Die Liquidation der MBaer Merchant Bank zieht sich seit Monaten hin. Nach Angaben von finews waren zuletzt erst rund 30 Millionen Franken von etwa 5 Milliarden Franken Kundenvermögen ausbezahlt. Die Finma und die eingesetzten Liquidatoren äussern sich nicht zum konkreten Stand. Für die rund 700 Kunden bleibt damit ein grosser Teil ihres Vermögens blockiert.
Der Fall der MBaer Merchant Bank ist aussergewöhnlich. Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) entzog dem Institut am 6. Februar 2026 die Bankbewilligung. Anders als bei einem Konkurs wurde anschliessend jedoch eine Liquidation nach den Regeln des Obligationenrechts (OR) angeordnet.
Die Bank hatte zunächst Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht. Das Gericht erteilte der Beschwerde in einem Zwischenentscheid aufschiebende Wirkung, sodass MBaer vorerst weiter operieren konnte. Ende Februar wurde dieser juristische Widerstand jedoch durch eine Massnahme der US-Behörden beendet.
Ein vergleichbarer Fall ist in der jüngeren Schweizer Bankengeschichte kaum zu finden. 2024 entzog die Finma der Genfer FlowBank die Bewilligung; noch während des Beschwerdeverfahrens geriet das Institut wegen fehlender Eigenmittel in Konkurs. Der letzte vergleichbare Lizenzentzug mit anschliessender ordentlicher Liquidation liegt deutlich weiter zurück.
Liquidation ohne Konkursverfahren
Die Finma bestätigt, dass es sich bei MBaer ausdrücklich um eine Liquidation nach dem Obligationenrecht und nicht um ein Konkursverfahren handelt. Als Liquidatoren wurden Daniel Staehelin als Mandatsleiter und Lukas Bopp eingesetzt. Beide arbeiten bei Kellerhals Carrard.
Damit befinden sich die Beteiligten in einem ungewöhnlichen Verfahren. Anders als bei einem Konkurs ist die Bank nicht aufgrund einer objektiven Zahlungsunfähigkeit abgewickelt worden. Nach den vorliegenden Angaben verfügte MBaer beim Entzug der Bewilligung noch über rund 70 Millionen Franken Eigenkapital.
Trotzdem kommt die Auszahlung der Kundengelder nur langsam voran. Nach Informationen von finews waren noch vor wenigen Wochen von den insgesamt rund 5 Milliarden Franken Kundenvermögen lediglich etwa 30 Millionen Franken ausbezahlt. Die Angaben sind von der Finma und dem Liquidator nicht bestätigt worden.
Liquidator Daniel Staehelin wollte gegenüber finews keine Angaben zum Stand des Verfahrens machen und verwies auf die Finma. Diese wiederum erklärte, sie äussere sich grundsätzlich nicht zum Stand einzelner von ihr angeordneter Liquidationen.
Zahlungsverkehr erschwerte Auszahlungen
Ein wesentliches praktisches Problem entstand nach dem Bewilligungsentzug beim Zahlungsverkehr. Mit dem Verlust der Banklizenz fällt grundsätzlich auch der direkte Zugang zum Schweizer Interbank-Zahlungssystem SIC weg. Das von SIX im Auftrag der Schweizerischen Nationalbank betriebene System ermöglicht den Zahlungsverkehr in Franken.
Gemäss den öffentlich zugänglichen Mutationsdaten des Schweizer Bankenstamms verlor MBaer den SIC-Zugang formell am 20. März 2026. Das geschah damit mehr als drei Wochen nach dem rechtskräftigen Entzug der Bankbewilligung.
Warum der Zugang genau zu diesem Zeitpunkt entfernt wurde, ist öffentlich nicht geklärt. Sowohl SIX als auch die Schweizerische Nationalbank äusserten sich gegenüber finews nicht zum konkreten Fall.
