Hypotheken in der Schweiz steigen trotz Nullzinsen – viele Eigentümer zahlen plötzlich mehr, obwohl die SNB den Leitzins auf null gesenkt hat. Die Gründe dafür sind überraschend klar.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihren Leitzins wieder auf 0 Prozent gesenkt – eigentlich ein Signal für günstige Kredite. Doch genau das Gegenteil passiert: Hypotheken werden teurer. Für viele Eigenheimbesitzer fühlt sich das wie ein schlechter Witz an.
Der Grund liegt nicht im Leitzins selbst, sondern im System dahinter.
Banken erhöhen Margen – der versteckte Kostentreiber
Während der Leitzins gesunken ist, haben Banken ihre Margen deutlich ausgeweitet. Mitte 2025 lagen diese bei rund 0,8 Prozent – heute sind es etwa 1,1 Prozent. Das gilt sowohl für Saron-Hypotheken als auch für langfristige Festhypotheken.
Das heisst konkret: Auch wenn das „offizielle“ Zinsniveau tief ist, kassieren Banken mehr für ihre Kredite. Für Hypothekarnehmer bedeutet das höhere Kosten – ohne ersichtlichen Grund auf den ersten Blick.
Regulierung drückt das Angebot
Ein weiterer Faktor sind strengere Vorschriften.
Die SNB hat die Anforderungen an Mindestreserven erhöht. Gleichzeitig verlangen die Basel-III-Regeln mehr Eigenkapital für riskantere Hypotheken.
Das führt zu einem einfachen Prinzip: Weniger verfügbare Mittel treffen auf gleichbleibende oder steigende Nachfrage.
Das Resultat? Preise steigen.
Immobilienpreise explodieren – Nachfrage zieht an
Parallel dazu haben sich Immobilien in der Schweiz massiv verteuert. Wer heute ein Haus oder eine Wohnung kauft, benötigt mehr Fremdkapital als noch vor wenigen Jahren.
Mehr Nachfrage nach Hypotheken bei gleichzeitig eingeschränktem Angebot – das ist der perfekte Nährboden für steigende Preise.
Banken nutzen Wechselträgheit aus
Ein Punkt wird oft unterschätzt: die Psychologie.
Viele Banken locken Neukunden mit attraktiven Einstiegskonditionen. Doch sobald der Vertrag läuft, sinkt die Wechselbereitschaft massiv.
Genau dann werden Margen erhöht.
Ein klassisches Spiel – und es funktioniert.
Saron- oder Festhypothek – die richtige Strategie
Die Wahl des richtigen Modells entscheidet über Tausende Franken.
Saron-Hypothek
Ideal, wenn die Zinsen tief bleiben oder weiter sinken. Flexibel und langfristig meist günstiger.
Festhypothek
Sinnvoll, wenn steigende Zinsen erwartet werden. Planungssicherheit steht im Vordergrund.
So sparen Sie bei Ihrer Hypothek
Wer clever handelt, kann die Kosten spürbar senken:
• Sicherheiten verbessern: Mehr Eigenkapital oder Zusatzvermögen reduziert das Risiko
• Bonität optimieren: Bessere Ratings führen zu besseren Konditionen
• Angebote vergleichen: Unterschiede zwischen Banken sind oft enorm
• Modell bewusst wählen: Flexibilität vs. Sicherheit richtig abwägen
Fazit: Nullzinsen sind nicht gleich günstige Hypotheken
Der Fall zeigt klar: Der Leitzins allein bestimmt nicht die Kosten. Banken, Regulierung und Marktmechanismen spielen eine mindestens ebenso grosse Rolle.
Wer heute eine Hypothek abschliesst oder verlängert, muss genauer hinschauen als je zuvor.






