Die US-Exportkontrollbehörde BIS untersucht die Kühne+Nagel-Tochter Apex Logistics wegen des Verdachts, an der Umgehung von Exportbeschränkungen für Nvidia-KI-Chips nach China beteiligt gewesen zu sein. Im Fokus stehen knapp 50 Lieferungen aus dem Jahr 2024. Apex kooperiert mit den Behörden, Kühne+Nagel selbst wurde nach eigenen Angaben nicht kontaktiert.
US-Behörden prüfen Lieferungen nach China
Die Ermittlungen richten sich gegen Apex Logistics mit Sitz in Singapur. Das Unternehmen soll möglicherweise KI-Systeme und Server transportiert haben, in denen Nvidia-Prozessoren verbaut waren. Nach Angaben von mit der Untersuchung vertrauten Personen geht es insbesondere um Systeme des US-Herstellers Super Micro Computer.
Die US-Behörden prüfen dabei, ob bestimmte Lieferungen gegen die amerikanischen Exportkontrollen verstossen haben. Washington hat den Export leistungsfähiger KI-Chips und entsprechender Hardware nach China seit 2022 zunehmend eingeschränkt, weil die Technologie unter anderem für militärische Anwendungen genutzt werden könnte.
Nach den bisher bekannten Informationen sollen die untersuchten Lieferungen aus dem Jahr 2024 stammen. Die Behörden prüfen dabei unter anderem Transportwege, über die Nvidia-bestückte Server von Taiwan über die USA und weitere asiatische Destinationen bis nach Hongkong und anschliessend nach China gelangt sein sollen.
Wie viele Nvidia-Chips tatsächlich betroffen sein könnten, ist derzeit nicht bekannt. Auch ist noch offen, ob Apex wissentlich an einer Umgehung der Exportvorschriften beteiligt war.
Apex und Kühne+Nagel bestätigen Untersuchung
Apex hat bestätigt, dass die US-Behörden eine Untersuchung zu einer begrenzten Zahl von Lieferungen aus dem Jahr 2024 führen. Das Unternehmen erklärte, vollumfänglich mit den zuständigen Behörden zu kooperieren und die Vorwürfe aufzuklären.
Auch Kühne+Nagel bestätigte die Untersuchung gegenüber der Nachrichtenagentur AWP. Der Schweizer Logistikkonzern erklärte, Apex kooperiere mit den Behörden. Gleichzeitig betonte Kühne+Nagel, selbst von den US-Behörden nicht kontaktiert worden zu sein. Der Konzern bezeichnete den Fall als Angelegenheit, die nicht Kühne+Nagel selbst betreffe.
Apex gehört vollständig zu Kühne+Nagel. Der Schweizer Logistikkonzern hatte zunächst im Mai 2021 eine Mehrheitsbeteiligung an dem Unternehmen erworben und im Oktober 2025 die restlichen Anteile übernommen.
Reputationsrisiko für Schweizer Logistikkonzern
Für Kühne+Nagel kommt die Untersuchung zu einem heiklen Zeitpunkt. Die USA gehen zunehmend gegen Lieferketten vor, über die leistungsfähige KI-Hardware trotz Exportbeschränkungen nach China gelangen könnte.
Sollten die US-Behörden Verstösse feststellen, könnten neben möglichen rechtlichen und finanziellen Konsequenzen auch die internen Kontrollprozesse von Logistikunternehmen stärker in den Fokus geraten. Zum jetzigen Zeitpunkt handelt es sich jedoch um eine laufende Untersuchung; ein Verstoss von Apex ist nicht festgestellt.
An der Schweizer Börse reagierte die Kühne+Nagel-Aktie am Donnerstag zeitweise mit Kursverlusten. Laut Finanzinformationen fiel der Titel zeitweise um knapp zwei Prozent.
Die Untersuchung ist zudem vor dem Hintergrund weiterer Fälle rund um den illegalen Transfer von KI-Hardware nach China zu sehen. Erst kürzlich wurden in Taiwan neun Personen wegen mutmasslicher illegaler Exporte von Nvidia-bestückten KI-Servern angeklagt.
Für Apex und Kühne+Nagel gilt damit weiterhin die Unschuldsvermutung. Ob die untersuchten Lieferungen tatsächlich gegen US-Exportkontrollen verstossen haben und welche Verantwortung dem Logistikdienstleister zukommt, müssen die laufenden Ermittlungen klären.





