Weltweit prüfen oder führen rund 40 Staaten Altersbeschränkungen für soziale Medien ein. Auch die Schweiz befasst sich mit strengeren Vorgaben für Plattformen wie TikTok oder Instagram. Die grösste Herausforderung bleibt jedoch die zuverlässige Alterskontrolle der Nutzerinnen und Nutzer.
Weltweit wächst der Druck auf soziale Netzwerke
Was vor einem Jahr mit Australiens Social-Media-Verbot für Jugendliche als politisches Experiment begann, entwickelt sich zunehmend zu einem internationalen Trend. Nach Angaben des «Age Gate Tracker» der deutschen Denkfabrik Interface beschäftigen sich inzwischen rund 40 Staaten mit Altersgrenzen für soziale Netzwerke oder haben entsprechende Regelungen bereits eingeführt.
Zu den jüngsten Beispielen gehört Frankreich. Das Parlament verabschiedete als erstes EU-Land ein Gesetz, das den Zugang zu sozialen Medien für unter 15-Jährige einschränken soll. Präsident Emmanuel Macron plant, die neuen Vorschriften nach den Sommerferien in Kraft zu setzen.
Die Regelungen unterscheiden sich von Land zu Land. Einige Staaten setzen auf ein vollständiges Mindestalter, andere sehen Ausnahmen mit Zustimmung der Eltern oder altersabhängige Einschränkungen vor.
| – | Land | Stand | Alterskontrolle |
|---|---|---|---|
| 🇦🇺 | Australien | In Kraft | Plattformen wählen Verfahren selbst |
| 🇧🇷 | Brasilien | In Kraft | API-Alterssignal |
| 🇧🇬 | Bulgarien | Vorgeschlagen | Offen |
| 🇨🇳 | China | In Kraft | Nationaler Ausweis + Biometrie |
| 🇩🇰 | Dänemark | Diskussion | AltID (digitale Identität) |
| 🇩🇪 | Deutschland | Diskussion | EUDI-Wallet |
| 🇫🇮 | Finnland | Diskussion | Offen |
| 🇫🇷 | Frankreich | Beschlossen | Offen |
| 🇬🇷 | Griechenland | Beschlossen | «Kids Wallet» |
| 🇮🇩 | Indonesien | In Kraft | Ausweis oder KI-Gesichtserkennung |
| 🇮🇪 | Irland | Diskussion | Digitale Identität |
| 🇮🇹 | Italien | Vorgeschlagen | Nationales Mini-Wallet |
| 🇨🇦 | Kanada | Vorgeschlagen | Plattformen wählen Verfahren selbst |
| 🇭🇷 | Kroatien | Abgelehnt | Elektronische Identität |
| 🇱🇻 | Lettland | Diskussion | Offen |
| 🇱🇹 | Litauen | Diskussion | Offen |
| 🇱🇺 | Luxemburg | Diskussion | Offen |
| 🇲🇾 | Malaysia | In Kraft | eKYC mit Ausweis |
| 🇲🇹 | Malta | Diskussion | Offen |
| 🇳🇱 | Niederlande | Diskussion | Offen |
| 🇳🇴 | Norwegen | Diskussion | BankID geplant |
| 🇦🇹 | Österreich | Diskussion | Offen (EUDI-Wallet im Gespräch) |
| 🇵🇱 | Polen | Vorgeschlagen | Offen |
| 🇵🇹 | Portugal | Vorgeschlagen | Digitale Identität |
| 🇷🇴 | Rumänien | Vorgeschlagen | Offen |
| 🇸🇪 | Schweden | Diskussion | Offen |
| 🇸🇰 | Slowakei | Diskussion | Offen |
| 🇸🇮 | Slowenien | Diskussion | Offen |
| 🇪🇸 | Spanien | Vorgeschlagen | «Cartera Digital Beta» |
| 🇹🇷 | Türkei | Beschlossen | Plattformen wählen Verfahren selbst |
| 🇺🇸 | USA | Keine nationale Regelung | Plattformen wählen Verfahren selbst |
| 🇬🇧 | Vereinigtes Königreich | Diskussion | Ofcom-Standards |
| 🇻🇳 | Vietnam | In Kraft | Telefonnummer oder nationale ID |
| 🇨🇾 | Zypern | Diskussion | Digital Citizen App |
Auch die Schweiz prüft strengere Vorschriften
Auch in der Schweiz wird über ein Mindestalter für soziale Medien diskutiert. Ein vom Parlament überwiesenes Postulat der Baselbieter Ständerätin Maya Graf verlangt vom Bundesrat eine umfassende Analyse möglicher Schutzmassnahmen für Kinder und Jugendliche.
Dabei soll unter anderem geprüft werden, ob Plattformen wie TikTok oder Instagram für unter 16-Jährige eingeschränkt werden sollen.
Unterstützung erhält die Forderung auch aus der Bevölkerung. Laut repräsentativen Umfragen von Tamedia und «20 Minuten» sowie einer Erhebung von Sotomo sprechen sich rund vier von fünf Stimmberechtigten in der Schweiz für ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren aus.
Auch Thomas Minder, Präsident des Verbands Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz, befürwortet ein Verbot für Minderjährige.
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Alterskontrolle bleibt grösste Herausforderung
Die Einführung eines Mindestalters wirft jedoch ein zentrales Problem auf: Wie lässt sich das Alter der Nutzerinnen und Nutzer zuverlässig überprüfen?
Nach Einschätzung von Unicef ist genau diese Alterskontrolle derzeit die grösste technische Herausforderung. Zwar arbeiten einzelne Staaten bereits an Lösungen, ein international anerkannter Standard existiert bislang jedoch nicht.
Diskutiert werden verschiedene Verfahren. Dazu gehören Identitätsnachweise mit amtlichen Ausweisen, digitale Identitäten, KI-gestützte Altersschätzungen anhand des Gesichts oder datensparsame Systeme, die lediglich bestätigen, dass eine Person das erforderliche Mindestalter erreicht hat.
Australien schreibt den Plattformen keine bestimmte Technologie vor. Stattdessen müssen sie geeignete Verfahren kombinieren, um das Alter der Nutzer möglichst zuverlässig festzustellen.
Unicef fordert strengere Regulierung der Plattformen
Für Unicef reichen Altersgrenzen allein jedoch nicht aus. Die Organisation fordert zusätzlich strengere Regeln für die Betreiber sozialer Netzwerke.
Im Mittelpunkt stehen dabei die Funktionsweise der Plattformen und deren Algorithmen. Diese seien darauf ausgelegt, Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange auf den Plattformen zu halten. Dadurch könnten unter anderem problematische Nutzungsgewohnheiten sowie die Verbreitung von Gewalt-, Hass- oder sexualisierten Inhalten begünstigt werden.
Nach Ansicht von Unicef sollten deshalb nicht nur Kinder und Jugendliche geschützt, sondern auch die Plattformen selbst stärker reguliert werden.
Mit diesen Fragen wird sich nun auch der Bundesrat befassen. Neben einem möglichen Mindestalter dürfte dabei insbesondere die Ausgestaltung einer wirksamen Alterskontrolle sowie die Verantwortung der Plattformbetreiber im Zentrum stehen.






