Kanada und die USA steuern nach gescheiterten Verhandlungen auf eine weitere Eskalation im Zollstreit zu. Premierminister Mark Carney kündigte Gegenzölle an. Experten warnen vor einer kostspieligen Spirale aus neuen Handelsbarrieren und Vergeltungsmassnahmen.
Der eskalierende Zollstreit zwischen den USA und Kanada verstärkt die Sorge vor einem umfassenden Handelskonflikt zwischen den beiden Nachbarstaaten. Laut GMX warnte Richard Fontaine vom Center for a New American Security davor, dass neue kanadische Zölle und mögliche Gegenmassnahmen von US-Präsident Donald Trump zu einer kostspieligen und schädlichen Spirale führen könnten.
Fontaine erklärte, Kanada habe aus Trumps bisherigem Kurs offenbar den Schluss gezogen, dass eine konfrontativere Haltung erfolgversprechender sei. Ein Nachgeben gegenüber der US-Regierung könne aus Sicht Ottawas weitere Forderungen nach sich ziehen.
Zölle und Gegenzölle
Unterhändler aus Kanada und den USA hatten bis in die Nacht zum Samstag über eine Vereinbarung beraten. Ziel war es, die von Trump angekündigten neuen Zölle abzuwenden. Der US-Präsident hatte im Juli Zölle von 50 Prozent auf eine Reihe kanadischer Produkte angekündigt, darunter Hockeyschläger, Möbel und Wein.
Kanadas Premierminister Mark Carney kündigte nach dem Scheitern der Gespräche Gegenzölle an. Diese sollen am 8. September in Kraft treten. Nach Angaben der USA sind derzeit keine neuen Verhandlungen zwischen den beiden Ländern geplant.
Damit verschärft sich der Handelskonflikt zwischen den eng miteinander verflochtenen Volkswirtschaften weiter. Kanada und die USA gehören zu den wichtigsten Handelspartnern des jeweils anderen Landes.
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Kanadische Kritik an Trump
Eigentlich sollten die neuen US-Zölle bereits am Mittwoch in Kraft treten. Trump gewährte Kanada jedoch einen Aufschub von drei Tagen und zeigte sich zunächst zuversichtlich, dass eine Einigung möglich sei.
«Ich glaube, wir haben eine Vereinbarung mit dem Premierminister, und zwar eine gute Vereinbarung für alle», sagte Trump damals. Nach dem Scheitern der Verhandlungen warfen sich beide Seiten gegenseitig vor, eine Einigung durch kurzfristige Forderungen verhindert zu haben.
Doug Ford, Regierungschef der wirtschaftlich bedeutenden kanadischen Provinz Ontario, stellte sich hinter Carneys Entscheidung. Er begrüsste, dass sich die kanadische Regierung nicht auf die aus seiner Sicht schlechte Vereinbarung mit den USA eingelassen habe.
Gegenüber dem kanadischen Sender CBC kritisierte Ford Trump zudem ungewöhnlich scharf. Der US-Präsident sei jemand, der einem zunächst das Pausengeld, danach die Mütze und schliesslich die Laufschuhe wegnehme, sagte Ford sinngemäss.
Handelskonflikt mit offenem Ausgang
Für beide Länder steht wirtschaftlich viel auf dem Spiel. Eine weitere Eskalation könnte Unternehmen auf beiden Seiten der Grenze mit höheren Kosten belasten und Lieferketten beeinträchtigen.
Wie sich der Konflikt entwickelt, hängt nun unter anderem davon ab, ob Kanada seine angekündigten Gegenzölle tatsächlich im September einführt und wie die US-Regierung darauf reagiert. Ein neuer Verhandlungsversuch ist derzeit nicht angekündigt.






