Die zunehmende Hitze in der Schweiz verändert den Umgang mit Energie. Während der Bedarf für Heizungen durch mildere Winter sinkt, steigt der Stromverbrauch für Kühlung und Klimaanlagen. Fachleute warnen vor neuen Herausforderungen für Gebäude, Stromnetze und den Gesundheitsschutz.
Die Schweiz zählt zu den Ländern, in denen die Temperaturen besonders schnell steigen. Mit häufiger auftretenden Hitzewellen nimmt auch der Bedarf an Kühlung in Gebäuden zu. Klimaanlagen werden beliebter, gleichzeitig stellt sich die Frage, wie stark das Stromnetz künftig belastet wird.
Derzeit verfügt schätzungsweise nur rund jeder zehnte Schweizer Haushalt über eine fest installierte Klimaanlage. Gründe dafür sind unter anderem kantonale Vorschriften und die hohen Kosten für Installation und Betrieb.
Mobile Klimageräte erhöhen Stromverbrauch
Viele Haushalte greifen deshalb auf mobile Klimageräte zurück. Diese sind einfacher zu installieren, arbeiten jedoch weniger effizient als fest eingebaute Anlagen und benötigen vergleichsweise viel Strom.
Ein Gerät mit einer Leistung von 1000 Watt verbraucht ungefähr so viel Energie wie zehn Kühlschränke. Als Alternative gewinnen reversible Wärmepumpen an Bedeutung. Diese können im Sommer zur Kühlung eingesetzt werden, indem sie Wärme aus Innenräumen nach draussen transportieren.
Nach Angaben des Bundesamts für Energie ist der Stromverbrauch für Kühlung, Lüftung und technische Gebäudeinstallationen inzwischen ähnlich hoch wie jener für Heizung – allerdings nur bezogen auf den Strombedarf. Beim Heizen werden zusätzlich Energieträger wie Heizöl oder Erdgas berücksichtigt.
Trotzdem zeigt sich eine klare Entwicklung: Der Energieverbrauch für die Beheizung von Gebäuden ist in der Schweiz deutlich zurückgegangen, während der Bedarf für Kühlung kontinuierlich zunimmt.
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Klimawandel stellt Gebäudeplanung vor neue Aufgaben
Forschende der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa gehen davon aus, dass sich der Energiebedarf für Kühlung und Heizung langfristig stärker annähern könnte. In einem Extremszenario mit hoher Erwärmung, wachsender Bevölkerung und weit verbreiteten Klimaanlagen könnten Schweizer Haushalte bis 2050 vergleichbare Energiemengen für beide Bereiche benötigen.
Auch weltweit wächst der Strombedarf für Raumkühlung. Zwischen 2000 und 2022 hat sich der Verbrauch mehr als verdoppelt und liegt inzwischen bei rund 2900 Terawattstunden pro Jahr. Das entspricht etwa zehn Prozent des weltweiten Stromverbrauchs.
Bis 2035 könnte der globale Strombedarf für Kühlung laut Prognosen nochmals deutlich steigen. Die Internationale Energieagentur erwartet einen zusätzlichen Verbrauch von rund 1600 Terawattstunden.
Hitzeschutz wird wichtiger
Klimaphysiker Reto Knutti von der ETH Zürich warnt davor, die gesundheitlichen Folgen von Hitze zu unterschätzen. Klimaanlagen könnten gezielt eingesetzt werden, insbesondere in sensiblen Bereichen wie Schulen oder Pflegeheimen.
Auch die Bauweise müsse sich an die veränderten Bedingungen anpassen, sagt Urs-Peter Menti von der Hochschule Luzern. Während Gebäude in den vergangenen Jahrzehnten vor allem auf geringe Heizkosten optimiert wurden, müsse künftig auch der Schutz vor sommerlicher Überhitzung ein zentrales Ziel sein.
Wirksame Massnahmen sind beispielsweise Aussenstoren, Markisen, beschattete Bereiche, kleinere Fensterflächen und Baumaterialien mit hoher Wärmespeicherfähigkeit. Solche Lösungen können verhindern, dass sich Gebäude stark aufheizen.
Laut der Internationalen Energieagentur können eine gute Dämmung und ein wirksamer Sonnenschutz den Kühlbedarf eines Gebäudes um bis zu 80 Prozent reduzieren. Damit könnten Stromnetze entlastet und gleichzeitig der Komfort während heisser Sommer verbessert werden.






