Tausende Männer könnten betroffen sein – doch Experten sagen: Kein generelles Screening.
Ein britisches Expertengremium lehnt ein Prostatakrebs-Früherkennungsprogramm für alle Männer ab. Die Entscheidung sorgt für Protest – und Hoffnung.
Prostatakrebs-Screening? Nur für wenige Männer empfohlen
Wer soll getestet werden – und wer nicht
Das britische Nationale Screening-Komitee hat seine Empfehlungen überarbeitet – mit weitreichenden Folgen:
Kein generelles Screening für alle Männer
Kein gezieltes Screening für schwarze Männer
Kein Screening bei familiärer Vorbelastung
Nur eine kleine Gruppe soll profitieren:
Männer zwischen 45 und 61 Jahren mit BRCA-Mutationen – also genetischen Veränderungen, die das Risiko für aggressive Tumoren erhöhen.
Laut bbc.com wurde der Vorschlag mit „starkem Konsens“ verabschiedet – trotz Kritik von Patientenverbänden und Prominenten.
Warum kein generelles Screening?
Risiko: Mehr Schaden als Nutzen
Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Grossbritannien – 12.000 Todesfälle pro Jahr.
Doch die Realität ist komplex:
Viele Prostatakrebsarten wachsen extrem langsam
Früherkennung führt häufig zu Überdiagnosen und Überbehandlungen
Folge: Blasen- oder Erektionsstörungen, ohne dass der Krebs jemals lebensbedrohlich gewesen wäre
Das Komitee erklärte, ein generelles Screening „würde mehr Schaden als Nutzen bringen“.
Kritik: „Eine verpasste Chance für Tausende Männer“
Prominente und Organisationen reagieren enttäuscht
Olympiasieger Sir Chris Hoy, der selbst an unheilbarem Prostatakrebs leidet, nannte die Entscheidung:
„äusserst enttäuschend und traurig“
Auch Prostate Cancer UK und Prostate Cancer Research äusserten sich kritisch:
„Ein schwerer Schlag“ für zehntausende Männer
„Ein schwerwiegender Fehler“, der schwarze Männer ausschliesst
„Nicht genug für die Praxis“, so Geschäftsführerin Laura Kerby
Was sagen die Befürworter der Entscheidung?
Vorsicht vor „vorschneller Diagnose“
Professor Freddie Hamdy, Urologe aus Oxford, sagte:
„Eine Krebsdiagnose kann ein gesundes Leben dramatisch verändern.“
Auch Professor Hashim Ahmed, Leiter der neuen Transform-Studie, betonte:
„Die Risiken von Diagnose und Therapie überwiegen derzeit den Nutzen.“
Die Transform-Studie soll klären, ob ein erweitertes Screening – z. B. für Männer mit familiärer Vorbelastung oder schwarze Männer – zukünftig vertretbar ist.
BRCA – der genetische Risikofaktor
Was bedeutet das konkret?
Die BRCA-Genvarianten sind bekannt durch Fälle wie Angelina Jolie, die sich vorsorglich die Brüste entfernen liess.
Bei Männern erhöhen BRCA-Fehler das Risiko für:
Aggressiven Prostatakrebs
Schnelleres Tumorwachstum
Höhere Sterblichkeit bei Nichtbehandlung
Nur etwa 3 von 1.000 Männern tragen BRCA – viele wissen es nicht, wenn kein Gentest durchgeführt wurde.
Richtiger Schritt oder Rückschritt?
Die Entscheidung des Komitees ist noch nicht endgültig – eine dreimonatige öffentliche Konsultationsphase läuft. Gesundheitsminister Wes Streeting kündigte an, die Evidenz „gründlich“ zu prüfen.
Screening ist kein Allheilmittel – doch für viele bleibt das Gefühl zurück, dass ihre Risiken nicht ernst genug genommen werden.






