Der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli wird für das Geschäftsjahr 2026 vorsichtiger. Das Unternehmen senkt seine Prognose für das organische Umsatzwachstum von bisher 4 bis 6 Prozent auf nur noch 0 bis 2 Prozent. Preissensible Konsumenten und der aussergewöhnlich heisse Sommer in Europa belasten die Nachfrage.
Der traditionsreiche Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli korrigiert seine Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr deutlich nach unten.
Statt eines organischen Umsatzwachstums von 4 bis 6 Prozent erwartet das Unternehmen für 2026 nur noch ein Wachstum zwischen 0 und 2 Prozent.
Damit verschlechtert sich der kurzfristige Ausblick erheblich. Noch bei der Vorlage der Halbjahreszahlen im Juli hatte Lindt & Sprüngli die bisherige Jahresprognose bestätigt.
Konsumenten reagieren empfindlicher auf hohe Preise
Eine zentrale Herausforderung sind die Preise.
Lindt & Sprüngli hatte in den vergangenen Jahren erhebliche Kostensteigerungen beim Kakao durch höhere Verkaufspreise kompensiert. Im ersten Halbjahr 2026 lagen die gruppenweiten Preiserhöhungen bei 11,8 Prozent.
Die Auswirkungen auf die Nachfrage waren bereits damals deutlich sichtbar: Der sogenannte Volumen-/Mix-Effekt ging im ersten Halbjahr um 7,5 Prozent zurück.
Vor allem in etablierten europäischen Märkten reagieren Konsumenten zunehmend empfindlich auf die gestiegenen Schokoladenpreise.
Deutschland, die Schweiz und Grossbritannien gehörten bereits im ersten Halbjahr zu den Märkten, in denen sich diese Preissensibilität bemerkbar machte.
Heisser Sommer bremst Schokoladenverkauf
Hinzu kam der aussergewöhnlich heisse Sommer in Europa.
Hohe Temperaturen sind für Schokoladenhersteller traditionell problematisch, weil Verbraucher bei grosser Hitze weniger Schokolade kaufen und häufiger zu anderen Produkten greifen.
Der Sommer 2026 war beispielsweise in der Schweiz der heisseste seit Beginn der Messungen. Zahlreiche Wetterstationen registrierten neue Temperaturrekorde.
Die Kombination aus hohen Preisen und extremen Temperaturen hat die Nachfrage stärker belastet als von Lindt & Sprüngli ursprünglich erwartet.
Europa bereits im ersten Halbjahr schwach
Dass sich Probleme abzeichneten, war bereits in den Halbjahreszahlen erkennbar.
Lindt & Sprüngli erzielte im ersten Halbjahr 2026 zwar ein organisches Umsatzwachstum von 4,3 Prozent auf CHF 2,33 Milliarden.
Regional entwickelten sich die Geschäfte allerdings sehr unterschiedlich.
Während Nordamerika ein starkes organisches Wachstum von 12,7 Prozent erreichte, sank der organische Umsatz in Europa um 2,1 Prozent.
Neben höheren Preisen belasteten eine gedämpfte Konsumentenstimmung, ein schwächeres Ostergeschäft sowie geringere Touristenströme das Europageschäft.
Margenziele bleiben bestehen
Trotz der deutlichen Senkung der Umsatzprognose hält Lindt & Sprüngli an seinen Profitabilitätszielen fest.
Auch die mittel- und langfristigen Wachstumsziele bleiben unverändert.
Das ist für Anleger eine wichtige Unterscheidung: Das Unternehmen erwartet derzeit eine deutlich schwächere Umsatzentwicklung, sieht seine längerfristige Strategie jedoch nicht grundsätzlich gefährdet.
Lindt & Sprüngli hatte für die Jahre ab 2027 ein durchschnittliches organisches Umsatzwachstum von 6 bis 8 Prozent sowie eine jährliche Verbesserung der operativen Marge um 20 bis 40 Basispunkte als strategisches Ziel formuliert.
Sinkende Kakaopreise könnten 2027 helfen
Entlastung könnte von den Rohstoffmärkten kommen.
Nach den extrem hohen Kakaopreisen der vergangenen Jahre haben sich die Preise inzwischen teilweise wieder abgeschwächt. Niedrigere Rohstoffkosten könnten Lindt & Sprüngli künftig mehr Spielraum bei der Preisgestaltung verschaffen.
Gleichzeitig muss der Konzern jedoch verhindern, dass Verbraucher dauerhaft auf günstigere Alternativen ausweichen.
Gerade im Premiumsegment ist das eine Gratwanderung: Lindt lebt von seiner starken Marke und höheren Verkaufspreisen – gleichzeitig haben auch Premiumkunden Grenzen bei ihrer Zahlungsbereitschaft.
Vom Rekordwachstum zur Wachstumsbremse
Der Kontrast zum vergangenen Geschäftsjahr ist erheblich.
2025 erzielte Lindt & Sprüngli noch ein organisches Wachstum von 12,4 Prozent und einen Gruppenumsatz von CHF 5,92 Milliarden.
Der operative Gewinn EBIT stieg damals auf CHF 971 Millionen, während die EBIT-Marge 16,4 Prozent erreichte.
Für 2026 zeigt sich nun ein deutlich anderes Bild.
Die Senkung der Umsatzprognose auf lediglich 0 bis 2 Prozent macht deutlich, wie stark selbst ein weltweit etablierter Premiumhersteller von Kaufkraft, Preisentwicklung und Konsumverhalten abhängig bleibt.
Für Lindt & Sprüngli dürfte deshalb vor allem entscheidend sein, ob sich die Absatzmengen nach dem schwierigen Sommer wieder stabilisieren und niedrigere Kakaopreise dem Unternehmen 2027 neuen Spielraum verschaffen.
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