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Klimawandel in den Alpen: Forscher warnen vor gefährlicher Dynamik

by Peter Schnieder
Donnerstag, 6. November 2025 um 17:29
in Gefahren & Warnungen, Klima, News, Schweiz, Top News, Umwelt
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Forschungsinstrumente des SLF Davos auf felsigem Gelände in den Alpen mit Blick auf schmelzende Gletscher, Symbolbild für Klimaforschung in den Bergen.

SLF-Forschung in den Alpen – Messgeräte auf Permafrostgebiet mit Gletscherblick (Bildquelle: Cécile Pellet)

Alpen im Hitzeturbo – die Berge verändern sich rasant

In den Alpen schreitet der Klimawandel doppelt so schnell voran wie im globalen Durchschnitt.
Gletscher schmelzen, Permafrost taut, Steinschläge nehmen zu – und Forschende schlagen Alarm.
Das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos untersucht, wie der Wandel die Berge, Tiere und Menschen verändert – und was auf uns zukommt.

Forschung am Puls der Veränderung

Das SLF arbeitet an einem umfassenden Forschungsprogramm zu den Folgen des Klimawandels im Alpenraum.
Im Fokus stehen fünf zentrale Themen:

  • Alpine Naturgefahren

  • Permafrost und Schnee

  • Biodiversität und Vegetation

  • Tierwelt und Lebensräume

  • Wärmere Berggewässer

Mehr Naturgefahren: Berge geraten in Bewegung

Der Permafrost taut, die Gesteinsschichten verlieren ihre Stabilität – und das hat Konsequenzen.
Laut einer internationalen Studie, koordiniert von SLF-Permafrost-Experte Samuel Weber und Glaziologin Mylène Jacquemart (ETH Zürich), nehmen Steinschläge, Murgänge und Bergstürze deutlich zu.

„Dieser Wandel stellt die Gesellschaft im Alpenraum vor grosse Herausforderungen“,
betonen die Forschenden.

Über 300 wissenschaftliche Arbeiten der letzten 30 Jahre bestätigen:
Der Alpenraum wird instabiler – die Gefahr wächst.

Grafik zeigt, wie der Klimawandel in den Alpen Naturgefahren wie Steinschläge, Murgänge und Lawinen verstärkt.
Illustration: Klimawandel und Naturgefahren im Alpenraum (Grafik: Jacquemart und Weber et al., Earth-Science Reviews 2024)

Permafrost taut – und die Berge bröckeln

In den letzten zehn Jahren sind die Permafrost-Temperaturen in zehn Metern Tiefe um über 1 °C gestiegen – das zeigen 64 Messreihen aus neun europäischen Ländern, von Spitzbergen bis zur Sierra Nevada.

Die SLF-Forscherin Jeannette Nötzli leitete die Studie, an der über 20 Expertinnen und Experten beteiligt waren.
Das Ergebnis ist eindeutig:
Der Permafrost in den Alpen taut – und Naturgefahren nehmen zu.

Forschungsinstrumente des SLF Davos auf felsigem Gelände in den Alpen mit Blick auf schmelzende Gletscher, Symbolbild für Klimaforschung in den Bergen.
SLF-Forschung in den Alpen – Messgeräte auf Permafrostgebiet mit Gletscherblick (Bildquelle: Cécile Pellet)

Schnee: Minus acht Zentimeter pro Jahrzehnt

Das Projekt SPASS zeigt alarmierende Daten:
In manchen Höhenlagen der Schweizer Alpen ist die durchschnittliche Schneehöhe zwischen November und April um bis zu acht Zentimeter pro Jahrzehnt gesunken.

„Wir sehen hier ganz klar die Folgen des Klimawandels“,
erklärt Christoph Marty, Klimatologe am SLF.

Weniger Schnee bedeutet weniger Wasserreserven – mit Auswirkungen auf Landwirtschaft, Energie und Tourismus.

Karte der Schweiz mit farblicher Darstellung des Rückgangs der Schneehöhe – Forschungsergebnis des SLF-Projekts SPASS.
Rückgang der Schneehöhe in der Schweiz – Ergebnisse des SPASS-Projekts des SLF (Bildquelle: Christoph Marty/SLF)

Früher Frühling, veränderte Biodiversität

Der Bergfrühling beginnt heute sechs Tage früher als noch vor 25 Jahren.
«Die Temperaturen nach dem Abschmelzen der Schneedecke sind im Schnitt zwei Grad höher»,
so SLF-Forscher Michael Zehnder.

Das beeinflusst die Biodiversität:

  • Pflanzen keimen früher

  • Böden frieren stärker durch

  • Spätfröste schädigen empfindliche Arten

  • Erträge (z. B. bei Heidelbeeren) sinken

Messstation in den Schweizer Alpen vor verschneiten Berggipfeln, Symbolbild für Klimaforschung und Schnee-Messungen des SLF.
Messstation in den Schweizer Alpen – Forschung zu Schnee und Klima (Bildquelle: Michael Zehnder/SLF)

Murmeltiere ziehen höher – aber nicht weit

Auch die Tierwelt passt sich an.
Murmeltiere wandern durch die Erwärmung in höhere Lagen, zeigt eine Studie von SLF-Biologin Anne Kempel.
Doch die Forscherin betont:

„Nicht alle Tiere können einfach ausweichen. Die Anpassung ist begrenzt – und die Veränderungen schreiten schnell voran.“

Ein Alpenmurmeltier blickt in die Kamera. Forschende zeigen, dass Murmeltiere wegen des Klimawandels in höhere Lagen wandern.
Alpen-Murmeltier – Symboltier des Klimawandels in den Bergen (Bildquelle: Michael Zehnder/SLF)

Berggewässer: Wenn das Wasser zu warm wird

Hydrologin Amber van Hamel vom SLF untersuchte 177 Berggewässer in den Alpen, Pyrenäen und Skandinavien.
Ihr Ergebnis:
Die Wassertemperaturen steigen kontinuierlich, und Extremereignisse nehmen deutlich zu.

Wärmere Flüsse gefährden:

  • Fischbestände

  • Trinkwasserqualität

  • Energie- und Industrieproduktion

„Wir nähern uns ökologischen Kippunkten“, warnt van Hamel.

SLF-Forscherin Amber van Hamel nimmt in einem Bergbach im Dischmatal bei Davos Wasserproben, um die Auswirkungen des Klimawandels auf alpine Gewässer zu untersuchen.
SLF-Forscherin Amber van Hamel misst Wassertemperaturen in den Alpen (Bildquelle: Amber van Hamel/SLF)

Ein Magazin voller Klima-Forschung

Die Sommerausgabe 2025 des Magazins DIAGONAL von WSL und SLF widmet sich vollständig dem Klimawandel in den Alpen – mit tiefen Einblicken in aktuelle Forschungsprojekte und Lösungsansätze.

Rotes Warnplakat mit der Aufschrift „Stopp! Gefahr! Klimawandel und Naturgefahren“ als Symbol für die wachsenden Risiken in den Alpen durch den Klimawandel.
Stopp! Gefahr! Klimawandel und Naturgefahren – Symbolbild zur Klimakrise in den Alpen (Bildquelle: WSL/SLF)
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