Der Klimawandel könnte Naturgefahren künftig stärker miteinander verknüpfen und dadurch gefährliche Kettenreaktionen auslösen. Eine neue Studie zeigt am Beispiel der norwegischen Insel Jan Mayen, wie tauender Permafrost Hänge destabilisieren kann. Gleichzeitig zeigen neue Daten hohe CO₂-Emissionen von Plug-in-Hybriden, ungewöhnlich warme Meere und eine deutlich kleinere Weinernte in Frankreich.
Erdbeben kann durch Klimawandel Folgen verstärken
Am 10. März 2025 erschütterte ein Erdbeben der Magnitude 6,5 die Region rund um die norwegische Insel Jan Mayen. Wenige Minuten später löste sich am Vulkan Beerenberg eine grosse Felslawine und begrub Teile des Kjerulf-Gletschers. Am benachbarten Weyprecht-Gletscher brachen ebenfalls grössere Eismassen ab.
Forschende untersuchten daraufhin, weshalb das Erdbeben eine derart massive Hanginstabilität auslösen konnte. Für eine im Fachjournal «Proceedings of the National Academy of Sciences» veröffentlichte Studie werteten sie unter anderem seismische Messungen, Satellitenbilder, Infraschalldaten und Klimadaten aus.
Laut GMX zeigten Aufnahmen aus den Jahren vor dem Erdbeben bereits mehrere kleinere Hangabbrüche. Dies deutet darauf hin, dass der Hang schon vor dem Beben zunehmend instabil geworden war.
Als unmittelbarer Auslöser der Felslawine gilt das Erdbeben. Die langfristige Erwärmung der Erde könnte den Hang jedoch zusätzlich geschwächt haben. Durch das Auftauen von Permafrost kann Eis in Gesteinsspalten seine stabilisierende Wirkung verlieren. Dadurch können Erdbeben leichter schwere Hangrutsche auslösen.
Die Forschenden sehen darin ein Beispiel dafür, wie der Klimawandel bestehende Naturgefahren verstärken und miteinander verbinden kann.
Plug-in-Hybride verursachen mehr CO₂ als angegeben
Auch bei Plug-in-Hybriden gibt es neue Erkenntnisse zur tatsächlichen Klimabilanz. Eine Analyse des International Council on Clean Transportation (ICCT) zeigt, dass die Fahrzeuge im Alltag deutlich mehr CO₂ ausstossen als in den offiziellen Angaben ausgewiesen.
Für die Untersuchung wurden Verbrauchsdaten von rund 920’000 Plug-in-Hybriden ausgewertet, die zwischen 2021 und 2023 in Europa zugelassen wurden. Bei Fahrzeugen des Jahrgangs 2021 lagen die realen CO₂-Emissionen durchschnittlich 3,5-mal höher als die offiziellen Werte. Bei den 2023 zugelassenen Fahrzeugen betrug der Faktor sogar 4,6.
Ein wesentlicher Grund ist die tatsächliche Nutzung. Plug-in-Hybride werden im Alltag offenbar deutlich seltener elektrisch gefahren, als es die offiziellen Berechnungen voraussetzen.
Während das EU-Verfahren für 2022 von einem elektrischen Fahranteil von rund 80 Prozent ausging, hält das ICCT etwa 20 Prozent für realistischer. Trotz steigender elektrischer Reichweiten ging der reale elektrische Anteil zwischen 2021 und 2023 sogar zurück.
Die durchschnittlichen tatsächlichen Emissionen stiegen dadurch von 130 auf 134 Gramm CO₂ pro Kilometer. Die offiziellen Werte sanken dagegen von 37 auf 29 Gramm. Die EU plant für 2027 eine Anpassung der Berechnungsmethode.
Nord- und Ostsee ungewöhnlich warm
Der Rekordsommer 2026 hat auch die Temperaturen in Nord- und Ostsee deutlich beeinflusst. Nach Angaben des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) lagen die Oberflächentemperaturen zwischen Juni und August rund ein Grad über dem Mittel der Jahre 1997 bis 2021.
Die Nordsee erreichte im Durchschnitt 15,6 Grad. In der südlichen Nordsee und im Ärmelkanal lagen die Abweichungen regional sogar bei rund zwei Grad.
Rund um Helgoland wurden in diesem Jahr bereits 66 Tage mit marinen Hitzewellen registriert. Am 1. Juli lag die Wassertemperatur an der dortigen Messstation fast vier Grad über dem üblichen Wert für diesen Tag.
Auch die Ostsee war mit durchschnittlich 17,2 Grad ungewöhnlich warm. Besonders der Juni fiel auf: Die Temperaturen lagen fast drei Grad über dem langjährigen Mittel.
Die Erwärmung belastet die Meeresökosysteme. Arten können in kühlere Regionen ausweichen, während sich wärmeliebende und nicht heimische Arten ausbreiten. Zudem können hohe Wassertemperaturen Sauerstoffmangel und schädliche Algenblüten begünstigen.
Frankreich erwartet kleinste Weinernte seit Jahrzehnten
Auch die französische Landwirtschaft bekommt die Folgen der extremen Witterung zu spüren. Nach einer ersten Schätzung des französischen Landwirtschaftsministeriums dürfte die Weinproduktion 2026 bei knapp 34 Millionen Hektolitern liegen.
Das wären sechs Prozent weniger als im Vorjahr und 17 Prozent weniger als der Durchschnitt der Jahre 2021 bis 2025. Damit könnte Frankreich vor der kleinsten Weinernte seit rund 30 Jahren stehen.
Nach Angaben der staatlichen Statistikbehörde Agreste waren zunächst die Aussichten nach den Niederschlägen im Frühjahr gut. Die extreme Hitze und Trockenheit im Sommer liessen die Erwartungen jedoch deutlich sinken.
Die anhaltende Dürre trocknete die Böden aus, während hohe Temperaturen Blätter und Trauben schädigten. Besonders stark betroffen ist die Champagne. Dort könnte die Ernte gegenüber dem Vorjahr nahezu halbiert werden.
Für den Jura wird ein Rückgang von 37 Prozent erwartet, für Burgund-Beaujolais von rund einem Drittel. Allerdings sind die Prognosen noch mit Unsicherheiten verbunden, da die Weinlese vielerorts noch läuft.
Zusätzliche Probleme bereiten Waldbrände. Rauch kann die Trauben belasten und dadurch den Geschmack des später produzierten Weins beeinflussen.