Erst am 22. Mai 2026 teilten die Liquidatoren mit, eine Lösung für Auszahlungen gefunden zu haben. Diese sollte Überweisungen in Franken, Pfund, Euro und VAE-Dirham in verschiedene Länder ermöglichen. Welche Korrespondenzbanken dafür eingesetzt werden, wurde nicht öffentlich gemacht.
KYC-Prüfungen bremsen Auszahlungen
Nach Angaben auf der Website von MBaer müssen Auszahlungen einer doppelten Know-your-Customer-Prüfung (KYC) unterzogen werden. Zunächst prüft das verbliebene Compliance-Team der Bank die Kundendossiers, anschliessend erfolgt eine weitere Prüfung durch das Compliance-Team der Liquidatoren.
Diese Vorgehensweise wirft Fragen zur Dauer und zur Wirtschaftlichkeit des Verfahrens auf. Besonders relevant ist dabei, dass die Kundendossiers bereits vor der Liquidation im Rahmen eines von der Finma begleiteten Bereinigungsprozesses umfassend überprüft worden sein sollen.
Nach den Informationen von finews verliessen damals rund 30 Prozent der Kundschaft die Bank. Eine offizielle Bestätigung sämtlicher Angaben liegt nicht vor.
Auch die Zahl der mit dem Mandat befassten Anwälte ist nicht offiziell bestätigt. Finews berichtet von rund zwölf Anwälten von Kellerhals Carrard, die an der Liquidation arbeiten sollen.
Fragen zu Effizienz und Kosten
Die lange Dauer der Auszahlungen wirft damit auch Fragen zur Effizienz des Verfahrens auf. Die Finma weist allerdings die Unterstellung zurück, dass ein Liquidator aufgrund einer aufwandabhängigen Entschädigung einen Anreiz habe, ein Verfahren unnötig zu verlängern oder zu verkomplizieren.
Für Beauftragte der Finma gelten nach Angaben der Aufsichtsbehörde Anforderungen an eine zielgerichtete und kosteneffiziente Mandatsführung. Leistungen müssten auf Wirtschaftlichkeit, Angemessenheit und Verhältnismässigkeit geprüft werden.
Nach Informationen von finews soll für das Mandat der Liquidatoren bei einer geschätzten Verfahrensdauer von rund zehn Jahren ein Gesamthonorar von etwa 11 Millionen Franken budgetiert sein. Die Finma wollte diese Zahl weder bestätigen noch dementieren.
Gemessen am Eigenkapital der Bank von rund 70 Millionen Franken wäre ein solches Honorar erheblich. Allerdings handelt es sich dabei um eine nicht bestätigte Angabe und nicht um eine bereits ausgewiesene definitive Kostenbelastung.
Auch Aktionäre stellen Fragen
Kritik kommt inzwischen auch von Aktionärsseite. Mehrere Aktionäre äusserten gegenüber finews Unzufriedenheit darüber, dass nach ihrem Kenntnisstand weder eine Liquidationseröffnungsbilanz erstellt noch eine Generalversammlung einberufen worden sei.
Die Finma sieht in ihrer Wegleitung für Beauftragte grundsätzlich vor, dass eine Eröffnungsbilanz innert vier Wochen nach Anordnung der Liquidation erstellt wird. Gleichzeitig weist die Aufsichtsbehörde darauf hin, dass im Einzelfall abweichende schriftliche Weisungen möglich seien.
Ob und in welcher Form solche Weisungen im Fall MBaer erlassen wurden, ist öffentlich nicht bekannt. Die Finma verweist bei Fragen zum konkreten Aufsichtsverhältnis auf die Vertraulichkeit.
Für die rund 700 Kunden bleibt damit vor allem eine Frage offen: Wann können sie wieder über den Grossteil ihrer Guthaben verfügen? Nach den bislang bekannten Zahlen ist sechs Monate nach dem Lizenzentzug erst ein kleiner Teil der Kundengelder ausbezahlt. Wie lange die Liquidation insgesamt dauern und welche Kosten sie verursachen wird, ist derzeit nicht absehbar.
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