Feiertage gelten als Zeit der Nähe – doch nicht für alle.
Im Kanton St.Gallen eskalierten über Weihnachten und Neujahr zahlreiche Konflikte hinter verschlossenen Türen.
Die Kantonspolizei zieht nun eine ernüchternde Bilanz.
34 Einsätze in zehn Tagen
Zwischen Weihnachten und Neujahr (01.01.2026) rückte die Kantonspolizei St.Gallen insgesamt 34 Mal wegen Häuslicher Gewalt aus – im Durchschnitt mehr als drei Einsätze pro Tag.
In den meisten Fällen handelte es sich um:
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verbale Streitigkeiten
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Konflikte zwischen Paaren
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Auseinandersetzungen innerhalb von Familien
Die ausgerückten Patrouillen konnten die Situationen jeweils vorläufig beruhigen.
Beratung statt Anzeige – in vielen Fällen
In 25 der 34 Einsätze lagen nach aktuellem Kenntnisstand keine strafrechtlich relevanten Vorgänge vor.
In diesen Fällen:
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zeigten Polizistinnen und Polizisten Strategien zur Konfliktvermeidung auf
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wurden Betroffene auf Beratungs- und Unterstützungsangebote hingewiesen
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erfolgte – sofern gewünscht – eine Weitergabe der Personalien an entsprechende Fachstellen
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wurden die zuständigen Sozialbehörden informiert
Ziel war es, Eskalationen frühzeitig zu verhindern.
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Neun Fälle mit strafrechtlicher Relevanz
In neun Fällen kam es jedoch zu klar strafbaren Handlungen. Die Spannweite reichte von:
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Tätlichkeiten
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über schwere Drohungen
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bis hin zu einem Fall mit einer Schusswaffe
Die polizeilichen Massnahmen umfassten unter anderem:
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fünf freiwillige Trennungen, bei denen die gewaltausübende Person die Wohnung verliess
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drei Kontakt- und Rayonverbote von jeweils 14 Tagen
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eine Festnahme der drohenden Person
Alle neun Fälle wurden an die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen rapportiert.
Rund 90 Betroffene – auch Kinder involviert
Insgesamt waren bei den Einsätzen knapp 90 Personen direkt betroffen oder involviert.
Dabei zeigt sich:
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etwas mehr als die Hälfte der Betroffenen hat eine ausländische Staatsbürgerschaft, lebt aber in der Schweiz
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mehr als ein Dutzend Kinder waren betroffen – vom Säuglingsalter bis ins Jugendalter
Gerade bei Fällen mit Kindern wird jeweils auch der Kindes- und Erwachsenenschutz informiert.
Polizei verweist auf Prävention und Hinschauen
Die Kantonspolizei St.Gallen engagiert sich seit Jahren aktiv in der Prävention.
Erst kürzlich stand das Thema im Fokus der Kampagne:
«16 Tage gegen Gewalt an Frauen»
Dabei wurden Zahlen, Hintergründe und Handlungsmöglichkeiten in einer Online-Serie aufgearbeitet.
Fokusbericht: Schutz beginnt beim Hinsehen – Kantonspolizei St.Gallen
Einordnung
Feiertage können emotional belastend sein – finanzielle Sorgen, Alkohol, enge Wohnverhältnisse und Erwartungen verstärken Konflikte.
Die Zahlen aus St.Gallen zeigen: Häusliche Gewalt ist kein Randphänomen, sondern betrifft alle Gesellschaftsschichten.










