Ein neues Innosuisse-«Flagship»-Projekt will die Prävention von Typ-2-Diabetes in der Schweiz mit künstlicher Intelligenz, digitalen Gesundheitsdaten und innovativen Sensoren stärken. Das Forschungsprojekt «PreDiabeTx» wird von der Empa geleitet und vereint Wissenschaft, Gesundheitswesen, Krankenkassen und Wirtschaft.
Forschungsprojekt setzt auf Digitalisierung und Prävention
Typ-2-Diabetes zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in der Schweiz. Rund 500’000 Menschen leben mit der Stoffwechselkrankheit, deren Zahl aufgrund von Bewegungsmangel, Übergewicht und ungesunder Ernährung weiter zunimmt.
Mit dem Projekt «PreDiabeTx» soll die Prävention künftig gezielter und persönlicher werden. Die Schweizerische Agentur für Innovationsförderung Innosuisse unterstützt das Vorhaben als sogenanntes «Flagship»-Projekt. Koordiniert wird das Konsortium von der Empa.
Beteiligt sind insgesamt sieben Forschungsinstitutionen sowie elf Umsetzungspartner aus den Bereichen Gesundheitswesen, Krankenkassen, öffentliche Verwaltung und Lebensmittelindustrie. Gemeinsam wollen sie digitale Technologien entwickeln, die Menschen dabei unterstützen, ihr Risiko für Typ-2-Diabetes zu senken.
Das Projekt läuft von Ende 2025 bis Ende 2029.
KI-Coach soll zu gesünderem Lebensstil motivieren
Ein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung eines digitalen Gesundheitscoachs. Mithilfe künstlicher Intelligenz sollen Nutzerinnen und Nutzer personalisierte Empfehlungen für Ernährung, Einkäufe und Bewegung erhalten.
Der sogenannte «Food as Medicine»-Ansatz verfolgt das Ziel, gesunde Ernährung als festen Bestandteil der Prävention zu etablieren. Die Forschenden wollen unter anderem untersuchen, ob Anreizmodelle für gesunde Lebensmittel künftig auch im Schweizer Gesundheitssystem möglich sind.
Besonders profitieren sollen Menschen mit erhöhtem Diabetesrisiko oder einem tieferen sozioökonomischen Status. Für diese Gruppen werden spezielle digitale Coaching-Angebote entwickelt, die auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sind.
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Wearables und Sensor-Shirts liefern Gesundheitsdaten
Neben digitalen Coaches setzt «PreDiabeTx» auf moderne Messtechnik. Tragbare Geräte wie Smartwatches sowie textile Sensoren sollen Gesundheitsdaten kontinuierlich und ohne Eingriffe in den Körper erfassen.
Die von der Empa entwickelten Sensoren können beispielsweise in T-Shirts oder Brustgurte integriert werden. Sie messen unter anderem Puls, Atemfrequenz, Blutdruck und Sauerstoffsättigung.
Diese Daten sollen mithilfe künstlicher Intelligenz ausgewertet werden. Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen Vitalwerten und dem individuellen Diabetesrisiko besser zu erkennen und den Erfolg von Präventionsmassnahmen objektiv zu messen.
Eine direkte Messung des Blutzuckers ohne Hautdurchdringung ist mit der aktuellen Technologie allerdings noch nicht möglich.
Neue Finanzierungsmodelle für Prävention
Ein weiteres Teilprojekt unter Leitung der Universität St. Gallen beschäftigt sich mit der Frage, wie Präventionsangebote langfristig finanziert werden können.
Gemeinsam mit den Krankenkassen CSS, Helsana, Sanitas und SWICA sowie kantonalen Behörden sollen Geschäfts- und Anreizmodelle entwickelt werden, damit digitale Präventionsangebote künftig stärker in die reguläre Gesundheitsversorgung integriert werden können.
Nach Einschätzung der Forschenden reicht eine technisch gute Lösung allein nicht aus. Sie müsse sich auch wirtschaftlich tragen und einen nachweisbaren Nutzen für Versicherer, Gesundheitsdienstleister und Patientinnen und Patienten bieten.
Langfristige Prävention statt Behandlung
Die Projektverantwortlichen verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz. Ziel sei es nicht, Menschen mit erhobenem Zeigefinger zu belehren, sondern sie im Alltag praktisch zu unterstützen.
Ein gesünderer Lebensstil könne nicht nur das Risiko für Typ-2-Diabetes senken, sondern auch zahlreichen Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen.
Bis Ende 2029 wollen die Projektpartner neue digitale Lösungen entwickeln und deren Nutzen wissenschaftlich überprüfen. Damit soll die Prävention von Typ-2-Diabetes in der Schweiz langfristig gestärkt werden.






