Google will testen, ob leistungsfähige KI-Chips langfristig in Rechenzentren im Weltraum eingesetzt werden können. Dafür schickt der Konzern vier eigene Prozessoren in die Erdumlaufbahn. Der Test soll zeigen, wie die Technik mit Vibrationen, Strahlung, Hitze und den besonderen Bedingungen im All zurechtkommt.
Google will einen ersten praktischen Schritt in Richtung Rechenzentren im Weltraum machen. Der Technologiekonzern plant, vier seiner speziell für Künstliche Intelligenz entwickelten Chips in die Umlaufbahn zu schicken.
Die sogenannten TPU-Chips – kurz für „Tensor Processing Unit“ – sollen dabei verschiedenen Belastungen ausgesetzt werden. Bereits während des Raketenstarts wirken starke Vibrationen und ein Vielfaches der normalen Erdanziehungskraft auf die empfindliche Elektronik.
Strahlung als Herausforderung für die Chips
Laut GMX hat Google die Belastungen bereits auf der Erde simuliert. In Vibrationstests hätten die Prozessoren die erwarteten Belastungen ausgehalten. Eine weitere Herausforderung stellt jedoch die starke Strahlung ausserhalb der Erdatmosphäre dar, die elektronische Bauteile beschädigen kann.
Um diesen Einfluss zu testen, wurden die Chips in einem Labor gezielt mit einem Protonenstrahl beschossen. Google geht nach diesen Versuchen davon aus, dass die Technik einen geplanten fünfjährigen Einsatz in Weltraum-Rechenzentren überstehen könnte.
Gleichzeitig betont der Konzern, dass sich bestimmte Fragen nur unter realen Bedingungen beantworten lassen. Der Satellit mit den vier Google-Chips soll kommende Woche als Teil einer grösseren Satellitenmission mit einer Rakete von SpaceX ins All gebracht werden.
Rechenzentren im All mit Solarenergie
Die Idee von Rechenzentren im Weltraum wird auch von Elon Musk und seiner Raumfahrtfirma SpaceX verfolgt. Musk hat wiederholt Pläne für grosse Rechenkapazitäten in der Erdumlaufbahn angesprochen.
Ein möglicher Vorteil wäre die Nutzung von Solarenergie. Satelliten könnten Sonnenlicht für die Stromversorgung nutzen, ohne auf die gleichen Bedingungen wie Rechenzentren auf der Erde angewiesen zu sein.
Der zunehmende Energiebedarf grosser KI-Rechenzentren sorgt insbesondere in den USA gleichzeitig für Diskussionen. Der Bau solcher Anlagen benötigt grosse Mengen an Strom und stellt hohe Anforderungen an die Infrastruktur.
Kühlung bleibt ein Problem
Google sieht allerdings noch zahlreiche technische Hürden. Eine davon ist die Kühlung. Zwar herrschen im Weltraum extrem niedrige Temperaturen, doch im Vakuum gibt es keine Luft, die Wärme wie bei klassischen Kühlsystemen auf der Erde abtransportieren kann.
Die Abwärme muss deshalb über spezielle Kühlsysteme abgeführt werden. Google will mit dem Test unter anderem untersuchen, wie ein neu entwickeltes Kühlsystem unter realen Bedingungen funktioniert.
Auch die Datenübertragung stellt eine Herausforderung dar. Bei mehreren Satelliten in schneller Bewegung müssten grosse Datenmengen zuverlässig zwischen den einzelnen Rechenzentren ausgetauscht werden.






