die Ermittlungen zur Unfallursache dauern an. Erst die Auswertung der Flugschreiber, der technischen Untersuchungen und der Aufnahmen von Augenzeugen dürfte ein genaueres Bild davon liefern, weshalb die Boeing bei der Landung nicht rechtzeitig zum Stillstand kam.






