Alpen im Hitzeturbo – die Berge verändern sich rasant
In den Alpen schreitet der Klimawandel doppelt so schnell voran wie im globalen Durchschnitt.
Gletscher schmelzen, Permafrost taut, Steinschläge nehmen zu – und Forschende schlagen Alarm.
Das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos untersucht, wie der Wandel die Berge, Tiere und Menschen verändert – und was auf uns zukommt.
Forschung am Puls der Veränderung
Das SLF arbeitet an einem umfassenden Forschungsprogramm zu den Folgen des Klimawandels im Alpenraum.
Im Fokus stehen fünf zentrale Themen:
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Alpine Naturgefahren
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Permafrost und Schnee
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Biodiversität und Vegetation
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Tierwelt und Lebensräume
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Wärmere Berggewässer
Mehr Naturgefahren: Berge geraten in Bewegung
Der Permafrost taut, die Gesteinsschichten verlieren ihre Stabilität – und das hat Konsequenzen.
Laut einer internationalen Studie, koordiniert von SLF-Permafrost-Experte Samuel Weber und Glaziologin Mylène Jacquemart (ETH Zürich), nehmen Steinschläge, Murgänge und Bergstürze deutlich zu.
„Dieser Wandel stellt die Gesellschaft im Alpenraum vor grosse Herausforderungen“,
betonen die Forschenden.
Über 300 wissenschaftliche Arbeiten der letzten 30 Jahre bestätigen:
Der Alpenraum wird instabiler – die Gefahr wächst.

Permafrost taut – und die Berge bröckeln
In den letzten zehn Jahren sind die Permafrost-Temperaturen in zehn Metern Tiefe um über 1 °C gestiegen – das zeigen 64 Messreihen aus neun europäischen Ländern, von Spitzbergen bis zur Sierra Nevada.
Die SLF-Forscherin Jeannette Nötzli leitete die Studie, an der über 20 Expertinnen und Experten beteiligt waren.
Das Ergebnis ist eindeutig:
Der Permafrost in den Alpen taut – und Naturgefahren nehmen zu.

Schnee: Minus acht Zentimeter pro Jahrzehnt
Das Projekt SPASS zeigt alarmierende Daten:
In manchen Höhenlagen der Schweizer Alpen ist die durchschnittliche Schneehöhe zwischen November und April um bis zu acht Zentimeter pro Jahrzehnt gesunken.
„Wir sehen hier ganz klar die Folgen des Klimawandels“,
erklärt Christoph Marty, Klimatologe am SLF.
Weniger Schnee bedeutet weniger Wasserreserven – mit Auswirkungen auf Landwirtschaft, Energie und Tourismus.

Früher Frühling, veränderte Biodiversität
Der Bergfrühling beginnt heute sechs Tage früher als noch vor 25 Jahren.
«Die Temperaturen nach dem Abschmelzen der Schneedecke sind im Schnitt zwei Grad höher»,
so SLF-Forscher Michael Zehnder.
Das beeinflusst die Biodiversität:
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Pflanzen keimen früher
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Böden frieren stärker durch
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Spätfröste schädigen empfindliche Arten
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Erträge (z. B. bei Heidelbeeren) sinken

Murmeltiere ziehen höher – aber nicht weit
Auch die Tierwelt passt sich an.
Murmeltiere wandern durch die Erwärmung in höhere Lagen, zeigt eine Studie von SLF-Biologin Anne Kempel.
Doch die Forscherin betont:
„Nicht alle Tiere können einfach ausweichen. Die Anpassung ist begrenzt – und die Veränderungen schreiten schnell voran.“

Berggewässer: Wenn das Wasser zu warm wird
Hydrologin Amber van Hamel vom SLF untersuchte 177 Berggewässer in den Alpen, Pyrenäen und Skandinavien.
Ihr Ergebnis:
Die Wassertemperaturen steigen kontinuierlich, und Extremereignisse nehmen deutlich zu.
Wärmere Flüsse gefährden:
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Fischbestände
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Trinkwasserqualität
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Energie- und Industrieproduktion
„Wir nähern uns ökologischen Kippunkten“, warnt van Hamel.

Ein Magazin voller Klima-Forschung
Die Sommerausgabe 2025 des Magazins DIAGONAL von WSL und SLF widmet sich vollständig dem Klimawandel in den Alpen – mit tiefen Einblicken in aktuelle Forschungsprojekte und Lösungsansätze.










