Du hörst Schreie aus der Nachbarwohnung? Dann bist du vielleicht der einzige Mensch, der helfen kann
Was tun, wenn aus der Wohnung nebenan Gepolter und Geschrei dringen?
Ist das noch ein Streit – oder schon Gewalt?
Wer in der Nachbarschaft Hinweise auf häusliche Gewalt wahrnimmt, kann zum Lebensretter werden. Doch wann ruft man die Polizei? Wann spricht man die betroffene Person an? Und wie, ohne sie in Gefahr zu bringen?
Jede dritte Frau betroffen – aber kaum jemand handelt
Statistiken des Bundes zeigen: Etwa jede dritte Frau in Deutschland erlebt im Lauf ihres Lebens körperliche oder sexualisierte Gewalt. In jeder vierten Beziehung ist der Täter der aktuelle oder frühere Partner. Die Dunkelziffer ist noch höher.
Häusliche Gewalt passiert überall – auch im gepflegten Mehrfamilienhaus, hinter weissen Gardinen. Und oft sind Nachbar:innen die einzigen, die etwas mitbekommen.
Wann du sofort handeln musst – und zwar richtig
Dringen aus einer Wohnung laute Schmerzensschreie, hörst du klirrendes Glas, heftiges Poltern oder Weinen, dann zögere nicht: Rufe sofort die Polizei unter 117 (CH), 110 (D) oder 133 (AT).
Lass sie ins Haus, beschreibe die Situation so genau wie möglich.
„In akuten Gewaltsituationen gibt es nur eine Option: Polizei rufen – und zwar sofort.“
— Dr. Saskia Etzold, Gewaltschutzambulanz Charité Berlin
Wenn möglich, sichere Beweise (z. B. Tonaufnahmen oder Fotos von Schäden – niemals selbst eingreifen!).
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Was tun, wenn es keine akute Gefahr ist?
Nicht jede Form häuslicher Gewalt ist laut. Wer blaue Flecken, Griffspuren oder Verhaltensveränderungen bei einer Nachbarin bemerkt, sollte vorsichtig und mit Respekt handeln.
Sprich sie unter vier Augen an – niemals im Beisein des möglichen Täters. Ein behutsamer Einstieg ist z. B.:
„Ich habe manchmal etwas mitbekommen und mache mir Sorgen. Wenn du Hilfe brauchst – ich bin da.“
Manchmal reicht es, eine kleine Karte mit Kontaktinfos zu einer Beratungsstelle weiterzugeben. Oder anzubieten, dass sie sich für ein Gespräch zurückziehen kann.
Was du niemals tun solltest
Nie Vorwürfe machen oder direkte Schuldzuweisungen äußern
Nie im Beisein des mutmasslichen Täters sprechen
Nie drängen oder nötigen – das kann gefährlich werden
Hilfsangebote in der Schweiz, Deutschland und Österreich
Wer selbst nicht weiss, wie er helfen kann, kann sich auch als Beobachter beraten lassen – anonym, kostenlos und vertraulich.
Schweiz:
Lantana Opferhilfe bei sexueller Gewalt: 031 313 14 00
Frauenhaus-Notruf (regional unterschiedlich)
Deutschland:
Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 116 016
Hilfetelefon Gewalt an Männern: 0800 123 9900
Sexueller Missbrauch: 0800 225 5530
Österreich:
Tamar Beratungsstelle für misshandelte Frauen & Kinder: 01 334 04 37










