Die finanzielle Belastung durch Krankenversicherungsprämien führt in der Schweiz zunehmend zu ernsthaften Schuldenproblemen. Laut rsi.ch machen offene Krankenkassenrechnungen bei Menschen in finanzieller Not inzwischen 15 % der gesamten Schulden aus – fast doppelt so viel wie noch 2015. Das zeigen aktuelle Daten von Dettes Conseils Suisse, einem nationalen Verband für Schuldenberatung.
Starker Anstieg seit 2015
Während der Anteil im vergangenen Jahr ähnlich hoch war, zeigt der langfristige Trend eine deutliche Verschärfung der Situation. Besonders auffällig: Steuerschulden liegen mit 27 % weiterhin an der Spitze, doch Krankenkassenprämien holen schnell auf.
Raphaël Mahaim, Präsident von Dettes Conseils Suisse und Nationalrat (Grüne/VD), erinnert an die ursprünglichen politischen Versprechen:
„In den 1990er-Jahren wurde versichert, die Krankenkassenprämien würden nie mehr als 10 % des Einkommens betragen. Heute können sie in gewissen Kantonen bis zu 20 % des Familienbudgets verschlingen – das ist absurd.“
Keine Verhandlung möglich – ein strukturelles Problem
Ein besonders grosser Nachteil für Betroffene: Schulden bei Krankenversicherungen sind nicht verhandelbar.
Kevin Vesin, Sozialarbeiter beim Protestantischen Sozialzentrum im Kanton Waadt, erklärt:
„Wenn ein grosser Teil der Schulden aus nicht verhandelbaren Krankenkassenbeiträgen besteht, wird die Lage schnell aussichtslos.“
Selbst Subventionen können das Problem häufig nur verzögert lindern. Gründe:
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lange Bearbeitungszeiten für Prämienverbilligungen
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Betroffene können kaum vorfinanzieren
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rasche Einleitung von Inkassoverfahren
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zusätzliche Gebühren verschärfen die Lage weiter
Viele Haushalte geraten dadurch in einen Teufelskreis aus offenen Rechnungen, Verzugszinsen und steigenden Gesamtschulden.
Ein wachsendes soziales Risiko
Für Fachleute ist klar: Die Explosion der Prämien und die fehlende Verhandelbarkeit der Schulden machen Krankenkassenrechnungen zu einem der wichtigsten Treiber für Verschuldung in der Schweiz. Ohne strukturelle Reformen droht dieses Problem weiter zuzunehmen – mit gravierenden Folgen für sozial schwächere Haushalte.










