Wer beim Einkauf sparen möchte, greift häufig zu Aktionsangeboten. Doch genau diese Rabatte könnten laut einer aktuellen Auswertung die Ernährung in eine ungesunde Richtung lenken.
Eine Analyse des Westschweizer Radio und Fernsehens (RTS) zeigt: Schweizer Detailhändler reduzieren vor allem Süssigkeiten, Snacks und stark verarbeitete Lebensmittel. Frisches Obst und Gemüse ist dagegen deutlich seltener im Angebot.
Mehr Süsses als Frisches im Sonderangebot
Für die Untersuchung analysierte RTS 415 Aktionsprodukte bei Coop, Migros, Aldi, Lidl und Denner.
Das Ergebnis fällt deutlich aus:
- 13 Prozent der Aktionen entfielen auf Obst und Gemüse.
- 57 Prozent betrafen Süssigkeiten, Snacks sowie verarbeitete und hochverarbeitete Lebensmittel.
Bereits eine ähnliche Untersuchung im November 2025 kam zu einem vergleichbaren Ergebnis. Zwar habe sich der Anteil von Obst und Gemüse im Juni leicht verbessert, das Ungleichgewicht bleibe aber bestehen.
Expertin warnt vor gesundheitlichen Folgen
Daniela Goncalves, Ernährungsberaterin beim Westschweizer Gesundheitszentrum Unisanté, sieht die Entwicklung kritisch.
Vor allem Menschen mit kleinem Budget orientierten sich häufig an Aktionen. Wenn überwiegend ungesunde Produkte vergünstigt angeboten würden, könne dies langfristig das Risiko für Übergewicht, Diabetes und andere chronische Krankheiten erhöhen.
Sie fordert deshalb strengere Regeln für Lebensmittelmarketing und Rabattaktionen – ähnlich wie sie bereits in Grossbritannien gelten.
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So reagieren die Detailhändler
Die betroffenen Unternehmen weisen die Kritik teilweise zurück.
Migros verweist auf saisonale Unterschiede und erklärt, dass im Sommer mehr Obst und Gemüse in Aktionen angeboten werde.
Coop hält die RTS-Auswertung für nicht repräsentativ und betont, dass sich Aktionen an den Bedürfnissen der Kundschaft orientieren.
Aldi erklärt, man überprüfe die Produkte laufend anhand ernährungswissenschaftlicher Kriterien und reduziere unter anderem den Zuckergehalt.
Denner verweist darauf, dass sich Obst und Gemüse wegen stark schwankender Einkaufspreise schlechter für langfristig geplante Aktionen eigneten.
Lidl argumentiert, Aktionen dienten häufig dazu, haltbare Produkte auf Vorrat zu kaufen. Obst und Gemüse würden bereits regulär zu günstigen Preisen angeboten.
Warum Obst seltener im Angebot ist
Nach Angaben der Detailhändler spielen mehrere Faktoren eine Rolle:
- saisonale Preisunterschiede
- kurze Haltbarkeit von Frischprodukten
- langfristige Planung von Aktionen
- hohe Nachfrage nach lagerfähigen Produkten
Diese Rahmenbedingungen erschweren laut den Unternehmen regelmässige Rabattaktionen auf frisches Obst und Gemüse.






