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„Ich habe gearbeitet, Steuern gezahlt – und dann hat mir die Bank mein Haus weggenommen“

Immer mehr Menschen in England und Wales verlieren ihre Häuser durch Zwangsversteigerungen. Hinter den Zahlen stehen dramatische persönliche Schicksale – wie das von José Da Costa Diogo.

by Peter Schnieder
Freitag, 21. November 2025 um 14:53
in Ausland, News, Top News
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Schlüsselbund auf Gerichtsunterlagen als Symbol für Zwangsversteigerung und Verlust des eigenen Zuhauses.

Schlüsselübergabe bei Zwangsversteigerung (Symbolbild)

Home » News » „Ich habe gearbeitet, Steuern gezahlt – und dann hat mir die Bank mein Haus weggenommen“

José Da Costa Diogo sitzt in seinem kleinen Zimmer und wartet auf den Moment, vor dem er sich am meisten fürchtet:
den Gerichtsvollzieher.

Der 65-Jährige ist einer von Tausenden, denen in diesem Jahr die Zwangsversteigerung ihres Hauses angekündigt wurde.
Die Geschichten dahinter sind erschütternd – und zeigen eine Krise, die sich still, aber rasant ausbreitet.

Ein Leben lang gearbeitet – und trotzdem alles verloren

Laut bbc.com erfuhr José Da Costa Diogo Anfang des Jahres in einer zehnminütigen Anhörung, dass er sein Haus in Thetford verlieren würde.
Ein Haus, das er über 20 Jahre lang mit einer rein zinsgebundenen Hypothek finanziert hatte – im Vertrauen darauf, dass er und seine damalige Frau irgendwann genug ansparen könnten.

Doch nach der Trennung und der Auswanderung seiner Ex-Frau nach Brasilien riss die finanzielle Basis weg.
Die 80.000 Pfund Restschuld konnte er nicht mehr bedienen – und weil seine Ex-Frau weiterhin im Hypothekenvertrag stand, durfte er das Haus nicht einmal verkaufen.

„Ich habe immer meine Rechnungen bezahlt. Und nach 25 Jahren habe ich nichts. Gar nichts.“

Heute sagt er:
„Ich werde obdachlos sein.“

Rekord bei Zwangsversteigerungen: Eine Krise breitet sich aus

Gerichtsstatistiken zeigen einen deutlichen Anstieg:

  • 10.853 Zwangsversteigerungen im Jahr 2024/25 – der höchste Stand seit fünf Jahren

  • Gründe laut Experten:

    • steigende Zinsen

    • explodierende Lebenshaltungskosten

    • sinkendes Einkommen vieler Haushalte

Die BBC befragte 240 Kommunen in England:
Die Zahl der Menschen, die infolge einer Zwangsversteigerung obdachlos wurden, hat sich verdoppelt.

Und viele Betroffene schämen sich so sehr, dass sie nicht einmal vor Gericht erscheinen.

„Es ist beängstigend – aber man muss nicht alleine da durch“

Lucy Davies vom Suffolk Law Centre kämpft täglich an vorderster Front gegen diese stille Krise.
Sie berät Menschen, die kurz vor dem Verlust ihres Zuhauses stehen.

Sie berichtet:

  • immer mehr Betroffene

  • immer komplexere Fälle

  • immer weniger Zugang zu Prozesskostenhilfe

„Viele Menschen haben psychische Belastungen, familiäre Probleme oder Jobverluste. Es kann jeden treffen – schneller, als man denkt.“

An einem Tag, an dem die BBC sie begleitete, erschien keiner der fünf Betroffenen zu seiner Anhörung.
Für Davies ist das ein typisches Zeichen von Verzweiflung.

Prozesskostenhilfe: Zu wenig, zu spät?

Rechtsanwälte warnen vor einer Unterversorgung:
Zu wenige Kanzleien bieten Beratung im Wohnrecht an.
Viele Betroffene verdienen zu viel für Prozesskostenhilfe, aber zu wenig für eigene Rechtsberatung.

Das Justizministerium verweist zwar auf eine 24-prozentige Erhöhung der Mittel – die erste seit 30 Jahren –,
doch Experten halten das für „nicht annähernd ausreichend“.

Banken: „Zwangsversteigerungen sind der letzte Ausweg“

UK Finance, der Branchenverband der Banken, weist darauf hin, dass das Niveau trotz Anstieg historisch niedrig sei.
Im ersten Quartal 2025:

  • 2.000 Häuser zwangsversteigert

  • im Vergleich zu 13.000 im Jahr 2009 nach der Finanzkrise

Gleichzeitig rät die Branche den Menschen:

Frühzeitig Kontakt aufnehmen
Raten reduzieren lassen
Budgetplanungen nutzen
Schuldnerberatungen einschalten

Doch viele schämen sich – und handeln zu spät.

Zwei Männer, zwei Schicksale – und ein verzweifelter Kampf gegen die Zeit

Henry Sabati McRae (51)

Nach dem Tod seines Bruders und seiner Mutter rutschte er in finanzielle Not.
Trotz Hunderter Bewerbungen fand er keinen neuen Job.
Die Hypothekenrückstände wuchsen auf 13.000 Pfund.

Er verkaufte Möbel, Technik, Kleidung – alles, was ging.
Und nahm Geld von Freunden auf.

„Innerhalb weniger Monate war alles weg.“

Mike Williams

Für sein selbst gebautes Haus fielen nach der Trennung massiv höhere Zinsen an.
Er kämpfte vor Gericht um einen neuen Zahlungsplan – erfolgreich.
Doch das Haus wird er in fünf Jahren trotzdem verkaufen müssen.

„Es hat einen hohen emotionalen Wert. Aber ich werde es verlieren.“

Das letzte Kapitel: Mit einem Koffer und einer Tasche

Bei José Da Costa Diogo ist der Albtraum bereits Realität.
Sein Haus wurde zwangsversteigert.

Ein ähnliches Haus in derselben Straße wurde bald darauf für 160.000 Pfund angeboten – mehr als das Doppelte seiner Schulden.

Er selbst wurde nur Stunden nach der Versteigerung in eine Notunterkunft gebracht.
Ein kleines Studio. Erdgeschoss.

„Ich habe mein Haus mit einem Koffer verlassen. Und einer Tasche mit dem Nötigsten.“

Heute sagt er:

„Es ist ein Dach über dem Kopf. Ich mache weiter … was bleibt mir anderes übrig?“

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