Nach zwei Jahren ohne feste Stelle verliert René Lang bald den Anspruch auf Arbeitslosengeld. Sein Fall zeigt, wie schwierig der Wiedereinstieg für ältere Stellensuchende sein kann.
Hunderte Bewerbungen – kaum Chancen auf ein Gespräch
150 bis 200 schriftliche Bewerbungen und rund 100 Telefonate: Der 57-jährige René Lang aus Kriens hat in den vergangenen zwei Jahren vieles versucht, um wieder eine Arbeitsstelle zu finden.
Trotz seiner Erfahrung im Kundenservice und in der Distribution erhielt er auf die meisten Bewerbungen eine Absage. «99 Prozent» seien direkt abgelehnt worden, sagt Lang. Besonders belastend sei, dass er kaum die Möglichkeit bekomme, sich persönlich vorzustellen.
«Braucht es mich denn nicht?», fragt sich der zweifache Vater. Gleichzeitig sei ihm bewusst, dass seine Erfahrung weiterhin wertvoll sei. Doch die vielen Absagen würden häufig ein anderes Signal vermitteln.
Alter und breite Erfahrung als mögliche Hindernisse
Lang vermutet, dass sein Alter und sein Profil als Generalist eine Rolle spielen. Viele Unternehmen suchten heute sehr spezifische Fachkräfte, während Personen mit breiter Berufserfahrung oft durch das Raster fallen würden.
Er habe sich nicht nur in seinen bisherigen Bereichen beworben, sondern auch neue Wege versucht. Dazu gehörten unter anderem Stellen in der Pflegeadministration oder als Personalberater beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV).
Inzwischen wäre er auch bereit, auf eine Führungsposition zu verzichten und flexibler bei der Berufswahl zu sein.
Jeden Monat verlieren Tausende den Anspruch auf Arbeitslosengeld
René Lang steht kurz vor der Aussteuerung. Jeden Monat verlieren in der Schweiz zwischen 2000 und 3000 Personen ihren Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung.
Für Claude Maurer, Chefökonom bei BAK Economics, ist dies auch volkswirtschaftlich relevant. Mit der Aussteuerung falle eine Person aus der Arbeitslosenversicherung und müsse im schlimmsten Fall auf Unterstützung durch die Sozialhilfe zurückgreifen.
Die Arbeitslosenversicherung funktioniert als Versicherungssystem: Wer Beiträge einzahlt, erhält bei Arbeitslosigkeit während einer bestimmten Zeit Unterstützung. Danach greift das zweite soziale Netz.
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RAV kämpfen gegen Langzeitarbeitslosigkeit
Die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) versuchen, Betroffene möglichst schnell wieder in den Arbeitsmarkt zu bringen.
Bei den RAV gibt es neben der Vermittlung von Stellen auch Unterstützung bei Weiterbildungen und Bewerbungen. Gleichzeitig erleben Beraterinnen und Berater unterschiedliche Situationen: Manche Stellensuchende bleiben optimistisch, andere reagieren mit Frustration oder Verzweiflung.
Robin Fritschi vom RAV Frauenfeld sagt, das Ziel sei klar: «Wir müssen die Leute wieder in den Arbeitsmarkt hineinbringen.»
Doch nicht immer gelingt dies. Gesundheitliche Probleme oder lange Phasen ohne Arbeit können den Wiedereinstieg zusätzlich erschweren.
Über 2500 Personen wurden zuletzt ausgesteuert
Laut Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) liegt das durchschnittliche Risiko einer Aussteuerung langfristig bei rund 1,3 Prozent.
Im April 2026 verloren 2569 Personen ihren Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung. Viele davon stehen danach vor der Herausforderung, über andere Wege wieder eine berufliche Perspektive zu finden.
Appell an Arbeitgeber: Mehr Offenheit gefragt
René Lang wünscht sich von Unternehmen mehr Offenheit gegenüber älteren Bewerberinnen und Bewerbern.
Gerade Personen über 50 Jahre oder Menschen mit nicht perfekt passenden Lebensläufen sollten seiner Meinung nach eine Chance erhalten. Entscheidend sei nicht nur der Lebenslauf, sondern auch die Erfahrung und die Motivation eines Menschen.
«Man sollte einfach den Menschen sehen», sagt Lang.
Sein Ziel bleibt klar: Noch vor der Aussteuerung eine neue Stelle finden und beweisen, dass seine Erfahrung weiterhin gefragt ist.






