Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni steht vor einem historischen Meilenstein. Am 4. September 2026 wird ihre Regierung länger ununterbrochen im Amt sein als jedes andere Kabinett seit Gründung der italienischen Republik. Damit überholt ihre Mitte-rechts-Koalition den bisherigen Rekord von Silvio Berlusconi.
Meloni überholt Berlusconi
Als Giorgia Meloni im Oktober 2022 ihr Amt antrat, rechneten viele Beobachter mit einem schnellen Ende ihrer Regierung. Die Finanzlage Italiens und mögliche Konflikte innerhalb der Koalition galten als Risiken für die neue Regierung.
Doch die Koalition aus Fratelli d’Italia, Lega und Forza Italia blieb bislang bestehen. Wie GMX berichtet, erreicht Melonis Regierung am 4. September die Marke von 1413 Tagen ununterbrochener Amtszeit und übertrifft damit Berlusconis zweite Regierung, die von 2001 bis 2005 insgesamt 1412 Tage im Amt war.
Seit der Gründung der Republik 1946 hat Italien bereits 68 Regierungen erlebt. Im Durchschnitt blieben diese Kabinette nur rund 13 Monate im Amt. Melonis Regierung stellt damit eine für Italien ungewöhnliche politische Kontinuität dar.
Der Rekord bezieht sich allerdings auf die ununterbrochene Amtszeit eines einzelnen Kabinetts. Werden mehrere Regierungen desselben Ministerpräsidenten zusammengerechnet, liegt Berlusconi weiterhin deutlich vorne. Er war insgesamt mehr als neun Jahre italienischer Regierungschef.
Von der Aussenseiterin zur wichtigen EU-Partnerin
Meloni und ihre Partei Fratelli d’Italia sehen die lange Regierungszeit als politischen Erfolg. In aktuellen Umfragen liegt die Partei mit rund 27 Prozent weiterhin an der Spitze des italienischen Parteienspektrums.
Vor der Wahl 2022 war Meloni international deutlich kritischer beurteilt worden. Dabei wurde auch die Geschichte ihrer Partei thematisiert. Die Fratelli d’Italia stehen in der politischen Tradition des Movimento Sociale Italiano (MSI), das 1946 von ehemaligen Anhängern des faschistischen Diktators Benito Mussolini gegründet wurde.
Meloni selbst wurde vor ihrem Amtsantritt teilweise als Postfaschistin bezeichnet. Auch innerhalb der Europäischen Union gab es Sorgen über einen möglichen politischen Rechtsruck in Italien.
Seit ihrem Amtsantritt verfolgt die Ministerpräsidentin jedoch einen pragmatischeren Kurs. Auf europäischer Ebene gilt ihre Regierung inzwischen als verlässlicher Partner. Besonders bei der Unterstützung der Ukraine positioniert sich Rom klar an der Seite Kiews.
Mehrere Regierungschefs überlebt
Die politische Stabilität unter Meloni wird besonders deutlich im Vergleich mit anderen europäischen Staaten. Seit ihrem Amtsantritt haben fünf französische und vier britische Premierminister sowie zwei deutsche Bundeskanzler ihr Amt angetreten beziehungsweise verlassen.
Auch innerhalb Italiens ist die Entwicklung ungewöhnlich. Das Land galt lange als Beispiel für häufige Regierungswechsel und kurzlebige Kabinette. Meloni hat diese politische Tradition bislang durchbrochen.
Ihre Koalition ist allerdings nicht frei von Konflikten. Besonders zwischen Lega und Forza Italia kommt es immer wieder zu politischen Differenzen. Trotzdem konnte Meloni ihre Regierung bisher zusammenhalten.
Erste Rückschläge für die Regierung
Kurz vor dem historischen Rekord steht Meloni allerdings unter stärkerem politischen Druck. Auch ihr Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump, mit dem sie lange als eng verbunden galt, wurde zuletzt belastet. Beide gerieten öffentlich in politische Auseinandersetzungen.
Innenpolitisch musste Meloni ebenfalls Niederlagen hinnehmen. Im März scheiterte ein von ihr unterstütztes Referendum zur Justizreform. Wenige Monate später verlor ihre Regierung zudem eine Abstimmung im Parlament über eine von ihr vorangetriebene Wahlrechtsreform.
Damit zeigen sich erste Risse in der bisher stabilen Regierungsbilanz. Noch gibt es jedoch keine Anzeichen dafür, dass die Koalition unmittelbar vor dem Ende steht.
Konkurrenz von rechts
Zusätzlichen Druck erzeugt der frühere General Roberto Vannacci. Mit seiner Partei Futuro Nazionale versucht er, Wähler aus dem rechten Lager für sich zu gewinnen.
Vannacci ist wegen früherer kontroverser Äusserungen über Minderheiten und gesellschaftliche Gruppen umstritten. Seine Partei erreicht in Umfragen derzeit rund sieben Prozent und könnte bei künftigen Wahlen zu einem wichtigen Faktor innerhalb des rechten Spektrums werden.
Meloni versucht deshalb weiterhin, insbesondere beim Thema Migration ihr konservatives Profil zu schärfen. Die Ankunft zahlreicher Migranten in der spanischen Exklave Ceuta im August nutzte sie unter anderem, um strengere Grenzkontrollen zu fordern.
Kritiker sehen darin auch eine Reaktion auf die Konkurrenz von rechts. Die jüngsten politischen Auseinandersetzungen zeigen, dass Melonis lange Amtszeit zwar historisch ist, die Stabilität ihrer Koalition aber weiterhin von politischen Entwicklungen abhängt.
Nächster Rekord bereits in Sicht
Meloni kann am 4. September den Rekord für die längste ununterbrochene Amtszeit eines italienischen Kabinetts seit 1946 übernehmen. Ihr nächstes Ziel ist bereits anspruchsvoller.
Hält ihre Koalition bis zur für 2027 geplanten Parlamentswahl durch, könnte Meloni als erste Regierungschefin der italienischen Republik eine vollständige Legislaturperiode ohne Regierungswechsel absolvieren.
Damit würde sie ihre Position als eine der prägendsten Regierungschefinnen der jüngeren italienischen Geschichte weiter festigen. Ob die Koalition auch die aktuellen Spannungen und die Konkurrenz von rechts übersteht, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.






